Review

„Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ ist der aufwändigste Film der Serie um den peitschenschwingenden Abenteurer und für mich auch der beste Film der Reihe.
Am Rezept wird allerdings auch hier nicht viel geändert und so besitzt auch der dritte Teil einen fetzigen Opener, der dieses Mal in Indys Jugend ins Jahr 1912 zurückkehrt. Als Pfadfinder jagt Indiana Jones (River Phoenix) habgierigen Schatzräubern ein wertvolles Kreuz ab. Enttäuschenderweise hat der Opener quasi nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun, erfreulicherweise klärt Steven Lucas aber, warum Indy so eine Mordsangst vor Schlangen hat und warum die Peitsche seine Lieblingswaffe ist, was für das kleine Manko dann entschädigt.
1938: Indiana Jones (Harrison Ford) tritt wieder auf, wie man ihn kennt und liebt. Kurz wird das Kreuz zurückerobert (hat null Funktion für die Geschichte, gibt aber schicke Action), danach erfolgt der neueste Auftrag: Er soll in Venedig nach Hinweisen auf den Aufenthaltsort des Heiligen Grals suchen. Der zuerst daran arbeitende Archäologe verschwand und dabei handelt es sich ausgerechnet um Indys Vater: Henry Jones Sr. (Sean Connery)!

Nachdem Teil zwei sich auf ein kleines Gebiet beschränkte, ist in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ wieder Weltreise angesagt, sogar noch mehr als im ersten Teil. Indy hetzt durch Italien, Österreich, Deutschland und schließlich nach Ägypten, wie im ersten Teil im Wettlauf mit dem Nazis. Im Gegensatz zu „Jäger des verlorenen Schatzes“ gibt es hier allerdings vielfältigere und etwas interessantere Locations zu sehen, denn Indyfilm Nr. 3 kann mit weitaus mehr Budget klotzen.
Das macht sich bereits in den Actionszenen bemerkbar, die noch aufwendiger als die der Vorgänger daherkommen: Kleine Auseinandersetzungen mit Peitsche, Schießprügel oder Faust, ein paar Explosionen, vor allem aber Verfolgungsjagden mit Vehikeln wirklich jeder Art (Pferde, Motorboote, Flugzeuge usw.). Inszenierung und Choreographie der Actionszenen sind absolut atemberaubend; schon allein die Motorbootjagd und die Flucht via Motorrad lassen den Actionfan ins Schwärmen geraten. Als Finale wird dieses Mal die Gralssuche inklusive Fallenausweichen (erinnert an den Auftakt des ersten Teils und bildet einen schönen Rahmen) geboten, was ein spannender, wenn auch nicht ganz so aufwendiger Höhepunkt ist. Doch kurz zuvor gibt es noch die Megaaction beim Kampf um den Panzer, sodass man auch actionseitig nicht in die Röhre guckt.
Die Story bietet eine spannende, wenn auch nicht unbedingt komplexe Schnitzeljagd nach Hinweisen, kann mit ein paar überraschenden Wendungen aufwarten und langweilt keine Sekunde. Natürlich darf der übliche Humor nicht fehlen, wenn Indiana Jones seine Sprüche klopft. Doch „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gewinnt in dieser Hinsicht zusätzlich durch Indys Vater, der sich mit Junior zünftige Wortgefechte liefert und auf seine etwas älteren Tage auch mal ein paar Fehler macht (z.B. das eigene Flugzeug bei einer Jagd beschädigt oder ein Schloss bei einem Befreiungsversuch abfackelt). Humoristisch ist Teil drei sicherlich der beste Film der Saga, da die Gags hier auch das beste Timing haben (im Vorgänger biss sich der Humor ja stellenweise mit der düsteren Stimmung).

Als bester Film der „Indiana Jones“-Saga hat Teil drei nur geringe Schwächen, aber man muss sagen, dass er doch mainstreamiger und angepasster als die Vorgänger ist. So fallen die Kämpfe mit den Bilderbuchnazis weniger deftig aus und Indy darf etwas weniger rau als in den Vorgängern vorgehen. Doch das bemerkt man gar nicht angesichts des bombatisch-unterhaltsamen Spektakels, das einen erwartet. Die Spezialeffekte sind mal wieder top (z.B. die Alterungsszene am Ende), die Musik von John Williams sowieso und Indy darf sogar Adolf Hitler persönlich über den Weg laufen.
Harrison Ford und Sean Connery sind zudem ein absolut geniales Hauptdarstellerduo: Beide spielen fantastisch (Ford ist eh in seiner Paraderolle) und auch die Chemie zwischen dem etwas raubeinigen Helden und dem Vater mit Gentlemancharme stimmt von der ersten Sekunde. Alison Doody als weibliche Hauptfigur darf sicherlich interessantere Wendungen als ihre Vorgängerinnen durchmachen, doch schauspielerisch bleibt sie Karen Allen und Kate Capshaw leider leicht unterlegen. Ein Wiedersehen gibt es zudem mit John Rhys-Davies und Denholm Elliott aus dem ersten Teil in ihren gewohnten Rollen.

„Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ ist schlicht und einfach einer DER Popcornfilme schlechthin: Krachende, actionreiche Unterhaltung mit viel Humor. Zwar etwas angepasster als die Vorgänger, aber dank der noch aufwendigeren Action der beste Filme der Reihe.

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