Review

ACHTUNG: Spoiler zur Auflösung der Identität der Jagenden enthalten! Das wissen darum dürfte die Spannung des Films und eine Überaschung nehmen.

Quim (Leonardo Sbaraglia) ist auf dem Weg zu seiner Ex-Freundin und macht kurz auf einer Raststätte halt, wo er einen heftigen Flirt mit der ihm unbekannten Bea (María Valverde) erlebt. Mit ihr verschwindet allerdings auch seine Geldbörse. Kurz nach der Weiterfahrt wird sein Wagen von einem Schuss getroffen. Und auch er selbst bleibt nicht verschohnt. Beim nachsehen was mit seinem Wagen passiert ist erleidet er selbst einen Treffer am Bein. Humpelnd bewegt er sich durch die Wildnis und begegnet Bea, die ebenfalls betroffen ist. Als die beiden die Polizei hinzu schalten, wird erneut auf sie geschossen, worauf ein Gesetzeshüter sein leben lässt und Quim, Bea sowie ein weiterer Polizist sich auf der Flucht in der Wildnis vor den unsichtbaren Schützen befinden.

Durchaus interessante Ansätze beeinhaltet "King of the Hill" die sich auf das höchst brisante Thema der Macht und Auswirkung von modernen Massenmedien bezieht. Dabei verpasst Regisseur Gonzalo López-Gallego einschlägige Momente und Antworten zu definieren und zieht die Pointe lange heraus.
Das erste Drittel des Films befasst sich mit den Figuren, die allerdings nur vorgestellt und nicht weiter ausgearbeitet werden. Es handelt sich durchweg um völlig austauschbare Charaktere die nur als blasse "Läufer" dienen sollen. Daher erstreckt sich die erste Hälfte länger als gewollt. Ab der Hälfte hat der Survival Thriller seine Momente, dann wenn die Gefahr tatsächlich visualisiert wird und die ersten Personen den Tod erleiden. Wobei die Spannung daher rührt, dass man die Schützen nie zu Gesicht bekommt.
Dies ändert sich im letzten Drittel, wo plötzlich die bisher gesichtslosen Jäger im Mittelpunkt stehen und den Handlungsstrang bis zum Ende bilden.

Erst mit der plötzlichen Wende spielt "King of the Hill" sein völliges Potential aus, die Verfolgungsjagd zuvor dümpelt nämlich meist nur vor sich her. Die Schützen stellen sich als Teenager heraus, die zum freizeitlichen Vergnügen Menschen jagen. Nach einem freien punkteprinzip ziehen sie durch die Wälder schießen gezielt auf Tiere, Autos und Menschen um sich nach einem tödlichen Treffer mit Punkten zu belohnen. Dies erinnert bereits an das viel diskutierte Thema der "Killerspiele" die in diesem Fall nicht mehr länger am Monitor sondern draussen vor der Tür zelebriert wird. Um dies zu untermauern greift die Kamera auf eine Sicht aus den Augen der Jäger zurück, wobei man nur noch den Gewehrlauf sieht, was natürlich an diverse Ego-Shooter erinnert. Insofern entsteht ein Hauch Sozialkritik, was aber nicht ausgespielt wird. Auch die Teenager bleiben blass und sind mangelhaft designt, es wird keinerlei Standpunkt vertreten oder Erklärung geboten, hier ist der Zuschauer selbst gefragt sich mit dieser kontroversen und diskutablen Darstellung auseinander zu setzen.

Teils spannend und temporeich sind bei diesem Werk neben dem Charakterdesign noch weitere Mängel vorhanden. Beispielsweise wirken Handlung und Ereignisse arg konstruiert. Von der Handlung selbst ist übrigens nicht viel zu erwarten. Viel mehr als die Flucht durch das Unterholz wird nicht geboten.
Die Charaktere agieren öfters unlogisch oder nicht nachvollziehbar, so dass die sonst sehr glaubwürdige und realistische Aufmachung mit Füßen getreten wird.
Musik wird nur sehr zurückhaltend und eher zweckmäßig eingesetzt.

Die spanischen Schauspieler wurden gut gewählt und spielen ihre Rollen ordentlich aus. Aufhänger sind Leonardo Sbaraglia und María Valverde die hierzulande wohl kaum bekannt sind, ebenso verhält es sich bei den anderen Darstellern. Leider ist es den Schauspielern nicht möglich größere Sympathie oder Antipathie auszulösen, sicher auch durch das schwache Figurendesign und die laue Handlung.

Hier wurde eine Menge Potential verspielt, denn die Bilder und die authentische Darstellung haben ihren Reiz. Insbesondere die schlecht ausgearbeiteten Charaktere fallen negativ auf, desgleichen die mutlose Art ein Thema aufzubereiten auf das es viele Fragen aber keine plausiblen Antworten gibt. Es scheint so als wolle López-Gallego genau in diese unbefriedigende Kerbe schlagen. Das FSK 18 ist sicher der Thematik anzuhängen, denn allzu derb geht es hier nicht zu.

4 / 10

Details
Ähnliche Filme