Die Abfolge, in der Kabel 1 den Nachfolger vor der Klapperschlange ausstrahlte, scheint fraglich, doch sei's drum: nun kenne auch ich den Kult um Snake Plissken.
Wie gesagt wurde mir Flucht aus L.A. vor dem Original zuteil, also schließe ich mich den Chören der Kritiker, die dem zweiten Teil des Komplettplagiats verurteilen, nicht an. Natürlich kopiert Flucht aus L.A. erstaunlich intensiv und auffällig vom ersten Teil (Eingangsbericht, Arenaspiele, Lebenstimer usw.), doch so ist wenigstens erkenntlich, womit man es zu tun hat: mit einem Kurt Russell als Snake Plissken zum Zweiten, der es verdammt nochmal drauf hat.
Nie hätte ich gedacht, dass diese Figur selbst den Terminator, was Coolness, oder Rambo, was den Partisanenfaktor angeht, antasten könnte. Die krächzende Piano-Stimme, die sich nur meldet, wenn wirklich Not am Mann steht, dann aber alles auf den Punkt und einen Oneliner nach dem anderen bringt; der Aufzug Plisskens, welcher vom 81'er Original über den Matrix-Style (wobei dieser ja von '99 und somit nicht assoziierbar ist) bis zum Reptilshirt reicht und dreckiger rüberkommt, als es ein McClane'sches Unterhemd je sein könnte.
Dreckig ist auch die Welt des Filmes: L.A. als Hochsicherheitsgefängnis, ähnlich dem Müllplaneten aus Star Force Soldier oder der Cyborg'schen Kulisse.
Dies ist mehr Endzeit denn Science-Fiction. Snake Plissken reist durch leere Straßenzüge voll ausgebrannter Autowracks, notdürftig aus Müll errichtete Siedlungen und Hinterbleibseln der einstigen Metropole Los Angeles (selbst der Hollywood-Schriftzug hat sein Cameo) - und das, ohne je einen Strahl Tageslicht zu sehen.
Atmosphärisch steht Flucht aus L.A. also Dystopien á la 28 Days Later, Running Man oder eben der Klapperschlange in nichts nach, was auch sehr schön vom rauhen Ton des Filmes unterstrichen wird, der - ganz Hollywood-untypisch - nicht einmal vor dem Ableben wichtigerer Charaktere Halt macht.
Gewalttechnisch macht Flucht aus L.A. trotz seines PG-13-Ratings keine Abstriche. Natürlich sollte man hier keinen Starship Troopers oder Hard Boiled erwarten, doch das, was man an Blut gespart hat, äußert sich in der rüden Ausdrucksweise der Darsteller (nicht nur Gegner; ich erinnere nur an das Adieu des Zuhälters), die schießend, stechend und sterbend den Actiongrad nach oben treiben.
Überraschend bleibt zuletzt auch vor allem Eines für mich: das Ende
Natürlich wird an dieser Stelle nichts verraten, aber cooler und vor allem unerwarteter ging es für mich einfach nicht mehr.
Mit den letzten Worten Snakes färbt sich der Bildschirm schwarz und zurück bleibt ein Film, der ein ganz Großer im Bereich der Endzeit, Action und Dicke-Eier-Movie ist.
9/10