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Sam Jones legt als menschliche Dampfwalze mal wieder zwielichtigen Subjekten das Handwerk.
Michael Braxton (Sam Jones) ist der härteste Bulle von St. Louis. Das müssen auch ein paar brutale Bankräuber erfahren, die nicht nur einen Geldtransporter kapern, sondern auch Michaels Partner bei dem Coup ermorden: Der aufsässige Bulle verfolgt sie, stellt sie und nietet sie nach kurzen Kampfhandlungen um. So stellt man sich den Opener eines 80er Jahre Actioners vor, wobei ein Fiesling noch ganz kreativ mit einem geworfenen Geldsack durch die Windschutzscheibe gekillt wird.
Auf einen dermaßen toughen Helden wartet natürlich auch der entsprechend hundsgemeine Fiesling, in diesem Falle der Waffenhändler Simon Stone (John Russell). Dieser killt gerne Untergebene, die nicht spuren oder nicht mehr gebraucht werden. Dazu gehört unglücklicherweise auch Michaels Bruder Tony (Nick Cassavetes), der für Stone Plutonium klaute. Dies wird natürlich ebenso gezeigt wie das Beseitigen eines unfähigen Hehlers, damit auch ja keiner über Actionarmut klagen kann.

Als Michael davon erfährt, springt er ohne viel Federlesen ins nächste Flugzeug nach Los Angeles, um sich die Mörder seines Bruders vorzuknöpfen. Doch Stone als wenig zimperlicher Supergangster hetzt dem harten Bullen ganz schnell seine Killerhorden auf den Hals…
„Under the Gun“ ist ein totales Kind der 80er: Von den Frisuren der Darsteller über die in weißen Anzügen herumrennenden Killer im „Miami Vice“-Stil bis hin zu allen inhaltlichen Klischees – alles wie man es von B-Produktionen aus dieser Zeit erwartet. Der Held ist natürlich härter und eigenwilliger als die Polizei erlaubt, der Fiesling kälter als ein Eisfach in der Arktis und Frauen nur zu rettendes Beiwerk, selbst wenn es sich dabei um eine Anwältin handelt. Zwar nerven einige Klischees (vor allem das extrem beschränkte Frauenbild), aber andrerseits kommt dadurch auch ein naiver Charme auf, der den Simpelplot wieder ansprechender macht.
Denn simpel ist genau das richtige Wort um die Alibistory von „Under the Gun“ zu beschreiben. Michael kennt die Identität seiner Gegner von Anfang an, macht sofort klar, dass es Stunk geben wird und versucht anfangs noch recht erfolglos Beweise gegen Stone zu sammeln, ehe der Film dann in eine Reihe von Auseinandersetzungen zwischen Michael und den Fieslingen ausartet. Immerhin wird die Geschichte so flott abgespult, dass keine Langeweile aufkommt, aber eine paar echte Wendungen hätten echt nicht geschadet, da die Story dann doch extrem schlicht anmutet.

Dafür kann sich die Action dann doch sehen lassen. Zwar ist sie nicht so spektakulär wie bei Hollywoodproduktionen, aber doch es gibt zumindest in Hälfte zwei reichlich davon zu sehen. Das Spektrum reicht von blutigen, schick inszenierten Zeitlupenballereien über rasante Verfolgungsjagden mit einem Blechschaden bis hin zu ein paar fetten Explosionen gegen Ende. Zwischendurch darf Sam Jones auch ein paar Leuten auf die Glocke hauen, was wegen seiner Größe nicht allzu flink ausfällt, aber ganz ordentlich gemacht wurde. Zwar fehlt der Action noch der letzte Schliff um zum Highlight im B-Bereich zu werden und auch in diesem Punkt braucht „Under the Gun“ etwas um in Fahrt zu kommen, doch die Action ist die klare Stärke des Films.
Ein großartig talentierter Darsteller ist Sam Jones sicherlich nicht, aber den hünenhaften, angepissten Cop auf Rachefeldzug verkörpert er dann doch ziemlich überzeugend. Ebenfalls ganz solide trifft sein Gegenspieler John Russell auf, während Vanessa Williams in ihrer ziemlich hilflosen Rolle (siehe oben) eine weitaus schwächere Figur macht als später in Filmen wie „Eraser“. Die Nebendarsteller sind auch ganz ordentlichen, auch wenn ihre Klischeerollen selten riesiges Talent erfordern.

Bleibt alles in allem gutes B-Entertainment, bei dem vor allem die zweite Hälfte mit massig gut gemachter Action überzeugt. Braucht zwar etwas um in Fahrt zu kommen, aber Genrefans können bedenkenlos einen Blick riskieren.

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