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Gratulation liebe Deutschübersetzer, ihr habt es mal wieder geschafft, einen wunderbaren Filmtitel völlig falsch zu übersetzen. Ist es denn wirklich so schwer, aus dem Titel "Nim's Island" einfach ein "Nims Insel" zu zaubern? Oder ist es zu viel verlangt einfach den englischen Titel beizubehalten? Nein, natürlich muss hier ein selbst kreierter deutscher Filmtitel her und so wurde aus "Nim's Island" "Die Insel der Abenteuer". Nun muss ich leider allen Kindern die Illusionen nehmen. Es gibt im gesamten Film keine "Insel der Abenteuer", sämtliche Abenteuer, sofern man sie als Solches nennen kann, finden wenn dann außerhalb dieser Insel statt. Diese Insel ist nichts weiter als das zu Hause von Nim, die dort seit vielen Jahren mit ihrem Vater alleine wohnt. Deswegen logischerweise auch der Titel "Nim's Island". Auch ich habe mich von diesem Titel völlig irreführen lassen und habe einen Fantasie geladenen und quietschbunten Kinderfilm erwartet. Und was bekam ich ich am Ende? Einen quietschbunten Kinderfilm! Doch auf ganz andere Art. Zunächst sei erst mal gesagt, dass es sich hierbei nicht um ein Fantasyfilm handelt, sondern um ein Abenteuerfilm, auch wenn das Ganze hier für Kinderfilmverhältnisse erstaunlich bodenständig ist. Die überragende Abigail Breslin, für mich die beste "Kinderschauspielerin" aller Zeiten, darf sich hier komplett austoben und mal völlig locker und flockig agieren. Mit im Schlepptau hat sie noch Oscarpreisträgerin Jodie Foster und den hoch attraktiven und sehr begabten Gerald Butler in einer Doppelrolle. In erster Linie sei also gesagt, dass "Nim's Island" tatsächlich ein reiner Kinderfilm ist, der aber mit tollen Bildern, lustigen Darstellern und einer seichten, aber nicht verkorksten, Story auch erwachsene Zuschauer unterhalten kann.

Die 11jährige Nim lebt mit ihrem Vater seit sie denken kann auf einer komplett verlassenen Insel mitten im Südpazifik. Sie geht weder zur Schule, noch hat sie Gleichgesinnte an ihrer Seite. Ihre Freunde sind Tiere, wie bspw. eine Robbe, ein Pelikan oder eine kleine freche Bartagame namens Fred. In ihrer Freizeit ist Nim total vernarrt in ihren Lieblingsromanhelden Alex Rover und sie verschlingt diese Bücher nicht nur, sie taucht sogar in Ihnen ein. Eines Tages erhält Nim eine mysteriöse E-Mail. Als sie auf den Absender schaut, fällt sie fast aus allen Wolken : Der Absender lautet Alex Rover. Als ihr Vater in großer Seenot gerät und verschollen bleibt, macht sich Nim große Sorgen um die Zukunft ihrer Insel. Als dann auch noch vermeintliche "Seeräuber" die Insel scheinbar, aus Nims Sicht, einnehmen wollen, wendet sie sich in ihrer Not an Alex Rover und schreibt eine E-Mail wo sie dringlichst um Hilfe bittet. Was Nim allerdings nicht weiß : Hinter dem Namen Alex Rover verbirgt sich niemand geringeres als die Autorin Alexandra Rover, die die Abenteuer von Alex Rover verfasst hat. Hinzu kommt, dass Alexandra unter der fürchterlichen Agoraphobie leidet und zudem noch leichte schizophrene Züge hat, da sie sich fast permanent ihren selbst erfundenen Helden als einzigen, jedoch imaginären, Freund einbildet. Doch als sie merkt, dass ein kleines Mädchen in Not ist, stellt sie sich ihrer Angst und will zu dieser Insel gelangen, um Nim zu helfen. Dies gestaltet sich anfangs jedoch schwieriger als gedacht, denn Alex muss um die halbe Welt reisen und erlebt dabei ihre größte Therapiestunde.

