Mit dem erstaunlich brutalen "Rovdyr" versuchen die Norweger frischen Wind in das ausgelutschte Genre zu bringen. Regisseur und Drehbuchautor Patrik Syversen ist hier kein Clou gelungen, doch für Freunde des Harten Horrors ist "Rovdyr" Pflichtprogramm. Sofort kommen Erinnerungen an Hoopers "Texas Chainsaw Massacre" hoch, denn Syversen verlegt das Geschehen ins Jahr 1974 und arbeitet demnach mit einigen Filtern, um das Bild zu matten. Für Syversen ist es der erste Spielfilm, zuvor drehte er einige Werbeclips und Kurzfilme. Ich denke, er ist in diesem Genre gut aufgehoben, ein wenig einfallsreicher darf er aber noch werden.
Camilla (Henriette Bruusgaard), ihr Freund Kvinnen (Joruun Kjellsby), Jorgen (Jorn Bjorn Fuller Gee) und seine Schwester Mia (Nini Bull Robsahm) cruisen mit ihrem Bullie durch Norwegen. An geeigneter Stelle wollen sie austeigen und wandern. Unterwegs gabeln sie ein verstörtes Mädchen auf, welches vor den Wäldern und ihren Bewohnern warnt. Und kurze Zeit später werden die Vier von einigen Hinterwäldlern überfallen. Mia und das Mädchen werden grausam ermordet, Kvinnen, Camilla und Jorgen wachen in den Wäldern auf. Dort werden sie von den Hinterwäldlern gejagt, um schließlich einen bestialischen Tod zu sterben.
Hier leben die 70er Jahre wieder auf, der VW T2 war hier ein angesagtes Vehikel und genau damit fahren die Vier durch Norwegens Wälder, die von Beginn an bedrohlich wirken. Dank der kurzen Laufzeit von nur 76 Minuten hält Syversen die Einleitung sehr kurz, die Charaktere bleiben ein wenig oberflächlich, leider auch unsympathisch. Besonders Mia und Kvinnen wachsen dem Zuschauer bestimmt nicht ans Herz, doch es ist schwer zu sagen, wer nun die Heldenrolle übernimmt. Echte Überraschungen kann "Rovdyr" nicht bieten, dennoch stimmt das Tempo und Syversen dreht langsam aber wirksam an der Spannungsschraube. In den ersten fünfzehn Minuten ist natürlich nicht viel los. Kleinere Streitereien, unnötige Dialoge, ein wenig Liebesgeplänkel. Doch wir haben es hier mit jungen Erwachsenen zu tun und nicht mit pubertären Teenies. So fällt das Vorspiel erträglich aus.
Und plötzlich ist es dann soweit und die kleine Gruppe wird auf offener Strasse überfallen. Der restliche Film ist dann eine Nonstop Hatz durch die unheimlichen Wälder, Hochspannung wird jedoch nur selten erreicht. Meist ahnt man, wer als Nächstes abtritt, dabei bleibt "Rovdyr" dermaßen kompromisslos. Wir ahnen gleich, dass die Hinterwäldler keine Gefangenen machen und ihr großes Hobby die Menschenjagd ist. Es gibt keinerlei Motiv, oder sonstige Erklärungen, auch die Gesichter der Jäger bleiben lang verborgen. Aber sie haben sich einige grausame Spielchen erdacht, um ihre Jagd interessanter zu gestalten. Nicht immer töten sie ihre Beute gleich, sondern lassen die jungen Erwachsenen richtig zappeln. Desweiteren haben sie in den Wäldern einige fiese Fallen errichtet. Gestorben wird hier wirklich brutal und in Nahaufnahme. Mit scharfen Messern, Schusswaffen, Stacheldraht und eigens gebauten Fallen geht es der kleinen Gruppe an den Hals. Und Syversen lässt sich nicht lumpen und hält voll drauf.
Doch die Gejagten drehen den Spiess langsam um, besser gesagt Camilla, der es mit einigen Aktionen gelingt, ihre Gegner auszuschalten. So fesselt "Rovdyr" bis zum bitteren Ende und man ahnt schon, dass solch ein Film nicht gut ausgehen kann. Das Ende hat Syversen ein wenig zu offen gelassen.
An den Darstellern gibt es nichts auszusetzen, die Leistungen sind solide, doch nicht jeder Charakter hat eine passende deutsche Synchro enthalten. Diese beeinträchtigt das Schauspiel ein wenig, doch besonders Hauptakteurin Henriette Bruusgaard wächst richtig in ihre Rolle hinein.
"Rovdyr" erfindet das Genre nicht neu, ist aber erfreulich kurz gehalten und verzichtet auf ein überlanges Vorspiel. Leider bleiben die Charaktere nur Abziehbilder und größtenteils unsympathisch. Doch die spannende und blutige Nonstop Hetzjagd durch die tiefen Wälder hat es wirklich in sich, Tabus werden aber keine gebrochen. Trotzdem eine deftige Schlachtplatte, insgesamt wirklich gelungen.