Review

Kommen wir zu zwei Themenbereichen, die uns im Alltag als selbstverständlich erscheinen, miteinander kombiniert doch mindestens fragwürdig erscheinen: Ineinander verliebte Tiere?
Zumindest was das Paarungsverhalten betrifft, ist es wohl eher das instinktive Fortpflanzungsverhalten, welches kaum mit Zärtlichkeiten und monogamer Anhänglichkeit einhergeht, wie es uns diese Tierdoku glauben machen will.

Zwei Jahre lang waren sieben Kameramänner in 16 Ländern unterwegs, um intime Einblicke ins Tierreich zu liefern, vom Balzverhalten, ersten Paarungsversuchen bis hin zu rührenden Bildern frisch gebackener Eltern und ihrem Nachwuchs.

Regisseur Laurent Charbonnier lässt die Bilder fast ausschließlich für sich sprechen, nur zu Beginn und gegen Ende faselt eine süßlich weibliche Stimme etwas von Liebes-Molekülen, die seit dem Urknall bei Tier und Mensch gleich seien, wobei die esoterisch anmutenden Worte („Ekstase der Liebe“) eher als Zuckerguss für unheilbare Romantiker gedacht sind, wie im Übrigen die komplette Bilderflut des Streifens.

Es wirkt ein wenig konzeptlos, wenn man sich eine ganze Zeit lang mit dem (durchaus sehenswerten und in ihrer Art „aufwendigen“) Balzverhalten verschiedener Vogelarten beschäftigt, dann aber unvermittelt unter Wasser taucht, kurz darauf zu röhrenden Hirschen überblendet, um nach Affen und Löwen wieder bei Enten anzukommen. Denn all diese Szenen bleiben unkommentiert im Raum stehen, es reihen sich recht viele verschiedene Tierarten (merkwürdigerweise jedoch kaum Säugetiere) aneinander, lassen sich für einzelne Spezies aber selten ausgiebiger Zeit.
In diesem Kontext mangelt es aber vor allem an Informationen, denn zu keiner Zeit erschließt sich dem Betrachter, bei welcher Vogelart, wann, wie, wo und warum ein bestimmtes Verhalten in Gang gesetzt wird, wobei wirklich harte Auseinandersetzungen ohnehin völlig ausgeblendet werden, damit die oben erwähnten Romantiker nicht eine Sekunde verstört werden.

Dafür sorgt auch der Score von Philip Glass, der gewohnt eingängig und mit hohem Wiedererkennungswert arbeitet, - für diese Doku aber nicht mehr als seinen Zweck erfüllt.
Um das kostbare Bildmaterial ist es somit ein wenig schade, denn selbst die Dramaturgie, die aus den natürlichen Vorgängen selbst hätte geschöpft werden können, bleibt völlig außen vor.
Flusskrebse locken potentielle Partner mit ihren auffällig gelben Scheren an, ein Pfau offenbart sein Federkleid in voller Pracht, - zweifelsohne eindrucksvolle Bilder, jedoch ohne Konsequenz, denn beide Gattungen tauchen im weiteren Verlauf nicht mehr auf, der Eindruck eines fahrig editierten Sammelsuriums bleibt bestehen.

Dabei brillieren nicht selten ein paar außergewöhnliche Detaillaufnahmen, wie ein Reh in den Wehen, ein Elefantenbaby, das mithilfe der Eltern zaghaft auf die Beine kommt oder ein Affenkleines an der Nuckelbrust der Mutter. Erst in diesen finalen Einstellungen offenbart sich, was unter Liebe innerhalb der Tierwelt eigentlich zu verstehen ist, nämlich die Zuneigung der Mutter zum Nachwuchs, - allerdings auch nur, weil etwa kannibalistische Verhaltensweisen wie das von Hechten oder Gottesanbeterinnen erst gar nicht gezeigt wird.

Der Anmut und die Schönheit der Bilder soll, für sich stehend und in seiner farbenfrohen Pracht, nicht geschmälert werden, doch um ehrlich zu sein, - neue Erkenntnisse und vor allem Informationen bringt mir das als Tierfreund nicht.
Von Kängurus über Zebras, Delphinen und Giraffen gibt es gefällige Einblicke, aber nach rund 85 Minuten bleibt eben keine Message hängen, sondern eher der Eindruck, dass hier die Schnittmenge zwischen Tier und Mensch als besonders groß dargestellt wird, was die Wahrheit der Natur reichlich verfälscht, vor allem auf Ebene der durchweg suggerierten Romantik.
Die teilweise fantastischen Aufnahmen, die seltenen Laute während des Balzverhaltens erscheinen dadurch in ihrer Gesamtheit nicht mehr als nett.
6 von 10

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