Nach seinem Filmabenteuer im „Temple of Doom“ (1984) kehrt der peitschenschwingende Archäologe mit der zweiten Fortsetzung wieder in bekanntere Gefilde zurück. Die Suche nach dem heiligen Gral orientiert sich wieder mehr an dem Serienerstling, sowohl in Tonfall als auch Umfeld, in dem er sich bewegt. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg, denn wie schon beim Vorgänger nahm die Geschichte manche Hürde. Ideen wurden geschaffen und wieder verworfen, Entwürfe von Chris Columbus ereilten beispielsweise dieses Schicksal. Spielberg schlug vor, Indys Vater in die Geschichte einzubinden, die Idee um den Gral wurde schließlich beibehalten und mehrfach umgeschrieben – bis das Skript von Jeffrey Boam die finale Form erreichte.
Und so beginnt das Abenteuer mit einer Rückblende und River Pheonix als jugendlichem Indiana Jones. Dieser verfügt hier nicht nur schon über die Einstellung, dass manche Dinge in ein Museum gehören, die Einleitung zeigt auch einen Zwischenfall mit Schlangen, einer Peitsche und einem Hut. Eine schöne Idee, im Intro ein bisschen die Herkunft der Figur zu thematisieren und gleichsam das Fundament für die sich durch den Film ziehende Vater-Sohn-Beziehung zu legen. Das Ganze verpackt in eine flotte Sequenz, einen gelungen Start hat Teil drei somit auf der Habenseite.
Im Folgenden entfaltet sich eine klassische Abenteuergeschichte wie im Erstling, bei der Dr. Jones nach einem heiligen Artefakt jagt, jedoch verkommt das hier nicht zu einer einfachen Kopie. Der innerfamiliäre Kern der Geschichte, neben der Suche nach dem Gral, nimmt keinen allzu kleinen Teil der Erzählung ein und bereichert das Szenario ungemein. Dabei schafft es Spielbergs Umsetzung des Skripts, sowohl humorvolle, als auch mal ein paar ernsthafte zwischenmenschliche Momente herauszustellen. So ist es schon interessant zu sehen, wie sich „Junior“ in der Gegenwart seines Vaters verhält. Die Figur des gestandenen Abenteurers, der sich doch nach der Anerkennung des Seniors sehnt, nach der Nähe, die ihm nach eigenem Empfinden so oft verwehrt blieb. Alles im Rahmen, ein Drama ist auch dieser Teil nicht geworden, aber die Nuancen geben dem Film einfach einen etwas anderen Dreh.
Viel Bekanntes findet sich hier wieder. Erneut legt sich Indy mit den Nazis an, die Schurken sind wieder im Rahmen eines solchen Achterbahnszenarios ausreichend überzeichnet und dennoch bedrohlich, sowie in ausreichender Anzahl als Gegenspieler vorhanden – und können ihre eigene Sprache nicht besonders gut, was zur Belustigung beitragen mag.
Auch manch bekanntes Gesicht läuft Indy über den Weg, John Rhys-Davis als Sallah taucht wieder auf und ebenso Denholm Elliot als Marcus Brody. Wiedersehen macht Freude, die beiden sind einfach zwei grundsympathische Gesellen. Alison Doody als Elsa Schneider und love interest ist solide, immerhin wohnt ihrer Figur etwas Ambivalentes inne. Julian Glover als Walter Donovan füllt seine Rolle passend aus und Michael Byrne kann man als SS-Mann richtig schön zum Kotzen finden. Immerhin sparte man sich die kreischenden Sidekicks aus dem Vorgänger, ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt.
Und dann ist da natürlich noch der Titelheld selbst, Harrison Ford in einer seiner ikonischen Rollen. Hier mit etwas mehr Variabilität im Spiel, da der Film humorvoller als die Vorgänger geraten ist. Der gerade mal zwölf Jahre ältere Sean Connery tritt als Indys Erzeuger auf und unterstreicht im Zusammenspiel mit Ford sowohl die komödiantische, als auch die zwischenmenschliche Komponente des Skripts. Die Chemie zwischen den beiden stimmt, sie geben ein sowohl verbundenes als auch konfliktreiches Gespann ab und generell bereichert Connerys Präsenz das Szenario mit seinem Charisma.
Wie gewohnt ist Jones gut unterwegs, seine Reise führt ihn aus den USA unter anderem nach Europa, wieder schön visualisiert durch die rote Linie auf der Landkarte. Als Drehorte dienten neben der Lagunenstadt Venedig Plätze in den USA, Spanien, Deutschland, Jordanien und diverse Locations in Großbritannien und natürlich wieder die dortigen Elsetree Studios.
Die Bilder können sich dabei wieder durch die Bank sehen lassen. Sowohl die Außenaufnahmen als auch die herrlich hergerichteten Soundstages machen was her, die Bilder fing wieder Douglas Slocombe ein, der hier seinen letzten Spielfilm ablieferte. Seine Bilder der Indy-Trilogie sind fantastisch, der griffige Look steht der Reihe perfekt zu Gesicht.
Auch die Effektabteilung arbeitete bei der Entstehung wieder auf Hochtouren, Teil drei bietet einige tolle Sequenzen zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Dabei ist die Mischung aus praktischen Effekten, Modellen, Stop-Motion und auch Bluescreen-Aufnahmen immer noch gelungen. Die Szenarien sehen immer noch greifbar aus und zerstören nicht die Immersion. Kleine Kritik gibt es an der Sequenz mit dem Panzer, die, so effektvoll sie auch ist, nicht so rasant wirkt, wie es wohl beabsichtigt war und einen Tick zu lang geraten ist. Aber das ist Meckern auf höchstem Niveau.
Wieder für die musikalische Untermalung zuständig, erschuf John Williams erneut einen feinen Soundtrack, der neben dem bekannten Thema wieder neue Leitmotive bietet und auch in der dritten Auflage einen nicht zu unterschätzenden Teil des Erlebnisses darstellt. Sein Gral-Thema wirkt so schön ungreifbar und majestätisch, dass es jede Szene, in der es angespielt wird, atmosphärisch aufwertet.
Zu Land, zu Wasser und in der Luft. Feuergefechte, Verfolgungen, Witz, tödliche Prüfungen und eine riesige Schnitzeljagd lassen keinen Platz für Langeweile. Auch Indys dritter Ausflug auf die Leinwand ist ein großes Abenteuer und begeistert, hat eine nahezu perfekte Balance zwischen Action, Abenteuer, einer Prise Humor und den Charakteren. Das Tempo ist hoch und die Chemie zwischen Ford und Connery ergibt ein paar denkwürdige Szenen, an denen der Film an sich schon nicht arm ist. Und auch, wenn der Erstling bei mir immer noch knapp die Nase vorn hat, gehört „The Last Crusade“ zur Speerspitze des Genres.