Jacobs und Reinl als die Senioren, Vock und Weck die Neueinsteiger, dazu noch Vohrer als späte Beigabe: Tatsächlich mehr Beteiligungen oder auch Entscheidender fallen beim groben Drauf- und Überblick über die Heimat-/Schlager- und Lustspielfilme Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger des vergangenen Jahrhunderts erst einmal nicht ein. Am meisten getan und gewirkt dürfte dabei ausgerechnet Franz Antel, seit ehedem Arbeitstier auf dem Gebiet und dort sich austobend auch mit der größten Auswahl an Versuchen der ständigen Aktualisierung und Anpassung an den stetig veränderten Massengeschmack sein. Antel war mit der Erste, der den direkten Sex mit den Frau Wirtin - Abenteuern ab Frau Wirtin hat auch eine Nichte [ 1968 ] bis Frau Wirtins tolle Töchterlein [ 1973 ] in das seit jeher mit Dirndl und Tracht nicht geizende, aber eben züchtige und die heilige Liebe propagierende Genre nahm, und Antel war auch der Erste, der das ehrwürdige Alte der Tradition mit den zeitgenössischen Auswüchsen verband. Schon damals dafür nicht wirklich mit Wohlwollen der Zunft gesegnet, ist die Aufnahme und Rezeption gerade deswegen heutzutage auch umso schwerer.
Denn hier wie bspw. ähnlich auch in Außer Rand und Band am Wolfgangsee [ 1971 ], einem der vielen Klamaukabenteuer aus dem nimmermüden Kescher des Filmemachers, wirft dieser mit popkulturellen Personen wie Heino, Bata Illic, Chris Andrews, Jürgen Marcus geradezu um sich. Dazu wird auch darstellerisch mit Akteuren der Marke Hansi Kraus, Ilja Richter, Sascha Hehn, Eddie Arendt, Hans Terofal, Jutta Speidel alles Andere als leise agiert, was dem narrativ eigentlich gar nicht so neuen Geschehen schon ziemlich die Beine wegzieht:
Die Winterferien der Internationalen Hotelfachschule Schloss Thannberg wollen die Auszubildenen um Wort- und Rädelsführer Pinky [ Ilja Richter ] auf ihre ganz eigene Weise nutzen. Mit dem Versprechen im Rücken, dass sie nach dem angesetzten Urlaub mit ganz schlechten Zeugnissen und ohne Abschluss entlassen werden, wollen sie die Abwesenheit von Direktor Alfons Ponelli [ Jacques Herlin ] und des Hausmeisters Haselmeier [ Hans Terofal ] für einen kostenlosen Aufenthalt in ihrer eigenen Bildungsstätte nutzen. Durch einen Irrtum glaubt sich die Clique um Pinky, namentlich Haselmeiers Nichte Lilo [ Catharina Conti ], Kuni [ Julia Speidel ], Max [ Sascha Hehn ] und Stefan Großmann [ Hansi Kraus ] aber der 15.000 DM Schuleinnahmen verlustig, die sie eigentlich auf die Bank und zum Erhalt ihrer quasi Heimat bringen soll. Da bleibt nur eine Möglichkeit, das Hotel in Probe zu einem tatsächlichen und ertragreiche Aufenthalt für den mehr als cholerische Millionär Hans-Karl „Hazy“ Morton [ Heinrich Schweiger ], seinen Adlatus Dr. Überlein [ Eddie Arendt ] und die beiden mitgereisten Sekretärinnen umzuwandeln und so den perfekten Urlaub vorzutäuschen. Ein bei dem Kunden mehr als schweres Problem, was durch unerwartetes Hereinplatzen von Direktor und Hausmeister nicht einfacher wird.
