Review

"Ten Little Indians" vom ehrenwerten Regisseur George Pollock, der den Krimifreund durch die unwiderstehlichen Miss-Marple-Filme mit Margaret Rutherford verwöhnte, kann mit letzteren leider beileibe nicht mithalten. Wie treu das Drehbuch der berühmten Geschichte bleibt, kann ich mangels Kenntnis der letzteren nicht beurteilen, allerdings habe ich den Eindruck, dass hier der Zeitgeschmack der Mittsechziger kräftig mitgespielt hat. Statt schrulligen Charmes werden uns hier muffige Klischees vorgesetzt: Ein draufgängerischer amerikanischer Lebemann und eine hübsche Blonde sollen unsere Sympathien einfangen und in den weiteren Rollen sind Charakterdarsteller von Leo Genn, Stanley Holloway, Dennis Price und Wilfried Hyde-White (allesamt klasse) bis hin zu den Deutschen im Bunde, ein zwielichtiges Haushälterpärchen - bestehend aus Mario Adorf und Marianne Hoppe, die leider zu sehr auf Schreckschraube reduziert ist - zu sehen.

Eine Besetzung, die etwas zu schade für einen so groschenheftartig vorhersehbaren Film ist. Als Kuriosität gesellt sich eine puppenhaft aufgebrezelte Daliah Lavi dazu, die wohl als Augenweide gedacht war, aber überschminkt und mit Betonfrisur wie einem Wachsfigurenkabinett entsprungen wirkt. Shirley Eaton dagegen zeigt zwar in manchen Szenen darstellerisches Verbesserungspotenzial, jedoch sind ihre eisig-blauen (Schwarzweiß hin oder her) Blicke eine klare Bereicherung von Pollocks Filmchen. Zu schade, dass sie sich für Hugh O'Brians langweiligen Amerikaner hergibt. Ja, natürlich ist der Amerikaner der Herr im Haus, der sowohl im Faustkampf als auch mit List und Tücke den ganzen Snobs zeigt, wo's langgeht. Die britische Kultur, vertreten durch diverse kauzige alte Herren, geht freiwillig in die Knie vor dem rauhbeinigen Supermann aus Übersee - durchaus politischer Gehalt in diesem dünnen Unterhaltungsvehikel. Auch die kühle Sekretärin - sprich: Shirley Eaton - kriegt hier weiche Knie, eine Standardromanze wird abgespult und das Ende wird immer vorhersehbarer. Es kommt, wie es kommen muss, inklusive einer äußerst durchschaubaren Finte, die einige Minuten lang über das Unvermeidliche hinwegtäuschen soll.

Kameramann Ernest Steward und Komponist Malcolm Lockyer, beide mehrfach im Reich des seichten deutsch-britischen Krimi-Abenteuers zwischen Dr. Fu Man Chu und den Heißen Katzen in Erscheinung getreten, sorgen für angemessene, aber niemals sonderlich intensive Bilder und Stimmungen. Dazu trägt aber auch das konstruierte Drehbuch bei, das ständig damit beschäftigt ist, die Figuren taktisch hin- und herzuschieben, auseinanderzuzerren und wieder zusammenzuführen, was leider zu keinem organisch wirkenden Handlungsablauf führt. Wenigstens gibt es auch ein paar alpine Außenaufnahmen, aber alles in allem verbleibt der Film doch sehr im Gewöhnlichen und vermag trotz hervorragender (Neben-)Darsteller nirgendwo den Charme der Miss-Marple-Filme herzunehmen.

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