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Für das Studio New Line war „Die Maske“ nach eher kostengünstigen Kassenerfolgen wie der „Nightmare on Elm Street“-Reihe ein finanzielles Wagnis – doch es gelang und katapultierte das Studio nach vorne.
Stanley Ipkiss (Jim Carrey) ist kleiner Angestellter bei einer Bank, ein Niemand, der von seinem Umfeld nur gegängelt wird. Gangsterbraut Tina Carlyle (Cameron Diaz) wirkt für ihn unerreichbar und ist eh in der Bank, um diesen für ihren Freund und Boss Dorian Tyrell (Peter Greene) auszuspionieren. Alles angelehnt an den klassischen Gangsterfilm, wenngleich die Femme Fatale gar nicht so fatal ist und der Held kein Privatdetektiv, sondern nur der unscheinbare Stanley.
Dessen Leben ändert sich, als er eine Antike Maske findet, die ihm übersinnliche Kräfte verpasst, gleichzeitig aber auch sein triebhaftes Innerstes offenbart. In dieser Form hat Stanley kräftig auf den Putz…

Seiner Spezialeffekte wagen „Die Maske“ bei Release ein Gesprächsthema und tatsächlich hat an den grotesken Animationen der Zahn der Zeit nur geringfügig genagt. Sie wirken vielleicht nicht up-to-date, aber doch überzeugend und das reicht um die cartoonigen Elemente in diesem Realfilm rüberzubringen. Dabei beweisen die Macher Einfallsreichtum in den schrägen Kreationen, orientieren sich ganz offensichtlich an Tex Avery und zollen ihm gleich an mehreren Stellen Tribut.
Leider hat „Die Maske“ abseits der Effektszenen dann nicht soviel zu bieten – die Anfangsphase ist sicherlich noch der stärkste Part des Films, wenn Stanley entfesselt seine Kräfte ausprobiert und seine Vermieterin dabei ebenso wie ein paar Straßenrowdys ängstigt und am Folgemorgen noch Unmengen geraubten Geldes vor der neugierigen Polizei verbergen muss. Gelegentlich blitzt derartiger Anarchocharme noch durch, z.B. wenn Stanley einen Polizeieinsatz in eine Tanznummer verwandelt oder auf unkonventionelle Weise gegen die Gangster kämpft.

Zwischen diesen frechen Phasen ist „Die Maske“ dann leider konventionell und brav. Gangsterbraut Tina ist doch eine ganz Liebe, Masken-Stanley stellt sein Es zugunsten seines moralischen Über-Ichs zurück und nebenbei hält man den fiesen Dorian auf, der die Maske natürlich für wirklich Böses nutzen will. Alles harmlos und nett und von daher auch etwas langweilig, lediglich die Gags mit der Kolummnistin Peggy Brandt (Amy Yasbeck) und die Misserfolge des an sich fähigen Lieutenant Mitch Kellaway (Peter Riegert) verkürzen die Wartezeit bis zur nächsten Masken-Anarcho-Einlage.
Jim Carrey passt aber großartig in die Rolle, weshalb man ihn auch viel spielen lässt und seine Mimik nur an markanten Stellen mit CGI verfremdet. Doch auch den schüchternen Bankangestellten gibt er sehr überzeugend, während Cameron Diaz ironisch die Gangsterbraut gibt. Peter Greene ist ein ausgesprochen charismatischer Schurke, Peter Riegert und Amy Yasbeck guter Support.

Das Projekt Tex Avery Humor in einen Realfilm zu übersetzen gelingt „Die Maske“ wirklich, doch zwischen den entfesselten, anarchokomischen Realcartoonszenen ist Chuck Russells Film leider brav, nicht so witzig und zieht sich auch etwas – womit er leider klar hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

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