Zumindest ist dem Regisseur in seinen gleich diversen Autobiografien das Dilemma aus schnellem Geld und dem Unterschied zu Langen Nacht der Kunst, die seine Filme selbst in eigener Ansicht nicht repräsentieren, bewusst. Hier sprüht die Zuneigung kein ganzen Leben, sondern vielleicht und höchstens den einen Monat der Kinoaufführung, zum Einsammeln des Obolus der Zuschauer lang. Musik steht im Vordergrund, ein wenig Aufruhr gegen die Obrigkeit, der Zusammenhalt des einfachen und des sonst gescholtenen Bürgers, hier stellvertretend für die Kaufkraft auch bevorzugt die jungen Leute und ihr erstes Wirken in der späteren Arbeitswelt. Ein großer Traum für einen Moment, der theoretisch auf mehr als wackligen Füssen und eigentlich auch kriminellen Zutaten besteht – in Außer Rand und Band werden diverse Dinge gar entwendet, hier immerhin nur ausgeliehen, dafür aber mehrere Details vorgetäuscht und so sich eifrig im Betrug und erlaubten Aufenthalt versucht –, auch jederzeit platzen kann und sowieso die große Luftblase, das Märchenschloss aus puren Glück, zahlreichen Zufällen und dem 'Dumm hat Schwein' - Motto ist.
Ob sich die damalige Jugend davon angesprochen und verführt fühlte, ist im Nachhinein schlecht zu eruieren; den eher bräsigen Ruf hatte das Genre schon immer, der absolute Niedergang bis hin zu Einstellungen dieser Sorte von Produktionen erfolgte auch nur wenige Monate später. Im Grunde werden hier auch nur die einst überbordenden Pauker - Filme wiederholt, wackelt halt nicht die Penne, sondern das Internat, und dies nicht im laufenden Schulbetrieb, sondern in den Ferien und damit dem Urlaub und der Freiheit tun und lassen zu können, was man will und so der Grenzenlosigkeit an sich. Das Urlaubsmotiv als eine der vielen Wiederholungen der Grundfesten der Gattung, die mit dem Reise- und Kurort Kitzbühel, 90km von Innsbruck entfernt das perfekte Gesicht und das ideale Areal für die vielen Verwicklungen erhält. Die Natur selber wird dabei eher weniger, nur für manche exterieur shots wie kleinen Strassen- oder den Bahnhofsszenen und einmal genauer für eine Kutschfahrt in die weißen Bergwälder genutzt, stellt sich dann aber immerhin mit dem Auge für Geschmack und der richtigen Möglichkeit des Ausschweifens dar.
Auch die Innendekoration, gerade Alles im Schloss Thannbuch ist gar nicht so verkehrt und lädt zum Verweilen ein; wenn man denn biederes Eichenholzmobiliar, einen Saal wie aus dem Guthauskeller und samtrote Wandbekleidung in insgesamt eher geräumigeren Zuschnitt mag. Schwung in die Bude, in diesen eher altertümlichen Gehäuse, sowohl inhaltlich als auch architektonisch und landschaftlich, kommt durch mehrere Musikeinlagen und insgesamt natürlich den dargebrachten Holzhammerhumor, das Eine theoretisch gar nicht so übel, das Andere dafür hektisch bis cholerisch rein. Das Einbringen von Melodien erfolgt wie von Cameos bei einem Wunschkonzert, wird für ein späteres Schlagerfestival ein Aushang geschrieben und dann immer aus heiterem Himmel die sich vorstellenden Kandidaten präsentiert. Die Idee ist ganz nett. Das Songmaterial und die sich Vorstellenden gehen natürlich nicht.
Auch die Komödie, immerhin Sinn und Zweck der eigentlichen Veranstaltung des Filmes, hat seine ein bis zwei Glückstreffer in die richtige Richtung, beruht aber viel zu sehr auf das Ausgeleierte aus der Retorten- und gar Mottenkiste und ruht sich stark auf unsinnigen Verwechslungen, Verirrungen, Verwirrungen und viel Aufschäumung und Hysterie aus. Mit viel Enzianbranntwein ist das eventuell zu ertragen. Ohne sicher nicht.