Review

Man, man, man. Da gibt es unzählige Filme mit dieser Story und dann weiß ein Schwarz-Weiß-Exemplar aus dem Jahre 1945 mit genau diesem Muster dermaßen zu überzeugen, dass es wirklich eine wahre Freude war, sich dieses kleine Meisterwerk anzuschauen. Die 10 kleinen Negerlein. Auch die toten Hosen kennen sie und wandelten sie spaßeshalber in die Jägermeister um. Doch auch diese mussten nach und nach sterben. Und das Dezimierungs-Schema ist in Filmen ja nur allzu bekannt. Es sind logischerweise nicht immer "Negerlein", noch dazu nicht immer "10". Doch eigentlich jeder Teenie-Slasher greift darauf zurück. Eine Gruppe notgeiler Jugendliche begibt sich in ein verlassenes Gebäude, auf ein Zeltlager oder einfach in eine abgelegene Gegend. Überleben werden meistens 1 oder 2 Leute. Der Rest wird nach und nach getötet. Hier haben wir sozusagen den Prototypen dieser Handlung. Es sind zwar auch hier keine "Negerlein", aber eben "10" und sogar das Lied über die 10 kleinen Negerlein ist hier von größter Bedeutung. Werden die Opfer doch genau nach dem Schema und der Reihenfolge des Liedes über den Jordan geschickt. Was wohl jeder vermuten wird, wenn er sich das Erscheinungsjahr zu Gemüte führt, ist, dass hier nicht Goreszenen, die von Innovation nur so strotzen, im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr das "Wer hat es getan". Dass es nicht besagter Mr. U.N. Owen ist, da dieser wohl kaum existiert, ist relativ schnell klar. Also bleibt nur einer aus der Gruppe übrig. Und die wird zunehmend kleiner und durchsichtiger. Doch irgendwie auch undurchsichtiger. Denn wie in zig Abklätschen hat jeder irgendwie mal ein Alibi, ein anderer dann wiederum nicht, nur um 2 Minuten später doch wieder entlastet zu werden. Keiner vertraut auf jeden Fall dem Nächsten. Jeder kann es sein. Wie eine geheime Umfrage in der Mitte des Films auch zeigt. An wie viele aktuellen Filme "Das letzte Wochenende" jedoch erinnert, wird einem im Verlauf erst klar. Zunächst, wenn man es oberflächlich sieht, natürlich an jeden stupiden Slasher. Aber auch etwas anspruchsvollere oder innovativere Filmchen wie "Identität", "Final Destination" oder "Saw" schießen einen durch den Kopf. An "Final Destination" musste ich denken, da ja die Art und Weise des nächsten Mordes eigentlich scho grob feststeht. Bei "Final Destination" steht zwar gleich der nächste Tote fest, aber irgendwie sind da schon Parallelen zu diesem Geniestreich hier zu kennen. Ob bewusst oder unbewusst, sei dahingestellt. Auch "Saw" schießt einen durch den Kopf. Mr. U.N. Owen lässt auf der Schallplatte verlauten, dass er weiß, dass alle Gäste mehr oder weniger an einem Mord beteiligt waren. Und er will sich somit deswegen daran rächen. Auge um Auge, Zahn um Zahn eben. Wer Schlechtes tut, dem widerfährt auch Schlechtes. Zumindest mir erging es so, dass ich andauernd an einen anderen aktuellen Film, der in letzter Zeit für Furore gesorgt hat, denken hab müssen. Das kann hier ja nur ein Kompliment sein, ist "Das letzte Wochenende" immerhin aus dem Jahre 1945. 10 sich unbekannte Menschen werden alle auf eine verlassene Insel, auf der nur ein Haus steht, eingeladen und eben dezimiert. Eine simple Story, aber dennoch äußerst unterhaltsam. Wer hier meint, den Täter schnell ausfindig gemacht zu haben, wie etwa in "Mindhunters", der auch so Einiges geklaut zu haben scheint, der liegt hier völlig falsch. "Das letzte Wochenende" enthält zwar auch eine Auflösung zum Schluss, doch ist diese nicht so hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen wie bei den meisten Durchschnitts-Slashern der letzten Zeit. Hier gibt es keinen Storywandel, sondern es bleibt alles so, wie es ist. Und selbst bei der Auflösung wird zwar in Rückblenden gearbeitet, aber man sieht eigentlich nicht, was man noch nicht gesehen hätte vorher. Ich verrate aber nicht zu viel. Auch was die Logik angeht, sind hier keine großen Fehler zu bemängeln. Im Gegenteil. Auf den ersten Blick (ich hab mir diesen Film erst einmal angesehen) fiel mir gar kein Grober auf. Bei solchen Storys mit dementsprechenden Auflösungen ist das ja auch nicht unbedingt zu erwarten. Das Ende ist dann gleichermaßen überraschend wie angenehm. Angenehm in dem Sinne, dass der Mörder doch einer der 10 war und nicht irgendein Konstruierter. Und auch das Motiv ist schlichtweg innovativ und erinnert doch irgendwie an "Saw". Das einzige Manko, wie ich finde, ist das doch allzu positive Ende. Hätte man den "Bösewicht" nicht ausgetrickst, wäre die Stimmung noch viel düsterer und man würde wohl ein fieses Gefühl zurücklassen. Doch ich kann mir durchaus vorstellen, dass das damals einfach noch nicht so gewollt war von den Produktionsfirmen. Die Stimmung ist wie gesagt auf jeden Fall düster, auch wenn die humoristische Seite nicht zu kurz kommt. Jeder verdächtigt jeden, keiner traut dem Nächsten und daher kommt es logischerweise zu Spannungen. Die Location und das Unwetter, das kurzzeitig tobt, liefern den Rest. "Das letzte Wochenende" ist, wenn man bedenkt, wann er eigentlich erschienen ist, unglaublich innovativ, gut bis perfekt durchdacht, spannend, packend, düster, lustig, unterhaltsam und weiß eine Auflösung aufzuweisen, die nicht alltäglich ist. Bei all dem Slasher-Einheitsbrei, in dem Teenies nacheinander um die Ecke gebracht werden, ein unglaublich erfrischend anderer Film mit gleichem Muster. Nur eben viel besser konstruiert. Nämlich nachvollziehbar und glaubhaft. Ich war ganz einfach begeistert. 9/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme