Review

Von Sam Fullers angeblichem Meisterwerk war ich ziemlich entäuscht.
Der Film ist weder packend inszeniert, noch besitzt er ein überzeugendes Drehbuch. Die Geschichte der Infanterieeinheit "The Red One", die als Abzeichen eben eine große rote Eins trägt, wird sehr episodenhaft und spannungsarm erzählt. Grundlegend geht es nur um den Sergeant und seine vier "Stammsoldaten", welche versuchen, im Zweiten Weltkrieg zu überleben. Dabei kann man sich nie wirklich mit den Figuren identifizieren, da die "American Supersoldiers" fast schon comic-haft heroisch dargestellt werden.

Ich kenne die alte, geschnittene Fassung nicht, aber auch in der vorliegenden Rekonstruktion wirkt Big Red One sehr sprunghaft und unbestimmt. Zudem wirkt der Film - gerade für die Zeit seiner Entstehung - ziemlich verstaubt. Wenn feindliche Soldaten getroffen werden, fallen diese ohne jegliche Einschußlöcher einfach um, wie in alten Westernstreifen. Andererseits gibt es jedoch auch Fuller-typische, bizarre Szenen, welche dem Film etwas aus seiner Mittelmäßigkeit 'raushelfen. Die "Hoden-Mine" und die Irrenanstalt sind schon sehenswert. Bei letzterem Abschnitt hat mich die spröde Photographie sogar ein wenig an Die 120 Tage von Sodom erinnert.
Es gibt aber auch bizarren Unsinn, wie der Hitlerjunge, dem der Arsch versohlt wird, und welcher dabei erst "Heil Hitler!" und später "Papi" ruft. Unrealistischer und beschmierter geht's kaum.
Im Großen und Ganzen wird der Film von Lee Marvin getragen, welcher wirklich eine seiner besten Leistungen abliefert (auch wenn seine Figur natürlich völlig übertrieben ist). Auch Star Wars Softbacke Hamill ist überraschend unnervig.

Zum wirklichen No-Go komme ich aber jetzt erst. Diese elendige, reaktionäre Schwarz/Weiß-Malerei! Natürlich sind die Amis die Geilsten und die Deutschen alles böse Menschenhasser und grausame Tiere. Der Ober-Nazi im Film ist selbstverständlich ein blauäugiger, hellhaariger Feigling und Fanatiker. Zum Kotzen. Der Film ist von 1980! Da hätte man diese einseitige und diffamierende Klischee-Darstellungsweise wohl mal etwas relativieren können (auch wenn es eine Alibi-Szene gibt, in der zwischen "deutsch sein" und "Nazi- sein" differenziert wird).

Trotz einiger netter Einfälle, weiß Fullers Film weder optisch noch inhaltlich zu überzeugten. Auch wenn Fuller selbst im Krieg war, einige Handlungen der Protagonisten sind völlig unlogisch. Marvin ist sehenswert, der Rest ziemlich Profillos. Die Darstellung der Deutschen ist unverschämt und die Action relativ unspektakulär. In meinen Augen absolut überbewertet und verdammt langweilig.
Das gibt mit Höflichkeitsapplaus: 4/10

MovieMadness

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