Wie sehr doch Kleinigkeiten einen Unterschied in Sachen Qualität ausmachen können.
Scott Smith’s Roman „Dickicht“ gilt momentan als heißes Eisen in Sachen Horror, er ist grimmig, ein wenig nihilistisch und er kommt mit einer klassischen Situation, der einen kleinen Gruppe von Leuten in Not daher.
Kein Wunder also, daß Hollywood sofort aus der Deckung kam, denn das Sujet schreit einem einen mögliche Verfilmung geradezu entgegen.
Einfach und überschaubar bleibt die ganze Handlung: eine Gruppe von fünf Leuten in einem abgelegenen Mayatempel, der von einer seltsamen Ranke überwucht ist und die sich nach und nach als vampirisches Lebewesen entpuppt, während gleichzeitig eine Gruppe moderner Mayas den Tempel bewacht, damit niemand der Eindringlinge entkommen kann.
Doch was als Buch möglicherweise eine spannende Urlaubslektüre abgibt, leidet in der Filmform schon per se an ultimativer Abnützung. Zu oft wurden Themen wie diese, die wie aus Versatzstücken von „Hostel“ und „Open Water“ zusammengebastelt wirken, schon als Skript verbraten und es bedarf erheblicher Frische, um das zu übertünchen. Gelingen tut dies dies jedoch in den wenigsten Szenen.
Das beginnt schon beim Start im Ferienresort, wo sich die Mischung aus US-Touristen, Griechen und Deutschen zwar nicht als extrem nervig, aber doch als typisch erweist. Wenn man „Ruinen“ hier Qualität unterstellen will, dann daß das voraussichtliche „final girl“ (also das Mädchen, das im Horrorfilm für gewöhnlich überlebt), hier schwer auszumachen ist, denn die Figuren sind alle gleich albern.
Das setzt sich auch noch auf der Reise zum Mayatempel fort, wo man um die üblichen „Fremdes-Land“-Unheimlichkeiten natürlich nicht herumkommt.
Was dann auf dem Mayatempel folgt, hätte eine Fingerübung in zermürbendem Psychothriller mit etwas Splatteranteil werden können, doch spätestens da sind offenbar dem Drehbuchautoren die Zügel geschossen. Allein die Verdichtung der (ausländischen) Nebenfiguren auf eine (den Deutschen Matthias), der dann für eine gewisse Zeit zum Zielpunkt sämtlichen Pechs oder aller notwendigen Grausamkeiten wird, während die Amis dusseliges Zeug reden, ist schon typisch US-Kino.
Viel schwerer wiegt aber der Unsinn, der nebenbei noch so abgespult wird, während man die Rettungsaktion für den vermeintlich im Tempel Festsitzenden organisiert. Jeder halbgare Logikfehler, der einem unterlaufen kann, passiert; jedes dämliche Verhalten, das einem einfallen kann, wird auch umgesetzt. Das Ergebnis ist ein rapider Anstieg an Verletzungen und damit an Opfermaterial für die Pflanze, die allerdings auch nur sehr beliebig und unregelmäßig mal in Aktion tritt.
Das führt dann erstens zur vermutlich ungeschicktest montierten Amputationsdiskussion seit langem, die wohl mehr dem Gore als der Spannung geschuldet wurde und deren relativ spannende und bedrückende Grundsituation zu einem endlos albernem Brüller mutiert, was aber auch daran gelegen hat, daß dem Ernst der Situation mittels der dümmlichen Cowboy-Dialoge der aufrechten Amerikaner (die wohl damit auch satirisch karikiert werden sollten) schon der letzte Zahn gezogen wurde.
Bloß nicht zu ernst, bloß nicht zu grimmig, auf jeden Fall mußte etwas Splatterspaß für die Kids rein, nur entwertet man damit die vermutlich noch möglichen Qualitäten total.
Es ist dann eben doch manchmal des Schlechten zu viel, wenn eine geschickte, wenn auch bekannte Grundsituation dann noch mit den Elementen der Postmoderne und ordentlich Schmodder zugepackt wurde, um auch ja jeden Teenie zu erregen. In den US-Kino einigermaßen achtbar, wenn auch kein Erfolg, sind wohl nicht allzu viele auf das neue Trendprodukt reingefallen.
Das ist insofern schade, als daß einige Szenen durchaus stimmungsvoll sind und die Idee der Töne imitierenden Blüten der Pflanze zumindest für eine atmosphärisch horrible Situation sorgen. Ansonsten herrscht im Lande mal wieder König Dumm und Dämlich, wenn sich nacheinander zwei Männer einer psychisch Durchgeknallten nähern, die sich gerade mittels Dolche den Oberschenkelmuskel schält und der Erste sich schön doof von hinten nähert, um prompt die Hand aufgeschlitzt zu kriegen. Was macht man dann da natürlich als Zweiter in Reihe? Man versucht einen identischen zweiten Durchlauf und bekommt das Messer bis zum Heft in die Brust. Tja, wieviel Intelligenz traut man da den Filmemachern zu oder umgekehrt die uns?
Aber das war ja noch nie ein Argument für Gorefreunde.
Alles in allem also doch nur ein Modeprodukt, daß immer dann albern-absurd rüberkommt, wenn es spannend sein sollte und sämtliche guten Ansätze somit wieder killt. Aber da das Grüppchen an sogenannten Hardcore-Horrorfans sowieso diametral entgegen gesetzte Ansprüche haben (Spannung, Qualität, Story egal – wichtig: albern, trashy, Blut und Titten), macht das vermutlich für den cash flow letztendlich wenig.
Doch auch hier mangelt es dermaßen an Originalität, daß man sich fragt, ob in diesem Fall nicht eine DVD-Premiere besser gewesen wäre. (3/10)