Review

Ich kann vor diesem Film nur warnen: er gibt nichts, er zerstört nur. Der Regisseur gibt Niveau vor, indem er gekonnt Schuberts Musik einbindet und unbestreitbar hervorragende Schauspieler agieren läßt: Isabelle Huppert fasziniert wirklich mit ihren irrlichternden Eskapaden, ihrer glaubhaften und doch aberwitzigen Arroganz und ihrem sparsamen Minenspiel. Annie Girardot bietet ihrer Filmtochter das passende, entlarvend banale, unselbständige Wohnumfeld. Und Benoit Magimel gerät da als hoffnungsvoller Sunnyboy, der sich in die Klavierlehrerin spontan verliebt hat, wahrlich in Teufels Küche und wird selbst zum Untier.

Aber was soll das Ganze? Man ist als Zuschauer zunächst fasziniert, dann zunehmend angeekelt und quält sich angesichts der doch immerhin gehobenen Machart weiter durch den Film in der Hoffnung nach irgend einer Auflösung - oder auch nur einer Botschaft, die man vielleicht als halbwegs sinnvolles Fazit darunter setzen könnte. Aber da kommt nichts... Der ehrliche Titel für diesen Film wäre gewesen "Wie ein kaputter Mensch andere Menschen kaputt macht". Und das Fiese und absolut Kranke an diesem Film ist: er führt das nicht bloß exemplarisch vor, sondern vollzieht es gleichzeitig am Zuschauer, er mißhandelt den Zuschauer ganz unmittelbar. Wer sich gerne sinnlos quälen läßt, mag sich sowas anschauen. Ich wünschte mir danach, ich hätte darauf verzichtet.

Vier Punkte bekommt der Film von mir angesichts der nicht zu leugnenden, schauspielerischen Leistung und auch angesichts einer Regie, die Jelineks literarische Vorlage letztlich wohl doch gekonnt umgesetzt hat: die ist nämlich tatsächlich so pervers. Da aber die Stoßrichtung des Ganzen rein zerstörerisch ist und Jelinek in ihrem zugrunde liegenden Machwerk einfach nur auf Kosten ihrer Leser und Filmzuschauer ihre Neurosen auslebt, bitte ich darum, die Punkte in diesem Fall als Negativpunkte zu sehen: künstlerische Qualität ist kein Wert an sich - es kommt schon auch noch darauf an, wofür sie eingesetzt wird.

Wer einen wirklich guten, authentischen Film zum Thema Sadomasochismus sehen will, der sollte sich besser einmal "Verfolgt" aus dem Jahr 2006 ansehen, mit Maren Kroymann in der Hauptrolle: ähnliche Konstellation, vertauschte Rollen - aber vor vor allem mit einem liebevoll realistischen Blick auf die Beteiligten gedreht. DAS ist Filmkunst.

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