Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, mir über den Wasserverbrauch eines Durchschnittsbürgers Gedanken zu machen, da die Gemeinde den Haupthahn wegen Umbauarbeiten für einige Stunden zudrehte. Schnell noch mal duschen, Kaffeewasser reinfüllen, Eimer neben die Toilette, alle vorhandenen Trinkflaschen füllen, auch sämtliche Kochtöpfe…In so einem Fall malt man sich schon mal eine „Was wäre, wenn …“ Situation aus. Beispielsweise eine lang andauernde Hitzewelle, wie sie in diesem deutschen TV-Film thematisiert wird.
Dr. Martina Fechner, ihres Zeichens Hydrologin, hat die Ausmaße der bereits lang anhaltenden Hitzewelle seit einiger Zeit im Blick. Als während der Halbzeitpause eines Fußballspiels die Wasserversorgung lokal zusammen bricht, wird unter ihrer Leitung ein Krisenstab einberufen. Doch die Situation spitzt sich weiter zu, Niederschläge sind für Tage nicht in Sicht, während rund fünf Millionen Bürger auf die letzten Reserven der Wasserwerke angewiesen sind…
Gewissermaßen ist es der Vorteil eines vorstellbaren Katastrophenszenarios, den Zuschauer zu packen und zumindest partiell zu fesseln. Jedoch nur so lange, wie man nicht abschweift und eine sich andeutende Beziehung der Heldin, sowie politische Intrigenspielchen in den Vordergrund stellt.
Viel zu selten sieht man schwitzende Bürger (die für die angeblichen 41 Grad ohnehin zu dick angezogen sind), Einzelschicksale wie den Kreislaufzusammenbruch eines alten Mannes oder die prekäre Situation in einem Krankenhaus. Bilder der ausgetrockneten Ruhr bieten leider sehenswerte Ausnahmen, ansonsten läuft viel auf der Ebene des theoretischen Taktierens, die wahre Bedrohung ist aber kaum fühlbar.
Darüber hinaus bieten die Figuren wenig Raum, um Sympathien aufzubauen. Frau Doktor lässt sich auf einen One-Night-Stand mit dem Typen ein, der ausgerechnet für den rettenden Stausee zuständig ist, der Ministerpräsident soll hintergangen werden, überall werden nur persönliche Interessen verfolgt und gegen Frau Doktor wird an jeder Ecke gestänkert.
Was wiederum aus Sicht einiger Parteien nachvollziehbar erscheint: Erst Freibäder, dann Teile der Landwirtschaft, Kneipen und Restaurants, Autobahnen werden dicht gemacht, sogar ihr persönlicher Chauffeur wettert, weil Dad´s Eisdiele nicht mehr laufen darf.
Leider finden sich derartige Maßnahmen kaum visualisiert, ein Aufstand einiger Landwirte und ein Alarm im Wasserwerk bilden bereits dramaturgische Höhepunkte.
Das Beziehungsgeplänkel nimmt schlicht zuviel Zeit in Anspruch und weiß damit überhaupt nicht zu punkten. Es raubt dem vorhandenen Potential viel Substanz, wenn ein Figurengefüge um eine weitere Person erweitert wird, rein egoistische Interessen zwar ansatzweise den Spiegel vorgehalten bekommen, auf der anderen Seite aber kaum reflektiert werden, weil sie irgendwann einfach von der Bildfläche verschwinden.
Am Ende kommt zwar ein wenig Tempo auf, weil der scheinbar rettende Stausee verseuchtes Wasser enthält und die Heldin eine Verteilung an die Haushalte verhindern muss, doch einen ausgerufenen Notstand mit mittlerweile 46 Grad am Rande des Verdurstens stellt man sich dann doch anders vor.
Wobei, die Fantasie des Betrachters spielt schon eine große Rolle. Was die teilweise etwas hölzernen Darsteller nicht so recht zu transportieren vermögen, kann man sich durch die vage gegebenen Ansätze recht gut ausmalen.
Wassermangel in Deutschland, alles bricht zusammen, Fische ersticken und große Teile kultureller Treffpunkte werden lahm gelegt. Genau darauf hätte Regisseur Gregor Schnitzler („Die Wolke“) einen deutlicheren Focus legen sollen, anstatt sich mit typisch deutschen Problemen, wie Beziehung zu einem verheirateten Mann und Bestechung von Politikern durch Industrielle zu beschäftigen.
Insgesamt leidlich unterhaltsam und nur aufgrund der Prämisse für Freunde des Katastrophen-Films ein Blick wert.
4,5 von 10