Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung mit einer Laufzeit von 76 Minuten!
Die Franzosen sind mit ihren krassen Werken wie "Inside", "Martyrs" oder "Frontiers" auf dem Vormarsch, den europäischen Horrormarkt zu erobern, dabei erinnern sie sich an die guten alten Zeiten zurück, als der Horror in den 70er Jahren noch richtig blutig und dreckig war. Entsprechend derbe sind oben genannten Beispiele auch inszeniert und die Fangemeinde wächst und wächst.
Auf dieser Schiene versuchen nach und nach auch die Briten mit "Eden Lake" oder "Doomsday", die Schweden mit "Dead Snow" und die Norweger mit "Manhunt - Backwood Massacre" aufzuspringen.
Letzterer unter der Führung von Regieneuling Patrik Syversen, der zusammen mit Nini Bull Robsahm auch das Drehbuch verfasste, orientiert sich dabei an den Vorbildern diverser US-Backwood-Slasher, krankt aber an Ideenlosigkeit und einer Handlung, die vor Ungereimtheiten und dramaturgischen Schwächen nur so strotzt.
Die Handlung spielt in den 70er Jahren und darf zu den wenigen Stärken von "Manhunt" gezählt werden, denn wenn das Feeling auch nur für kurze Zeit eingefangen werden kann, wird hier zumindest nicht das altbekannte Klischee des nicht funktionierenden Handys aufgegriffen.
Nach einer kurzen Einleitung, die mehr verspricht, als der restliche Film halten kann, wird der Zuschauer im ersten Drittel mit der Vorstellung der Hauptpersonen und einer nicht enden wollenden Aneinanderreihung von sinnfreien Dialogen und Handlungssträngen fast aus dem Kinosessel gejagt. Bei einer Gesamtlaufzeit von 76 Minuten macht das 25 Minuten aus und legt Zeugnis darüber ab, dass das Drehbuch aus nicht mehr als 10 Seiten bestand.
Darüber hinaus sind - bis auf das Survival Girl - alle Charaktere nicht nur schlecht gespielt und synchronisiert, sondern gänzlich uninteressant, wobei dem Zuschauer die Möglichkeit geraubt wird, sich mit den Protagonisten zu identifizieren oder mit ihnen zu fiebern.
Stattdessen wird dem Publikum eine mehr oder weniger aufregend inszenierte Nummernrevue von Morden serviert, die teilweise jegliche Spannung und Dramatik vermissen lässt.
Die Dramaturgie des kompletten Drehbuchs ist darauf aufgebaut, dass das Survival Girl Jenta im Verlauf der restlichen 50 Minuten gefangen genommen wird, sich befreien und eines Peinigers entledigen kann, um kurz darauf wieder gefangen genommen zu werden, sich zu befreien und...
Dieses einfallsreiche Spiel wird so oft wiederholt, bis jedem der drei Jäger das Halali geblasen wird.
In der Zwischenzeit fallen Jentas Kameraden einer nach dem anderen den Jägern zum Opfer, werden erschossen, erstochen, aufgeschlitzt und sogar ausgeweidet.
Sinn und Zweck dieser ganzen Treibjagd versucht der deutsche Titel "Manhunt"(Menschenjagd) zu erläutern. Die Jäger blasen in Norwegens Wäldern zur Menschenjagd - warum wird nicht verraten.
Seine stärksten Momente hat der Film nur dann, wenn Regisseur und Drehbuchautor Syversen sich munter bei seinen Regiekollegen bedient:
um einen ähnlich schmutzigen, rauen Look zu erreichen wie bei Tobe Hooppers "TCM" bediente sich der Kameramann spezieller Farbfilter, Szenen und Schnittfolgen sind direkt aus ähnlich gelagerten Werken wie "Wrong Turn" oder "The Hills Have Eyes" entnommen.
Dario Argentos einfacher und doch genialer Trick aus "Tenebre" - bei dem der hinter einem Opfer befindliche Mörder erst dann für den Zuschauer sichtbar wird, als das Opfer sich bückt - wird genauso übernommen wie das Stilmittel des schweigsamen Killers aus "High Tension".
Erst solche Zitate verleihen "Manhunt" ansatzweise Atmosphäre.
Selbst hartgesottene Fans dieses Genre werden keine große Freude an dieser billigen Produktion haben.
Die Effekte sind zwar teilweise sehr blutig und auch gut umgesetzt, doch ohne eigene Ideen und Sinn für Spannung und Dramatik kann aus einem simplen Film wie "Manhunt" kein Highlight werden.
Ein Film, der nicht annähernd das Geld wert ist, was für die ungeschnittene Fassung verlangt wird und auch nicht mehr verdient als
4 von 10 Halali!