Review

Tony Jaa läßt Knochen knacken, Tony Jaa ist atemberaubend akrobatisch, Tony Jaa macht Kasse.
Nun hat Tony Jaa aber auch einen leichten Persönlichkeitshaschmich und während er im Urwald sich selbst sucht (oder seine Geldgeber ihn), kann sein Hausregisseur Pinkaew ja mal mit einer ähnlichen Prämisse ein bißchen Zusatzmoneten machen.
Also das Geheimrezept einfach mal variieren: statt männlichem Landei jetzt also eine weibliche Autistin, die ihre sensationellen Reflexe aufgrund des Zuschauens und Nachübens bei Kampfkunstschülern und dank des intensiven Studiums von Tony-Jaa-Filmen so verbessert hat, daß sie damit die Schulden der krebskranken Muttern eintreiben kann, auch wenn ihr die ernste Dimension ihrer Unternehmung nicht so ganz bewußt ist.

Aber dafür haben wir ja noch Thai-Mafiosi, die Aussteiger-Mama, den japanischen Konkurrenzdaddy, einen wohlbeleibten Helfer zum Durch-die-Straßen-Führen und nicht zuletzt jede Menge bei weitem nicht so raffiniert trainierter Angreifer, denen man die Knochen solange verbiegen kann, bis sie alle lachen.

Das soll jetzt keine böse Kritik sein, "Chocolate" ist eine nette und kompetente Variation einer bekannten und langsam angegriffenen Formel, die eigentlich nur auf die ebenso akrobatischen wie brutalen Fights setzt, in denen nicht wie wild getänzelt wird, sondern man pfleglichst darauf achtet, daß möglichst viele möglichst schnell mit möglichst gebrochenen Knochen kampfunfähig geschrotet werden.
Neunzig Minuten kriegt man natürlich so nur mühevoll gebacken, also gibt es erst mal eine halbe Stunde lang Plot zur Situationsvorbereitung der letzen Dreiviertelstunde, wobei bisweilen etwas stark auf die Trändrüse gedrückt wird.
Mutti ist sterbenskrank, aber die Medis wollen bezahlt sein, also bringt Rain Man bzw. Rain Daughter das auf die einfache Formel, das die Kohle endlich zurückgezahlt werden sollte. Natürlich sind alle Schuldner durch die Bank gierige Arschlöcher, die ihre Angestellten erst arbeiten lassen, damit sie unliebigen Gästen dann zur Abreaktion die Fresse polieren können, was aber ständig nach hinten losgeht.

Insofern kann man eigentlich nur die Qualität der Fights bewerten und die ist mal wieder ohne Netz, Wirework oder doppelten Boden, ohne Luftkissen und Matrazen - und als einziges die Ansicht wirklich wert. Mit im Paket eine nette Steigerung, von der Eisfabrik über den Fleischmarkt (mit recht scharfen Messerchen) bis zum finalen Fight an der Außenfassade eines mehrstöckigen Gebäudes, von dessen Simsen, Schildern und Balkonen es sich wahnsinnig gut vier Stockwerke tief runterfallen läßt, sofern man auf jeder Etage mal Zwischenaufschlag macht. Das ist hart, das ist gut, das tut weh, das macht dem Fan Freude.
Ansonsten ist der Film über die ständig "M und M's" naschende Kindsfrau jedoch alleräußerster Kitschdurchschnitt und kommt in manchen Situationen filmisch erhabener und epischer daher, als der Plot das eigentlich zulassen würde.
Immerhin, Langeweile kommt nicht auf, aber es fehlt das simple Over-the-Top-Gebaren, das "Revenge of the Warrior" gleichzeitig so herzlich komisch macht, dafür will "Chocolate" einfach zu gefühlsduselig sein, was nun gar nicht zur Fressenpolitur passen will. (6,5/10)

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