Neugierig gemacht durch so manche gute Kritik, legte ich mir als geschichtsinteressierter Filmegucker nun endlich Samuel Fullers "Big Red One" in der restaurierten, um 47 Minuten erweiterten Fassung zu - und wurde doch ziemlich herbe enttäuscht!
Geschildert wird - wie jüngst analog in Steven Spielbergs hochgeobter Weltkrieg II-Miniserie "Band of Brothers" - der Werdegang einer amerikanischen Infantrie-(Elite)Einheit von den staubigen Gefilden Nordafrikas über das faschistische Italien, die blutigen Kämpfe der Normandie bis in die westliche Tschechei, wo in den letzten Kriegsstunden noch ein Konzentrationslager befreit wird.
Trotz solidem Staraufgebot vermag diese ausgreifende Schilderung jedoch nicht wirklich mitzureißen. Die Gründe dafür sind vielfältig: So zieht sich "Big Red One" passagenweise doch gewaltig in die Länge und langweilt mit vielen quasi sinnfreien Füllszenen. Unmittelbar damit zusammen hängen im weiteren die wenig sympathischen Charaktere und die extrem monotone Action. Von letzterer gibt es zwar eine ganze Menge, doch in qualitativer Hinsicht kann diese kaum überzeugen und zieht selbst gegenüber deutlich betagteren Werken wie "Der längste Tag" klar den Kürzeren. Schusswechsel sehen hier immer gleich (billig) aus, die deutsch-italienischen Gegner halten lediglich als lemmingartige Zielscheiben her und größere Effekte wie Panzereinsatz oder das Sprengen von Strandhindernissen enttäuschen technisch ebenfalls auf ganzer Linie. Insbesondere bei letztgenannten Szenen merkt man ununterbrochen, wie selbige mit schlichtesten Mitteln (deutsche Panzer standen nicht zur Verfügung, also halten US-Shermans her) zuweilen einfach hingerotzt (die Normandie-Setdeko bestand wohl aus einem einsamen Stahligel und einem kaum weniger lächerlichen Schiff im Hintergrund) worden sind. Nein, diese Action macht defintiv keinen Spass, zumal stets gleich gestrickt und von eher schwacher Choreographie! Als allgemein gutmütiger Mensch will ich sie noch gerade als "zweckmäßig" einstufen.
Betrachtet man nun die Action einmal als eher plakative Begleiterscheinung, so muss man zwangsläufig die Frage nach den anderen Qualitäten des Filmes stellen. Das Problem hierbei: Es gibt sie nicht wirklich! Vom Anspruch her bleibt "Big Red One" platt wie eine Flunder, vermittelt statt einer Antkriegs-Botschaft gar eher ein mit bisweilen peinlich überzogenen Klischees (Stichwort: "Volkssturm") behaftetes Abenteurerfeeling. Bestenfalls in den letzten paar Filmminuten, in welchen die Befreiung eines KZs thematisiert wird, macht sich mal so etwas wie eine halbwegs bedrückende und epischen 150 Minuten angemessene Atmosphäre breit. Ohne das stereotype Nazihasen-Abschiessen auf B-Film-Niveau geht freilich auch dies nicht von statten aber immerhin schien man sich in diesen letzten Minuten zumindest bemüht zu haben, so etwas wie einen Hauch von Anspruch zu suggerieren. Viel nutzen tut dies natrülich nicht mehr. Echte Reflexion oder kritische Betrachtungen erwartet man vergebens...
Tja, so folgt man unserem unkaputtbaren Haufen der "Big Red One"-Division nun episodenhaft von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz, um sich dann schließlich nach heftig langen 2,5 Stunden verdutzt zu fragen: Was sollte das ganze jetzt eigentlich? Ich für meinen Teil sehe jedenfalls nicht den geringsten Anlass, mir dieses in allen Belangen höchst durchschnittliche Werk eines fernen Tages noch einmal anzusehen: Die Action ist durchgehend mehr schlecht als recht gelungen, die Optik sehr statisch, ein epischer Soundtrack fehlt vollkommen und die monoton erzählte, höhepunktlose Geschichte selbst reisst zu keinem Zeitpunkt vom Hocker.
Bleiben wenigstens noch die recht ordentlichen Darstellerleistungen. Altstar Lee Marvin gibt mit aller Routine den nicht totzukriegenden Veteranen, "Luke Skywalker" Mark Hamill und Robert Carradine verkörpern ordentliche GIs. Der Deutsche Siegfried Rauch wiederum darf den kaltblütigen Musternazi stellen, dem die bereits erwähnte Klischeefahne um Kilometer vorrausstinkt.
Fazit: Am liebsten würde ich diesem gnadenlos überschätzten, leider aussagelos bleibenden Machwerk eine unterdurchschnittliche Wertung reindrücken. Meisterliches gibt es hier definitiv weit und breit nicht zu erspähen! Da allerdings nicht zuletzt die Auswahl der Schauplätze recht umfangreich ist und 1979 auch zur Ehrenrettung der aufwendige "T34-Tigerumbau" aus "James Ryan" noch nicht zur Verfügung stand, will ich nochmal beide Augen zudrücken und versöhnliche 5 Wertungsgpunkte springen lassen. Daß im direkten Vergleich selbst der S/W-Klassiker "Der längste Tag" in allen Bereichen qualitativ so deutlich besser abschneidet, ist jedoch für einen solchen, noch verhältnismäßig aktuellen Kriegsfilm nicht zu entschuldigen...