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Eines muss man „Never Back Down“ von Anfang an lassen: Er hat Mut, denn Kloppstreifen wie dieser hier gingen seit Anfang der 90er an sich direct to video, doch hier versucht man sich tatsächlich im Kino.
Jake Tyler (Sean Faris) ist Footballspieler und Hitzkopf. Seit er seinen Vater bei einem Autounfall verlor, ist sein Zorn noch unkontrollierbarer geworden und auf gezielte Provokation fängt er eine Schlägerei bei einem Footballspiel an. Genau aus diesen und anderen Gründen zieht seine Mutter Margot (Leslie Hope) mit ihm und seinem kleinen Bruder Charlie (Wyatt Smith) nach Orlando in Florida. Damit schlägt „Never Back Down“ die Klassenkampfrhetorik viele Jugendfilme an, denn die Schule wird natürlich von rich kids geradezu beherrscht.
Am ersten Tag will Jake dem scheinbar in Bedrängnis geratenen Max Cooperman (Evan Peters) helfen, doch die Prügelei erweist sich als arrangiert Free Fight – das Trendhobby an der Schule. Max will Jake in den Kreis der Free Fighter bringen, doch der lehnt ab. Bis er Baja Miller (Amber Heard) kennen lernt – die Freundin des Lokalmatadors Ryan McCarthy (Cam Gigandet), der Jake zu einem Match rausfordert und verprügelt. Denn wir lernen: Reines Boxen hat ausgedient, Mixed Martial Arts heißt das Zauberwort.

Wütend verschafft sich Jake einen Trainingsplatz bei dem Mixed Martial Arts Meister Jean Roqua (Djimon Hounsou). Doch dort lernt er, dass es wichtig ist seine Aggressionen zu kontrollieren – zumal Roqua Kämpfe außerhalb der Übungshalle verbietet...
Für den Actionfan bietet „Never Back Down“ ein nostalgisches Vergnügen, denn der Film lehnt sich an die klassischen Martial Arts Klopper an, der Verleih zieht gerne den Vergleich zu „Karate Kid“. Jedoch ist der Plot fast eins zu eins aus Robert Radlers „Showdown“, in Deutschland „American Karate Tiger“ betitelt, übernommen. Große Innovationen darf man nicht erwarten, trotz aller Belehrungen gibt es zum Schluss natürlich keine andere Option als die Sache im Kampf zu regeln, wenngleich „Never Back Down“ hin und wieder mit den Erwartungen spielt. Jedoch ist die Geschichte klassisch wie einfach und sogar beim pseudo-englischen Titel hierzulande steht „Never Back Down“ in bester direct to video Tradition: Für die des Englischen weniger Mächtigen titelt man ihn hierzulande „The Fighters“.

Mag der Plot noch reichlich retro sein, so ist die Inszenierung es nicht, stattdessen nutzt sie viele Elemente des modernen Fernsehens. Die Trainingsszenen, untermalt mit einem dynamischen, modernen Soundtrack von Bands wie Rise Against, Disturbed oder Drowning Pool, kommen wie gestylte Musikvideos daher und gelegentlich hat „Never Back Down“ auch starken „O.C. California“-Appeal – vor allem in den Szenen an der Schule. Dabei kann Regisseur Jeff Wadlow auch einige der übelsten Klischees nicht vermeiden (in Florida wohnen scheinbar nur schöne, junge Menschen, die am liebsten im Bikini Hauspartys in dicken Villen feiern), wenngleich man diese gelegentlich dann wieder ironisch auf die Schippe nimmt (z.B. bei den Flirts zwischen Baja und Jake). Wirklich gelungen ist die kleine „Rocky Balboa“-Anspielung: Beim Training schlagen sich Jake und Max rohe Eier in Gläser, um diese zu trinken, müssen das Ganze jedoch direkt wieder ausspucken.
Eine übergroße Ladung an Action sollte man nicht erwarten, denn richtige Fights gibt es fast nur im Finale zu bestaunen, davor ein paar kleinere Kloppereien und vor allem Trainingsszenen en masse. Jedoch kann „Never Back Down“ durch gelungene Darstellung von Mixed Martial Arts gewinnen, vor allem durch den Fokus auf Grappling, was ihn realistischer als so manch anderen Klopper macht. Zudem sind die Fights stylisch inszeniert und gelungen choreographiert, was die eher kleine Masse doch teilweise wettmacht. Zudem hat man den Jungdarstellern auch wirklich Martial Arts beigebracht, was man „Never Back Down“ positiv ansieht (Verzicht auf viele Doubles usw.).

Zwischen den Kampf- und Trainingsszenen hängt der mit 110 Minuten Laufzeit doch etwas zu lange Film allerdings. Vor allem die Lovestory ist sehr aufgesetzt und wirkt daher nicht überzeugend, ebenso die Tatsache, dass viele Charaktere etwas reißbrettartig sind (vor allem Ryan, wenngleich „Never Back Down“ das Ganze zum Schluss noch etwas zu kippen und ihn als Produkt seiner Erziehung darzustellen versucht). Bei den häuslichen Problemen von Jake und auch Jean wirkt „Never Back Down“ da schon sattelfester, gelungen auch die Einbindung der youtube-Generation: Jake wird erst durch ein youtube-Video seiner Footballschlägerei entdeckt, ständig sind Kamerahandys zugegen usw. weshalb Ryan auch nicht mehr zum Beweis der eigenen Männlichkeit, sondern für die Zuschauer kämpft. „Why should anyone fight, when there are no spectators?“ ist sein markigster Satz.
Djimon Hounsou erweist sich mal wieder als wirklich großartiger Schauspieler, der auch die Rolle des Kampfsportmeisters mit der Backstorywound überzeugend und recht klischeefrei spielen kann. Daneben wirkt das Jungvolk leider deutlich blasser, den meisten Darstellern merkt man ihre TV-Wurzeln (große Teile der Besetzung sammelten ihre ersten Erfahrungen bei „O.C. California“) doch noch sehr stark an, was leider auch auf die Hauptdarsteller zutrifft. Ausfälle erlauben sie sich zwar nicht, aber zu großen Schauspielkünsten fehlt halt noch ein Stück.

„Never Back Down“ hat definitiv seine Schwächen, z.B. das innovationsarme Drehbuch und eine aufgesetzt wirkende Liebesgeschichte, jedoch hat das Team um Regisseur Jeff Wadlow einen netten, plotmäßig herrlich altmodischen Kampfsportfilm geschaffen. Der Soundtrack geht ins Ohr, die Inszenierung von Trainings- wie Kampfszenen ist dynamisch und kurzweilig ist das Ganze auch – kein Meisterwerk, aber gute Unterhaltung.

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