Der Titel ist Programm und der Terrorfilm der Siebziger wurde einmal mehr in die Neuzeit transportiert. Dass der Streifen aus Norwegen stammt, ist in diesem Fall überraschender als das eigentliche Ergebnis, denn das besteht aus dem Üblichen: Jäger eröffnen im Wald eine Hatz auf Jugendliche.
Die angemessen blasse Farbgebung sticht allerdings von Beginn an positiv ins Auge. Die Bilder wirken tatsächlich wie Sommer 1974, die Zeit, in die das Geschehen verlagert wurde.
Camilla, Mia, Roger und Jorgen befinden sich mit ihrem VW-Bus auf Tour durch die Wälder, als sie an einer Raststätte unfreundlichen Einheimischen begegnen und eine Tramperin mitnehmen. Kurz darauf müssen sie an einer Waldstraße halten und sehen sich rasch einigen Jägern gegenüber, die mit Waffenanwendung nicht lange zögern…
Und so ist die Jagd eröffnet, traditionell mit Jagdhorn und einigen hinweisgebenden Pfiffen.
Leider erscheinen die namenlosen Männer reichlich konturlos. Man weiß nicht, warum sie jagen und wie viele von ihnen unterwegs sind, zumal keiner von denen spricht.
Mit den potentiellen Opfern verhält es sich kaum besser, auch da mangelt es derbe an Figurenzeichnungen: Zwei sind Geschwister, einer ein Comic-Fan und dazu ein Paar im Beziehungsstress. Wer die Hatz überleben könnte, kristallisiert sich erst nach einiger Zeit heraus.
So bietet denn die Waldjagd auch kaum Innovationen, es werden übliche Abläufe mit Verstecken, Beobachten und finaler Gegenwehr präsentiert, allerdings in einem angenehm zügigen Erzählfluss, der das Geschehen zu keiner Zeit langweilig erscheinen lässt.
Was dem Ganzen deutlich zugute kommt, sind die teilweise recht derben Splattereffekte (in der ungeschnittenen Fassung). Da reißt ein Großkaliber-Gewehr schon mal einen Fuß weg, eine Bauchdecke wird aufgeschnitten und Gedärm herausgeholt und das Verfangen und anschließende Fesseln mit Stacheldraht ist auch eine fiese Angelegenheit. Darüber hinaus kommt ein paar Mal ein Messer zum Einsatz, zuweilen auch in Großaufnahme.
Die Qualität der Effekte kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen.
Schade nur, dass es dem Verlauf an Überraschungen mangelt und letztlich nur ein weiterer Terror-Film präsentiert wird, der sich einzig durch handwerkliche Qualitäten und gutem Timing hervortun kann.
So wirkt der komplette Film reichlich seelenlos, die Darsteller erscheinen durch die Bank austauschbar und auch der Score kann keinerlei Akzente setzen.
Die glaubhafte Ausstattung ist das Auffälligste, was ihn ein wenig von anderen Genre-Vertretern abhebt.
Horror-Fans werden die Abläufe bekannter Muster wahrscheinlich als kleinen Snack für Zwischendurch ansehen, ohne vom Gesamteindruck lange zehren zu können.
Da befindet sich jemand am Baum gefesselt, während sich innerhalb der Befreiungsaktion ein Jäger nähert, an anderer Stelle versucht das Opfer in prekärer Notlange an das Messer des Angreifers zu kommen und sobald eine Waffe wie Pfeil und Bogen gefunden wird, kommt diese zum Einsatz, wobei es immer wieder erstaunlich ist, wie Unbedarfte und Ungeübte sogleich treffsicher damit umgehen können.
Sofern einem diese Bilder bekannt vorkommen und zugleich Neugier wecken, sollte ein Blick auf die ungeschnittene Fassung riskiert werden, - mehr als einen über die Laufzeit unterhaltsamen Backwood-Slasher sollte man allerdings nicht erwarten.
6 von 10