Review
von Leimbacher-Mario
The Future Is Right Now
Das viel gescholtene „Klapperschlangen-Sequel“ lässt Snake Plissken mal wieder eine dystopisch-düstere Insel infiltrieren, dieses Mal das L.A. der Zukunft, voller Abschaum, Ausschuss und Kriminellen. Und Spaß. Doch was oft eher wie ein Remake statt einer Fortsetzung anmutet, entwickelt sich zu einer erstaunlich akuten Satire auf den American Way of Life und gehört meiner Meinung nach zum Glück noch nicht zum immer schlechter werdenden letzten Drittel in Carpenters Regiekarriere. Zeitlich gesehen natürlich schon - qualitativ allen Unkenrufe zum Trotz Gott sei Dank aber nicht!
Welcome To The Human Race
Für viele genau auf der carpenteresken Grenze zwischen „genial“ und „daneben“ angesiedelt, vielleicht sogar eher zu Letzterem tendierend, ist „Escape From L.A.“ für mich persönlich noch ganz klar im grünen Bereich zu verorten. Sogar im dunkelgrünen oft genug, da ich das Ding bei diesem Wiedersehen ohne Ende gefeiert habe. Vielleicht nicht ganz auf dem Niveau des düsteren Originals - aber überraschend nah dran! Russell kann’s noch immer als Snake Plissken, dieses Mal zerfurchter und abgefuckter denn je. Der leicht modifizierte Score hat nicht viel von seinem Flair verloren. Fonda als surfender Hippie-Urvater stiehlt die Show genauso wie der gewievte Buscemi. Natürlich können miese Effekte (von zuschnappenden Haien bei der lächerlichen Ubootfahrt bis zum Surfen auf der großen Welle) einem den Ersteindruck etwas vermiesen, doch ansonsten passt das alles famos gut als Variante, Erweiterung und Übertreibung seines ersten Teils. Als bissige und seiner Zeit weit vorausgeeilten Satire auf die Vereinigten Staaten von Amerika übrigens auch. Und das reicht vom Waffen- sowie Religionsfanatismus über chirurgische Süchte (Bruce Campbell genial verunstaltet!) bis hin zum unausweichlichen Fazit, dass wir als Spezies nochmal ganz von vorne anfangen sollten oder gar das Leben gar nicht verdient haben. Die letzte (verkannte) Großtat von Carpenter?! Ich sage ja. Mit Makeln. Aber verdammt nochmal: JA!
Fazit: zwar nicht ganz auf dem Niveau seines Vorgängers, aber dennoch ein klasse „Klapperschlangen“-Sequel, das doch gehörig von vielen verkannt wurde zu seiner Zeit. Eine dystopische Satire zum Lichtaus.