"Ihr Anzugtypen hasst mich, aber ohne mich seid ihr aufgeschmissen."
Regisseur David Ayer bleibt nach "Harsh Times" seiner Linie treu und begeht, im Gegensatz zu "Training Day" für den er als Drehbuchautor zur Verfügung stand, mit "Street Kings" nun einen eigenständigen Weg.
Tom Ludlow (Keanu Reeves) ist ein Polizist im Los Angeles Police Department. Den Schmerz seiner kürzlich verstorbenen Frau ertränkt er im Alkohol wodurch er umso aggressiver handelt. Dies schlägt sich auf einen Entführungsfall nieder den er im Alleingang durch eine blutige Schießerei beendet. Dadurch gerät er ins Visier des für interne Angelegenheiten ermittelnden James Biggs (Hugh Laurie) sowie seinem ehemaligen Kollegen Terrence Washington (Terry Crews).
Als Ludlow Washington in einem Laden zur Rede stellen will, wird dieser von zwei Gangstern regelrecht hingerichtet. Da der Verdacht auf Ludlow fällt, empfiehlt sein Vorgesetzter Captain Jack Wander (Forest Whitaker) die Aufzeichnung einer Kamera, auf der Ludlow zur Tatzeit an dem Tatort zu sehen ist, mit sich zu nehmen und verdonnert ihn zu Schreibtischarbeit. Ludlow ist aber unruhig und ermittelt mit Detective Paul Diskant (Chris Evans) auf eigene Faust.
"Street Kings" hat deutliche Parallelen zu Cop-Thrillern wie "Training Day", man könnte sogar sagen die Unterschiede seien marginal. Somit dreht sich die Handlung um einen Polizisten, der in ein Komplott ausufernder Verbrechen gerät und gar Korruption in den eigenen Reihen aufdeckt.
Mit furioser Wucht prallt das Intro durch eine äußerst delikate Verkettung temporeicher Ereignisse auf den Zuschauer auf. Dass es bereits hierbei recht hart und draufgängerisch zur Sache geht, bestätigt den gewollt rustikalen Weg für den sich Ayer entschieden hat.
Auch die Inszenierung schlägt in die standesgemäß dreckige Kerbe. Die Schauplätze sind bewusst in meist übermäßig verschmutzen Gebäuden und Straßen angesiedelt, wechseln aber oft genug zu ansprechend ausgestatteten Büroräumen und den Örtlichkeiten der Behörden.
Die Atmosphäre ist stimmig und wird durch einen nicht übermäßig zelebrierten Soundtrack getragen.
Interessant sind ebenso die überaus geistreichen Dialoge, die man so sicher nicht unbedingt in vergleichbaren finden wird.
Nach bereits 15 Minuten beginnt sich der Thriller aber schon eigenständig ins Aus zu schießen. Eine vergleichsweise adrenalin- sowie bleihaltige Actionszene wie zu Beginn wird man nicht mehr finden. Stattdessen verliert sich "Street Kings" plötzlich in belangloser Ermittlungsarbeit und teils haarsträubenden Verfolgungen in dem Jäger und Gejagter von einer Szene zur nächsten merkwürdigerweise meterweite Abstände voneinander haben.
Die Handlung erweist sich als grotesk einfach und deckt sich bei nur wenigen Vorkenntnissen des Genres schon im ersten Drittel vollständig auf. Somit sorgt die altbekannte Story für einen nur kurzweiligen Unterhaltungsfaktor und verursacht mehrfach Längen. Im Grunde wirkt "Street Kings" einfach viel zu sehr von den Meilensteinen "Trainig Day" und "Harsh Times" abgekupfert und entwickelt keinen eigenständigen Stil.
Die Figuren bleiben kaum mehr als formlose Hüllen. Sie und ihre Eigenheiten sind oberflächlich gezeichnet, entwickeln sich kaum weiter und sind durchweg austauschbar. Erschreckend klischeehaft bleibt ihr tun. Der Zuschauer hat hier kaum Möglichkeit sich mit einer Figur zu identifizieren.
Dadurch haben auch die Darsteller Schwierigkeiten mit ihren Figuren zu interagieren und verfallen allzu schnell Eigenbrötlerei, aus der sich nur Forest Whitaker ("8 Blickwinkel", "Panic Room") durch die sich einzig verändernde Rolle retten kann.
Keanu Reeves ("Matrix", "Der Tag, an dem die Erde stillstand") entwickelt wenig Eigensinn und spult die Darstellung seiner Figur zwar gekonnt, aber ohne sonderliche Höhen ab. Dies gilt ebenso für Chris Evans ("Sunshine", "Fantastic Four") und Hugh Laurie ("Der Flug des Phoenix", "Dr. House") von denen man bereits weit besseres gesehen.
Naomie Harris ("Pirates of the Caribbean", "28 Days Later") hat hier eine nur kleine Rolle mit der sie hoffnungslos unterfordert ist. Genau genommen gleicht dies einer Verschwendung von Ressourcen.
Dass die bereits angestaubten Ansätze funktionieren ist ersichtlich, "Street Kings" verlässt sich allerdings zu sehr auf eine schon häufig befahrene Straße die mittlerweile einfach einmal neu geteert werden muss. Mit "Harsh Times" hatte David Ayer das Glück auf einen sehenswerten Cast setzen zu können, der hier nicht vorhanden ist. Der Versuch durch schnelle Schnitte und eine übersichtliche Portion roher Gewalt Spannung zu erzeugen schlägt fehl, denn dazu ist die Handlung und das zugrunde liegende Drehbuch viel zu vorhersehbar.
4 / 10