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Die fünf Medizinstudenten Nelson, Rachel, Labraccio, Joe und Steckle sind fasziniert vom Tod und vor allen Dingen davon, was danach kommt. Unter strenger Aufsicht der anderen lässt sich immer einer von ihnen in einen klinisch toten Zustand versetzen und wird nach einer bestimmten Zeit reanimiert. Jedoch werden die Experimente mit zunehmender Dauer immer gefährlicher, jeder möchte noch eine Minute länger „weg“ bleiben, als sein Vorgänger. Alles droht, aus dem Ruder zu laufen...

Aus dieser relativ simplen Grundhandlung konstruiert Regisseur Joel Schumacher einen Bilderrausch der Sonderklasse. Besonders die surrealen „Erfahrungen“ der Studenten während ihres Gratwandels zwischen Leben und Tod sind atemberaubend in Szene gesetzt. Nach und nach verschwimmen Realität und Vision bei den Protagonisten, was von Schumacher visuell an der Ausleuchtung der Sets deutlich gemacht wird, welche die gesamte Atmosphäre des Films prägt. Wenn Nelson nach seiner Jenseitserfahrung alleine durch die Stadt streift, wirkt alles wie aus einem Traum. Gerade hieraus erwächst auch die Spannung des Films. Denn als Zuschauer weiß man nie, was als nächstes passieren wird, da prinzipiell alles möglich ist.

In dem ganzen Film steht die Frage der Ethik im Hintergrund. Haben Menschen das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden? Auch, wenn in der Auflösung der moralische Zeigefinger ein wenig zu hoch gehoben wird, geht der Film doch behutsam mit dem Thema Leben und Tod um.

Die Besetzung liest sich wie ein „Who is who?“ der Hollywoodstars:
Nelson wird von Kiefer Sutherland verkörpert, dessen Darstellung zwischen Genie und Wahnsinn sehr gut gelungen ist.
Julia Roberts spielt die ehrgeizige und verschlossene Rachel, die sich ständig gegen ihre männlichen Mitstreiter durchsetzen muss. Auch sie liefert eine überzeugende Leistung.
Kevin Bacon ist in der Rolle des skeptischen Atheisten Labraccio zu sehen, der von vornherein versucht, Nelson von seinen Experimenten abzuhalten, letztendlich jedoch auch mitmacht.
William Baldwin ist für den Part des Womanizers Joe prädestiniert und wirkt ziemlich arrogant, was allerdings an der Rolle liegt.
Einzig Oliver Platt wirkt als Steckle ein wenig farblos. Dies ist aber wohl seinem Filmego zuzuschreiben, das nicht so vielschichtig konstruiert worden ist, wie der Rest der Figuren.

Insgesamt ist „Flatliners“ ein Film, der vor allen Dingen von seinen tollen Bildern und der surrealen Atmosphäre lebt. Wer mit der oben angesprochenen, ziemlich armseligen Auflösung leben kann, dürfte gut unterhalten werden.
7/10 Punkte

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