Die Tochter des Präsidenten stiehlt ein Gerät, dass, wenn es in die falschen Hände gerät, das Ende der Zivilisation herbeiführen kann. Dummerweise landet sie mit der Maschine auf der Insel L.A., auf der die faschistische Regierung ihre Gefangenen unterbringt. Das Gerät fällt schließlich den Gaunern in die Hände und die Verantwortlichen beschließen den Gangster Snake Plissken, gespielt von Kurt Russel, der in New York bereits einen ähnlichen Auftrag ausgeführt hatte, dazu zu bringen, den Koffer zu besorgen, indem sie ihm ein tödliches Virus injizieren, dessen Gegenmittel sie ihm im Tausch gegen das Gerät aushändigen. Plissken willigt ein und macht sich auf den Weg nach L.A..
Spätestens nach "Das Dorf der Verdammten" war doch eigentlich klar, dass es Kult-Regisseur John Carpenter so allmählich als Inspiration zu mangeln scheint, aber dennoch waren die Erwartungen an das lang ersehnte Sequel zu "Die Klapperschlange" sehr groß, zumal das Original zu den besten Action-Filmen aller Zeiten gehört und zum Kultfilm avancierte. Was dabei herauskam ist im Prinzip ein Remake, das bei Weitem nicht mit dem Original mithalten kann, da es sich im Prinzip genau um denselben Film handelt und das, was Carpenter geändert hat, ist leider schlecht geworden. Als Remake ist der Film damit akzeptabel, wenn auch einfallslos und als Fortsetzung ein Totalausfall. Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder, man regt sich beim Ansehen des Films die ganze Zeit über darüber auf, dass Carpenter seinen Kultfilm im Nachhinein doch noch ein wenig in den Dreck zieht und schreibt schon einmal einen Drohbrief, damit er keinen dritten Teil, oder kein zweites Remake mehr macht, oder man nimmt den Film wie er ist, denn dann kann er zumindest solide unterhalten.
Das Original lebte im Prinzip von seiner düsteren und bedrohlichen Atmosphäre, so konnte man bei der dunklen Kulisse und Carpenters virtuosen Spiel mit Licht und Schatten den Dreck New Yorks mehr oder weniger riechen und spüren. Davon sieht man in "Flucht aus L.A." leider gar nichts mehr, die Atmosphäre ist blass und der Spannungsbogen niedrig. Die Story von "Die Klapperschlange" war stark und visionär und die von "Flucht aus L.A." ist von der groben Handlung bis hin zur Charakterkonstruktion im Prinzip deckungsgleich. Plissken ist immer noch der Bilderbuch-Antiheld, der Präsident ist immer noch ein Arschloch, Plissken tritt wieder den Wettlauf gegen die Zeit an und muss wieder ein Gerät bergen, dass über das Schicksal der Welt entscheidet, wofür er wieder in ein überdimensionales Gefängnis eindringen muss. Trotz der schnellen und rockigen Spannungsmusik bei den Action-Szenen kommt also kaum Spannung auf, außer vielleicht auf der Zielgeraden, wenn der Film wenigstens ein bisschen überraschen kann, auch wenn er ansonsten viel zu vorhersehbar ist.
Carpenter hält das Erzähltempo hoch und kann so ordentlich unterhalten, baut ein paar ganz nette Gags mit in den Film ein, genauso wie ein paar solide Action-Szenen, die leider mit billigen und unechten Computerspiel-Effekten serviert werden. Der Unterhaltungswert ist damit solide, viel mehr holt Carpenter aber nicht aus seinem Quasi-Remake heraus.
Das, was Carpenter gegenüber dem Original geändert hat, ist wirklich durch und durch schlecht geworden, so darf Plissken diesmal Basketball um sein Leben spielen und mit einer Riesenwelle durch L.A. surfen und von dieser in ein fahrendes Auto springen. Sogar die Running Gags hat Carpenter aus dem ersten Teil übernommen, so sagen die meisten Protagonisten, wenn sie Plissken das erste mal sehen "Ich dachte du wärst größer", wie im ersten Teil "Ich dachte du wärst tot". Auch ansonsten ist eine gewisse Eigenironie durchaus erkennbar, geht aber in der Fülle aus billigen Effekten und dämlichen Einfällen unter. Ein paar Einfälle können dann aber doch zünden, wie z.B. die Gastauftritte von Peter Fonda als Surfer und Pam Grier als zickige Transe. Vielleicht ist "Flucht aus L.A." ja weder ein Sequel, noch ein Remake, sondern eine Parodie und John Carpenter hat einfach einen ganz schrägen Humor.
Leider war "Flucht aus L.A." erst der Anfang vom Ende für Carpenter, denn anschließend gelang ihm mit "Vampire" wenigstens noch ein achtbarer Horror-Film und dann begann er systematisch schlechte, fast trashige Horror-Filme wie "Ghosts of Mars" herauszubringen und machte auch vor seinen eigenen Filmen nicht halt und drehte weitere vollkommen überflüssige Remakes und Sequels zu seinen Klassikern, wie "Vampires: Los Muertos" oder "The Fog (2005)".
Kurt Russel ist als Snake Plissken erneut einsame klasse und spielt den coolen, knallharten, sympathischen und teilweise amüsanten Antihelden rundum überzeugend. Dennoch kann man ihm eine gewisse Teilschuld an diesem komplett überflüssigen Werk nicht absprechen, immerhin verfasste er zusammen mit Carpenter das einfallslose Drehbuch und hätte seinen Lieblingsregisseur, unter dem er immerhin fünf Filme absolvierte besser von diesem Schrott abgeraten. Steve Buscemi ist der einzige Punkt, den das Remake dem Original voraushat. Buscemi spielt gewohnt stark und passt mal wieder perfekt in die Rolle der leicht bizarren, undurchsichtigen, aber dennoch sympathischen und amüsanten Figur und ist definitiv besser als Ernest Borgnine, der im ersten Teil die mehr oder weniger identische Rolle spielte. Der übrige Cast kann sich ebenfalls sehen lassen und ist vergleichbar mit dem des Originals.
Fazit:
Remake? Fortesetzung? Parodie? Was auch immer es ist, es ist definitiv schlechter als das Original und mal wieder ein Beweis dafür, dass Carpenter schon seit Jahren nichts Neues mehr einfällt. Mit einem guten Cast, einem bisschen Eigenironie und ein paar guten Action-Szenen, die ruhig bessere Effekte hätten vertragen können, ist der Film unterhaltsam, ist aber bei Weitem nicht so spannend, originell und atmosphärisch, wie sein Vorgänger.
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