Review

Der deutsche Titel klingt zwar eher wie ein altes Schneider-Taschenbuch für Jugendliche und ist auch wenig nachvollziehbar (der Film ist in s/w), dahinter verbirgt sich jedoch eine weitere Filmfassung von „10 Kleine Negerlein“ aus der Feder Agatha Christies.
Man kennt ja meistens die erste (und beste) Fassung von 1945 und bisweilen das B-Star-Aufgebot aus „Ein Unbekannter rechnet ab“ (1973), doch George Pollocks Film ist weitestgehend vergessen.
Schade, denn Pollock zeichnete verantwortlich für die hierzulande breitestbekannte Miss-Marple-Serie mit Margaret Rutherford und rundete seinen Christie-Output nach „Die Morde des Herrn ABC“ damit ab.

Sein vorliegender Film ist ein schönes, mit Gespür für Atmosphäre gedrehtes Stück Mystery-Krimi, der allerdings darunter leidet, daß man inzwischen die Lösung schon kennt, da die sich von Fassung zu Fassung eben niemals ändert.
Die Kulisse, ein düsteres Schlößchen auf einem verschneiten Alpenberg, nur erreichbar über eine Seilbahn, ist sehr stimmungsvoll und der Ablauf flott und ohne größere Hindernisse.
Was diesen Film jedoch hinter den anderen Fassung zurückstehen läßt, ist seine mediokre Besetzung. Hugh O’Brian, der offensichtlich zum Überleben verdammten Saubermann, hat einfach keinerlei Ausstrahlung, um den Film zu tragen und sein weibliches Pendant, Shirley Eaton, die durch ihre Goldlackierung in einem 007-Film zu Weltruhm kam, bietet auch nur Hausmannskost, wenn sie auch mal kurz in Strapsen durchs Bild hopsen darf. Wilfrid Hyde-White und Leo Genn sind zwar akzeptabel, aber wenig aufregend in ihren Rollen und Daliah Lavi, als pressegeiles Filmstarlet hat zuwenig gute Texte, um hervorzustechen.
So bleiben die qualitativen Highlights den Deutschen überlassen: ein jugendlich-brachialer Mario Adorf als Hausdiener bringt etwas rohe Kraft in den Film und als seine Frau drückt Marianne Hoppe als Besen vom Dienst dermaßen auf die Schicksalstube, daß man gewünscht hätte, sie würde nicht schon als Zweite abstürzen.

Krimifans werden sich an einem soliden Krimi mit guter Photographie erfreuen können, aber daß die kleine Christie-Welle damit bis zu Albert Finneys Poirot totgetrampelt war, steht außer Frage.

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