1989 ging es für den peitscheschwingenden Archäologen Henry "Indiana" Jones Jr. in das dritte Abenteuer, welches Regisseur Steven Spielberg und Autor George Lucas nach bewährten Rezept brauten, nachdem man sich im zweiten Teil "Indiana Jones und der Tempel des Todes" in exotischere Gefilde hat entführen lassen.
Die Story: Der schwerreiche Walter Donovan (Julian Glover) beauftragt Indiana Jones (Harrison Ford) mit der Suche nach dem Heiligen Gral. Für Indy ist es zudem eine persönliche Angelegenheit, denn sein Vater (Sean Connory) ist ebenfalls auf der Suche nach dem Gral seit einiger Zeit verschwunden. So geht es mit Dekan und Freund Marcus Brody (Denholm Elliot) nach Venedig, wo man mit der schönen Doktorin Schneider (Alison Doody) die weitere Suche unternimmt, die auch nach Deutschland und nach Vorderasien führt.
Was bei "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" sofort ins Auge fällt, ist die Ähnlichkeit zum genialen Erstling von 1981, die sich in verschiedenen Punkten widerspiegelt. Erneut ist ein zentrales Mystikum der abendländischen Kultur im Mittelpunkt der Handlung, wieder sind die Nazis auf dieses scharf, und wieder dürfen Sallah (John Rhys-Davies) und Brody mit von der Partie sein.
Angesichts dieser Ähnlichkeiten ist die Geschichte des dritten Teils ein wenig dünn geraten, was aber aufgrund von zwei wichtigen Elementen nicht weiter ins Gewicht. Erstens versteht es Steven Spielberg wieder kein zweiter Regisseur, Leben in eine Story zu packen und so keinerlei Langeweile aufkommen zu lassen. Denn der Film ist eine einzige perfekt getrimmte Actionorgie, die über eine Menge Spannung verfügt und so bestens zu unterhalten weiß.
Das andere Element ist schlichweg die Figur des (Über)-Vaters Henry Jones Sr., der von Sean Connery toll verkörpert wird und der heimlicher Star des dritten Teils ist. Eine tolle Idee der Macher, die Vaterfigur in den Film einzubauen, denn die aus der etwas schwierigen Beziehung zwischen Vater und Sohn resultierenden Dialoge sind aller erste Güteklasse und machen den Film immer wieder sehenswert. Außerdem darf Sean Connery für einige sehr erinnerungswürdige Szenen sein komisches Talent offenbaren. Allein die Szene, in der versehentlich bei der Flucht aus dem Flugschiff das Heckruder der Maschine mit ihm und Indy zerballert, ist ohne Komik kaum zu übertreffen.
Ansonsten nimmt sich der Film in seiner recht abgedrehten Story nicht Ernst und das ist auch Gold wert, denn manche Szenen und Einfälle sind schon arg abwägig (die Luftschifffahrt gab es zum Zeitpunkt der Story gar nicht mehr, ebenso solche Bücherverbrennungen wie in Berlin). Über diese Dinge schaut man aber gerne hinweg, weil die Inszenierung von vorne bis hinten stimmig und mit ausreichend Action, Witz und Tempo ausgestattet ist.
Ebenfalls toll sind die Spezialeffekte und der Score von John Williams, der wie immer wie die Faust aufs Auge zum Film passt.
Harrison Ford mimt den Archäologen erneut mit viel Charme, auch wenn Sean Connory ihm öfters die Show stehlen darf. Daneben können auch die anderen Darsteller wieder überzeugen. Dass man Marcus Brody eine größere Rolle hat zukommen lassen, hat mir gut gefallen, weil er mit Jones Sr. ein herrlich kauziges Altherren-Duo abgibt. Alison Doody ist auf jeden Fall einen Hingucker wert. Für mich die hübscheste aller Indy-Partnerinnen, die aber auch eine Figur spielen darf, die über das übliche Gefährtinnen-Rollenklischee hinausragt, und so Karen Allen aus dem ersten Teil ein wenig ähnelt.
Auch die Bösen machen eine ordentliche Figur. Zwar dürfen mal wieder die Nazi-Deutschen ran, aber zumindest hat man sich bei den Fieslingen zwei Überraschungen einfallen lassen, die zu gefallen wissen.
Fazit: Mit "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" haben Steven Spielberg und George Lucas einen weiteren erstklassigen Abenteuerfilm geschaffen, der die etwas maue Story durch tolle Regieeinfälle ausgleichen kann. Vor allem die Darsteller und ihre Figuren sind Aushängeschild des dritten Teils der "Indiana Jones"-Reihe.