Detective Ludlow ist ein harter Hund. Ein verdammt harter Hund. Er lässt sich von ein paar koreanischen Dealern böse zusammenstiefeln, nur um danach wieder aufzustehen, den Typen zu Fuß zu folgen bis in ihre Drogenküche hinein, und dann die ganze Bagage großkalibrig umzulegen. Der erste am Tatort: Detective Ludlow, der Held. Ludlows Methoden werden nicht wirklich vom Gesetz gedeckt, wohl aber vom seinem Vorgesetzten Captain Wander, der auf Ludlow extrem große Stücke setzt. Wenn nicht er den Dreck wegmacht, wer soll es denn dann tun? Doch als Ludlows Ex-Partner Washington mit dem Wissen über Ludlows Machenschaften zur internen Ermittlung geht um ihn anzuschwärzen, ist die Stimmung entsprechend im Keller. Ludlow will Washington eine reinsemmeln, doch just in dem Augenblick kommen zwei maskierte Gestalten ums Eck und pumpen Washington voll Blei. Der erste am Tatort: Detective Ludlow der Looser, der nämlich in das Visier der internen Ermittlung gerät: Washington will Ludlow die Marke abnehmen, und zufällig genau dann wird Washington erschossen? Doch auch jetzt hält der Captain seine Hand über Ludlow – Er selber will Polizeichef werden, und da braucht er die Erfolge Ludlows umso nötiger. Gleichzeitig fällt Ludlow aber auf, dass beim Tod Washingtons einiges an Ungereimtheiten auftaucht. Und je länger Ludlow sich durch L.A. schießt und prügelt, umso eklatanter werden diese Ungereimtheiten …
„Ihr habt Augen wie ‘ne Halbmondsichel, zieht euch an wie Weiße, redet wie Schwarze, und fahrt Autos wie Juden. Woher soll ich also wissen, was ihr für gelbe, hundefleischessende Charlies seid, wenn ihr es nicht wisst?“
Die Inhaltsangabe liest sich bereits wie ein typisches Hollywood-Produkt, und letzten Endes ist STREET KINGS auch genau das: US-amerikanisches Kintopp der 00er-Jahre ohne Haken und Ösen. Der Held ist ein Schlagetot in Uniform, ein erstklassiger Polizist mit Umgangsformen wie Attila der Hunne, der ob seiner Ermittlungserfolge kaum angreifbar ist, und wenn ihm jemand ans Leder will, dann stellt sich immer die Frage, wer denn die Drecksarbeit machen soll, wenn der Held mal nicht mehr ist. Wer die Leichenteile und die Spritzen wegräumen soll. Die Typen in den Anzügen jedenfalls nicht …
Auf jeden Fall haben wir hier also die moralisch sehr zweifelhaften Cops, die ohne Rücksichtnahme auf Bürgerrechte, Dienstzeiten oder gar Gesetze versuchen, die bösen Jungs zu kaschen; wir haben den internen Ermittler, der selbstverständlich als Fiesling aufgebaut wird und der versucht, sich hinterrücks in des Helden Vertrauen einzuschleichen; wir haben die schöne Latina, deren Aufgabe es einzig und allein ist den Helden zu verarzten (und als Drohung zu dienen, als der Held in die Hände der Bösewichter gerät); und wir haben ein geschickt unübersichtlich aufgebautes Korruptionsproblem bei der Polizei von L.A., das wie beim Gordischen Knoten nur durch den massiven Einsatz von Schusswaffen aller Art gelöst werden kann. Der Held ist absolut unkaputtbar, säuft wie ein Loch, isst nicht, raucht nicht, scheißt nicht, ist moralisch angreifbar, und nach einer gefühlten 48-Stunden-Schicht mit ebenfalls gefühlten 20 Schießereien immer noch taufrisch. Hollywood eben …
Und wer jetzt noch weiterlesen mag, dem darf ich verraten: STREET KINGS ist von seiner ganzen Machart, seiner Inszenierung, der Anlage des Drehbuchs und den Bildern her verdammt spannendes und aufregendes Mainstream-Cops-versus-Thugs-Kino, das zwar an seiner reaktionären Aussage und seiner ganzen Machart nichts Neues bietet, dafür aber das Altbekannte in einen ausgesprochen mitreißenden Film packt. Wenn man sich im Nachhinein überlegt, wer denn eigentlich der Schurke war, ärgert man sich fast, dass man so spät darauf gekommen ist, weil eigentlich die Lösung ab den ersten Szenen auf der Hand lag. Aber durch das geschickte Drehbuch von James Ellroy, durch die verschlungenen Handlungsfäden und die vielen kleinen Abzweigungen sowie durch das hohe Tempo wird der Zuschauer so fest an den Bildschirm gefesselt und zum Mitraten aufgefordert, dass er völlig übersieht wer denn nun der Drahtzieher der ganzen Aktion ist. Was schließlich eine alles andere als schlechte Leistung ist.
Von den drei ersten Filmen von David Ayer, HARSH TIME – LEBEN AM LIMIT von 2006, STREET KINGS von 2008 und END OF WATCH von 2012, ist dieser hier der schwächste, weil er es sich in seiner Aussage am Einfachsten macht, und weil er die übelsten Hollywood-Stereotypen bedient, ohne sie zu hinterfragen. Alle drei Filme eint die Darstellung der Gewalt in den Straßen von Los Angeles, die jeden und alle erfasst, gleich ob es von Ausführenden und Opfern gewollt ist oder nicht. Drogen und Gewalt sind in dieser Stadt, so scheint es, allgegenwärtig und beherrschen das Alltagsleben. HARSH TIMES mit einem brachial-eindrucksvollen David Bale zieht den Zuschauer da am stärksten in das Geschehen, und die Mockumentary-Machart von END OF WATCH steht dem kaum nach. STREET KINGS fühlt sich da eher an wie ein sinnloser Schlag ins Gesicht mit all seiner Wucht, seiner Brutalität und dem dazugehörigen Adrenalin, aber er hinterlässt auch am Wenigsten das Gefühl, etwas Besonderes gesehen zu haben. Es ist „bloß“ großartiges Unterhaltungskino des neuen Jahrtausends …