Selbstüberwindung, an einer Herausforderung, die man angeht, zu reifen, Aufopferung für andere Menschen - allesamt gute und wichtige Themen, die in Filmen für Jugend, Kindheit und Familie gut aufgehoben sind, vor allem im Kino, wo das Phantastische den Horizont zusätzlich zur Botschaft noch bebildern kann.
All das hat "Nim's Island", der in Deutschland blytonesk zur "Insel der Abenteuer" wurde und von dem man lehrreiche Fantasy-Abenteuerunterhaltung mit dem nötigen Augenzwinkern erwarten konnte, sobald bekannt war, daß sich dafür Jodie Foster, Gerard Butler und Abigail Breslin begeistern konnten.
Die parallel erzählte Story von der patenten Elfjährigen, die mit ihrem Wissenschaftlerdaddy im Pazifik auf einer versteckten Insel ein herrliches Leben mit all ihren tierischen Freunden führt und dann plötzlich allein dasteht, als ihre Vater im Sturm Schiffbruch erleidet und der an Agoraphobie (Platzangst) leidenden Bestsellerautorin von Abenteuerromanen, die es nicht schafft, ihr Haus für einen Gang zum Briefkasten zu verlassen und nun zur Rettung ausrücken muß - das ist, auf dem Papier, Spaß in Reikultur.
Nur warum ist der finale Film dann so schrecklich mittelmäßig und unspektakulär, so forciert und langgezogen, wie es ein Kinderbuch eigentlich nie sein sollte?
Möglicherweise, weil das Drehbuch die Story nie so phantastisch beflügeln kann, wie sie es verdient und vielleicht auch, weil man Stars immer gewinnbringend einsetzen muß, so daß nicht nur die Jüngsten daran interessiert sind. Ein passabler Jugendfilm ist "Nim's Island" ja geworden, allein die Größe enttäuscht angesichts des Aufwands und Talents, die man dafür in Szene gesetzt hat.
Da wäre zunächst die parallele Entwicklung der Figuren: die reichlich reife Elfjährige, die mit Angst und Einsamkeit fertig werden muß und ihr Inselversteck gegen die Fänge des Massentourismus verteidigt gegen die hibbelig-neurotische Tastentante, die vor jedem Bazillus einen Herzinfarkt bekommt und ansonsten kaum geradeaus laufen kann. Die lehrreiche Absicht ist dabei durchaus spürbar, allerdings wirkt Breslin meistens zu gefaßt, während die gegen den Strich besetzte Foster sich in heillosen Slapstick der Marke Pierre Richard stürzen muß, was für sie zwar erfrischend ungewohnt wirkt, aber in baldiger Überdosis dann eher nervt. Der gleichzeitige Überlebenskampf des Vaters auf hoher See, der mit Butler vom gleichen herzlich-kantigen Darsteller gespielt wird, wie der fiktive Abenteurer Alex Rover, dessen Erlebnisse Foster schreibt und Nim anbetet und der der Autoren beständig als stichelnder Anreiz erscheint, ist dagegen aus dem Pop-Up-Buch für solche Plotkonstruktionen, kaum ein Zweifel daran, daß Dad heim kommt und der Romanheld die Psychoeule in den Pazifik treibt.
Der Zielpunkt Insel an sich führt die Figuren jedoch erst in den letzten zehn Minuten zusammen, so lange kaspern sich Foster durch die Fish-out-of-water-Rolle, während Nim sich mal verletzt, dann Touristen verscheucht, indem sie fast einen Vulkan ausbrechen läßt und sich sonst einigermaßen mit ihren computeranimierten Tierchen die Zeit vertreibt.
Die wiederum machen den Film schön bunt und sorgen für zusätzlich Schmunzler: ein furzender Seelöwe, eine kommentierende Eidechse, ein hilfreicher Pelikan. Doch die Figuren sind nicht nur fröhlich-frisch und animiert, sie beeinflußen die sonst brüskierend realistisch gehaltene Story auch mit phantastischen Elementen: der Pelikan fängt für den Schiffbruchdaddy Fisch, der Seelöwe attackiert per Blähung die Karikaturentouristen und als am Ende die gute Autorin endlich auf der Insel ist, hat sie eigentlich gar keine Funktion: das Kind kam recht gut allein zurecht, zeigt sich vom Geschlecht ihres Lieblingsautors einigermaßen enttäuscht und muß ihre Helferin dann auch noch im dunklen Dschungel vor der Hysterie retten, bis sie als möglicher love interest des heimgekehrten Daddys endlich ihre Erfüllung findet.
Das ist das Fatale am Film: letztendlich ist alles irgendwie banal realistisch, alles halb so wild und viel Lärm um Nichts, die "Abenteuer" fallen eher mäßig aus, die Lektionen sind gelernt, alles endet happy und wäre es nicht von Sony könnte es glatt von Disney sein. Natürlich kann man "Nim's Island" gut mögen, allein Breslin ist den halben Film wert und alle anderen haben sichtlich ihren Spaß, aber für die große Aufmachung ist das finale Resultat dann doch arg bieder und unaufregend, vor allem, wenn man vorher seinen Spaß mit Richard Donners "The Goonies" hatte, die die gleichen Botschaften wesentlich aufregender, abwechslungsreicher und näher an der Realität (was die Figurenzeichnung und ihre Entwicklung angeht) liefert.
Mit elf Jahren sicherlich ein Kracher, für den Familienausflug ausgezeichnet geeignet, aber ansonsten geht dem Film die zeitlose Frische ab, die man sich von dem Projekt vielleicht versprochen hätte. Ein Fernsehfilm hätte es da plötzlich auch getan, trotz des Fehlens des moralischen Zeigefingers und oscarnominierter Darsteller.
Ein schlimmes Schicksal, wenn die meisten über 16 urteilen würden: einmal reicht irgendwie! (5/10)