Da soll noch mal jemand sagen, dass solche Filme wie die "Goonies" inzwischen ausgestorben sind. Es gibt sie eben doch noch, die netten kleinen Kinderabenteuerfilme, die auch Erwachsene begeistern können. "Nim's Island" bringt alles mit, was so ein Familienfilm ausmacht. Langeweile gibt es bei der ohnehin schon kurzen Lauflänge nicht und so dürfen wir ein ziemlich witziges Abenteuer mit ansehen, bei der Jodie Foster der kleinen Abigail Breslin gemeinerweise die Show stiehlt. Natürlich bleibt der Film nicht frei von triefendem Kitsch, der oft etwas deplatziert wirkt. So fragte ich mich bspw. ob die ganze Geschichte mit der Partytruppe, bzw. dem kleinen dicken und sehr nervigen Jungen hätte sein müssen. Besonders die viel zu schmalzige Dialogszene zwischen Nim und dem Jungen, während sie in einer Art Asche-Schnee stehen, wirkt völlig überzogen, da es zwischen den Beiden auch keinerlei Bindung gibt, die zuvor aufgebaut wurde. Natürlich ist der Film auch völlig unrealistisch, besonders wenn man mit ansehen muss, wie leichtfertig die kleine Nim doch einen Vulkan hoch klettern kann. Aber so viel Realismus kann man dann von diesem Film trotz allem nicht erwarten, obwohl er im Vergleich zu ähnlichen Genre-Vertretern deutlich realistischer daherkommt. "Nim's Island" ist ein Film für die ganze Filme, bei der Alle ihren Spaß haben werden, auch wenn es auf der typischen Romantik-Ebene einen totalen Leerlauf gibt. Die Story ist nicht das, was Nim's Island für mich zu einem guten Kinderfilm macht, es sind die Darsteller, die grandiosen Kameraaufnahmen und die hervorragende Musik, die absolut treffsicher platziert wurde. Natürlich ist das Ende totaler Kitsch und ziemlich einfach gestrickt, aber was erwartet man bitte auch von so einem Kinderfilm? Hatten "Die Goonies" einen kitschigen Abschluss? Ja! Hatte "Explorers" schmalzige Szenen? Ja! Hatte "Kevin allein zu Haus" extremen Weihnachtskitsch? Ja! Aber genau das brauchen diese Filme auch um ein gewisses Wohlgefühl übermitteln zu können. "Nim's Island" braucht sich demnach nicht vor den genannten Filmen verstecken und hat mir sogar so viel Spaß gemacht, dass ich ihn gerne noch ein zweites und drittes mal angucken würde.

Wie ich bereits erwähnt habe sind die Schauspieler das, was den Film für mich sehenswert machen. Abigail Breslin glänzt hier zwar nicht ganz so oscarreif wie in "Little Miss Sunshine" oder "Beim Leben Meiner Schwester", doch in vereinzelten Szenen, darf sie den Zuschauern auch hier zeigen, was für eine großartige Schauspielerin in ihr steckt. Gerald Butler darf hier gleich in 2 Rollen schlüpfen. Zum einen verkörpert er hier Nims Vater Jack, der einen wirklich hinreißenden Vater spielt, der für seine Tochter und dessen Freiheit wirklich alles tun würde und zum Anderen verkörpert er hier den imaginären Helden Alex Rover, der von der gleichnamigen Autorin erschaffen wurde und da zeigt sich auch, dass ein strammer Bursche wie Gerald Butler, der sonst nur in Filmen mitspielt die eine etwas härtere Gangart haben, auch in Komödien überzeugen kann. Doch die beste Leistung liefert hier Jodie Foster ab, die mich schon in zahlreichen Filmen einfach verzaubert hat. Sie ist einfach ein absolutes Multitalent und ich kann mich nicht erinnern, dass sie mal in einer so komödiantischen Rolle geglänzt hat. Man sieht den 3 Protagonisten total an, dass sie alle total Spaß in ihren Rollen haben und jeder überzeugt auf seine, ganz witzige Art.

"Nim's Island" ist für jeden Filmfan, der mal ein bisschen entspannen will und Lust auf seichte Unterhaltung hat gedacht. Wer seine Erwartungen nicht allzu hoch schraubt und sich vom dummen deutschen Titel nicht blenden lässt, wird hier ein sympathisches Abenteuer mit vielen tollen Bildern erleben.



Fazit : Ein Hoch auf Jodie Foster, Gerald Butler und Abigail Breslin. Die 3 tragen diesen Film bis zum Ende und es ist einfach zu keiner Minute langweilig, ihnen bei ihren Aktionen im Film zuzusehen. "Nim's Island" ist zuckersüßes Familienkino vom feinsten und darf vor allem von Kindern nicht verpasst werden, auch wenn dieser Film keine neuen Maßstäbe setzt.


7,5/10

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