Die Hostess und Gelegenheitsschauspielerin Betty Ting Pei [ Betty Ting Pei ] meldet nach einem Schäferstündchen mit ihrer Affäre Bruce Lee [ Danny Lee ] dessen Tod an die Öffentlichkeit. In der Folge sieht sie sich wüsten Beschimpfungen, unzüchtigen Belästigungen und sogar gewalttätigen Attacken von mit Nunchakus bewaffneten Bruce Lee – Fanboys gegenüber. In der Not redet sie sich ihren Frust gegenüber einem Barkeeper von der Seele...
„I don‘t know what Bruce sees in this woman.“
Kurz nach Bruce Lees Tod entstandenes Biopic, dass gemäss dem Titel Bruce Lee and I den Fokus auf die Beziehung zwischen ihm und dem Starlet Betty Ting Pei legt und ansonsten keine neuen Kenntnisse in die Umstände bringt. Aufgezeigt wird fast einzig das Privatleben der beiden, zumeist abgeschottet von der Umwelt ebenso wie vom Beruf; mehr ein Pseudo - Liebesdrama als alles andere.
Innerhalb eines kürzesten Zeitraums produziert und die pragmatischen Aspekte der Verkäuflichkeit als Hauptgrund im Hinterkopf [ Tod des Idols; addiert mit Sexszenen des Sternchens ] entspricht man dann nicht nur formal einer Kolportage, sondern auch materiell: Obwohl man Gerüchten und Spekulationen selbst begegnen und aufklären will - Ein Geheimnis bildet den Auslöser -, verbreitet man doch nichts anderes. Der Film ist von vorne bis hinten Gesellschaftsklatsch in Trivialform; nur hierbei eben aus erster Hand. Was aber durch die Mitarbeit und sogar aktiven Darstellung der letzten lebenden Beteiligten nicht nur fadenscheinig, sondern auch recht unpassend wirkt.
Über ihre Persönlichkeit selber lassen sich auch nur Vermutungen anstellen. Aber anhand dieses Projektes lässt sich zumindest erkennen, dass wenn die realen Bedingungen fehlen, um ihre Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit und Ruhm zu befriedigen eben auch nicht davor Halt gemacht wird, dieses Begehren privatisiert und fiktiv als Wunscherfüllungstraum zu stillen.
„I‘m an actress, not a stripper.“
So gleicht bereits die Einführung einem arg übertrieben und vor allem schlecht geschriebenen Groschenheft: Betty hatte eine schwere Kindheit und bekommt keine Aufmerksamkeit im Elternhaus. Sie war eine einsame Studentin, die von allen gemieden wurde und ihre Zuflucht als Zuschauer im Kino suchte, wo sie davon träumte, auch mal ein Filmstar zu werden. Von ihren Kommilitonen deswegen gehänselt wehrt sie sich und fliegt prompt von der Schule. Der böse Produzent Lo [ Chin Ti ] verspricht ihr die Zukunft, macht sie mit gepanschten Wein auf der Besetzungscouch bewusstlos und erpresst sie später mit Nacktfotos.
Als sie schon Selbstmord begehen will, spricht plötzlich doch tatsächlich eine Stimme [ Gott ? ] zu ihr und prophezeit ihr Gutes in der Zukunft.
Das Shawscope – Format täuscht jedenfalls kaum darüber hinweg, dass man sich eigentlich auf niedrigstem Niveau der Regenbogenpresse befindet; wäre der selbst attestierte Anspruch und das Gedenken an einen Toten nicht, würde man sich an reinem minderwertigem Trash amüsieren. So hat es aber ständig ein bitteren Nachgeschmack; man will nicht so recht über die schlechten Darstellungen, die dargebrachte Banalität und etwaige üble Nachrede lachen. Über dem Kontext ist der Film allerdings nicht gänzlich uninteressant.
Von Skript und Inszenierung her ist der Mut zum Einfachen hierbei bezeichnend, Schwächen in kompositorischer und sprachlicher Hinsicht werden kaum durch die übermäss starken Gefühlen überspielt. Vor allem die Liebe erscheint masslos kitschig und gleichzeitig falsch und hält deswegen nur schwach als Bindeglied der unzureichend verflochtenen Handlungsstränge her. Die Geschehnisse sind zwar getragen von seinen strikt dualistischen Gegenwelten Intimes Heim als Zuflucht – böse Umgebung als Störfaktor, aber ergeben nur mangelhaft ein Ganzes; zu viele Inkonsequenzen in der Handlungsführung.
Ernstere Themen wie Rassismus werden nur kurz angesprochen und ergehen sich zumeist in einer kleineren Prügelei, auch auf das Problem des Ehebruchs wird kaum eingegangen.
Lee erwähnt seine Frau und seine Kinder zwar mal, dankt ihnen auch für die Unterstützung und darf sogar mal mit ihnen telefonieren, aber ansonsten spielen sie zumindest hierbei keine Rolle in seinem Leben.
„Don‘t take me for a brainless Kung Fu Actor.“
Auch wer sich Einblicke in die Filmproduktion erhofft hat, bleibt aussen vor. Einige wenige Male finden kreative Gespräche der Produzenten statt; die aber meist darauf hinauslaufen, dass sie um den Ruf ihres Stars fürchten oder halt wenig begeistert davon sind, dass ihnen dieser seine Bettmieze als Hauptdarstellerin aufdrücken will.
Die Szenen am Set direkt sind bis auf den Dojo – Kampf aus Fist of Fury überhaupt nicht von den Filmen inspiriert und zumeist auch nur sekundenkurz. Der Rest der Handlung wird durch künstliche Ereignisse und Abenteuer aufgebauscht, die Bruce im Kampf gegen Herausforderer und Schuldeneintreiber positionieren.
Sowieso bleibt vom Mythos hier kaum was über, was dann auch an der Impersonifikation von Danny Lee liegt. Von der kaum vorhandenden Ähnlichkeit bis zur auffallend fehlenden Präsenz hinaus erscheint Lee hier meistens nur entweder wie ein Depp oder gleich als Proll. Der Drogen konsumiert, trinkt und bei kleinsten Gelegenheiten gegenüber von vornherein Schwächeren ausfällig und handgreiflich wird. Da stört es dann schon nicht mehr, dass sich die Figur meistens konträr zum selber Gesagten verhält. Falls dieses überhaupt mal einer Aussage entspricht; desöfteren ergehen sich die Dialoge in inhaltsleerer Frage und Gegenfrage.
Wer sich zumindest auf der Actionseite besseres erhofft, muss auch eher zurückstecken. Lange Zeit passiert nämlich nichts, am Ende hin wird etwas von den Action Directoren Yuen Woo Ping / Tong Gaai aufgestockt. Geht soweit in Ordnung, aber kann auf keinen Fall alleine als Ehrenrettung gelten.
Trotz des Bonus eines namhaften Studios im Rücken und einiger bekannterer Gesichter im Cast - zum Beispiel wird allein der Fanclub von Yuen Cheung Yan, Alan Chui, Chin Yuet Sang und Chui Fat gespielt - bleibt man also den Grundzügen und Intentionen von Bruceploitation nur treu und beutet den Verstorbenen einzig für seine Zwecke aus.
Den Anschein, seine letzten Tage und Nächte zur Wahrheitsfindung nachzustellen, hätte man sich also gleich sparen können.