Das "Who is who" des deutschen Films versammelt sich hier in dieser Komödie: Sönke Wortmann verfilmte Hera Lind's Roman "Das Superweib", das ganze von Bernd Eichinger produziert - beste Voraussetzungen nicht nur für einen qualitativ sehr gelungenen Film, sondern auch für einen erfolgreichen.
Auf der Besetzungscouch tummelten sich die richtigen Exemplare: Veronica Ferres in der Hauptrolle, Esther Schweins in einer passenden Nebenrolle als verführerische Nymphe und Lieselotte Pulver als fürsorgliche Adoptivmami. Aber auch der männliche Teil ist vom allerfeinsten: Thomas Heinze in überraschend passender Rolle als schleimiger arroganter Regisseur und dauerfremdgehender Ehemann, Joachim Krol einmal mehr in sympathisch ruhiger Art als väterlicher Advokatenfreund, Til Schweiger darf die Hauptrolle im Film vom Film mimen (ein überheblicher Superstar), Richy Müller als einfühlsamer Liebhaber, Heiner Lauterbach als Mädchenschwarm im 70er Jahre Lehrerlook.
Auch in zahlreichen Nebenrollen finden wir bekannte Gesichter. Pierre Sanoussi-Bliss als tuntiger Friseur, Arabella Kiesbauer präsentiert die Premierenaufführung, Maren Kroymann als schwäbelnde Bibliothekarin, Nele Mueller-Stöfen sehen wir leider zu kurz als Radiomoderatorin, Armin Rohde darf ebenfalls leider nur kurz als Paketbote ("Ich bin hier nur die Aushilfe") reinspickeln, dafür hat Burghart Klaußner endlich mehr Platz um sein schauspielerisches Können zu beweisen, diesmal als liebenswerter Produzent Rudi (war ja klar, daß der Eichinger Bernd die Produzentenrolle so besetzt, daß man ihn mag...!).
Die Story beginnt rasant, der Film ist von vorne bis hinten spannend und abwechslungsreich, zahlreiche Lacher und liebevoll inszenierte Details krönen diesen Film zu einem weiteren Schmuckstück der gelungenen deutschen Komödienkultur. Typisch hierfür die netten Nebenschauplätze, so daß man auch beim wiederholten Ansehen immer was neues entdeckt. So heißt der Anwalt natürlich Winkel ("Winkel-Advokat") und macht seinem Namen alle Ehre mit immer neuen Spitzfindigkeiten (achtet mal darauf, was der nach der geplatzten Hauptverhandlung von sich gibt!). der Name der Protagonistin ist allein schon ein Brüller: Franziska Herr-Groß. Daraus entspinnen sich logischerweise ultrakomische Dialoge wie "Darf ich dann jetzt auch Du zu Ihnen sagen, Frau Herr-Groß?".
Überhaupt der Wortwitz in jeder Szene, beispielhaft sei hier nur der Dialog beim Einleiten der Scheidung aufgeführt: "Haben Sie Kinder?" - "Ja." - "Gemeinsame?" - "Ja, nur gemeinsame!" Mama Alma fürsorglich zu ihrem Sohn kurz vor der Premierenfeier "Mach Dir mal die Krawatte gerade!" - man ist sich nicht sicher, meint sie es wirklich fürsorglich oder geht ihr sein Gelaber genauso auf den Sack wie Franziska im Fond?
Egal wie - für Lacher ist gesorgt in diesem Film, von der ersten bis zur letzten Minute. Rasant inszeniert, in jeder Szene spürt man den Enthusiasmus der Mitwirkenden - der Film gehört eindeutig zu den Topproduktionen der deutschen Komödienlandschaft. Man hätte nichts besser machen können! Daß mir andere deutsche Komödien (wie z.B. "Stadtgespräch" oder "Echte Kerle") mehr ans Herz gewachsen sind beruht auf rein subjektiver Einschätzung, dieser Film hier hat die volle Punktzahl verdient! Als Kompromiß also (9,5/10)