Review

In diesem Kino-Sommer scheint die Pflanzenwelt zurückzuschlagen; nach Shyamalans „Happening“ geht es in „Ruinen“ etwas trashiger zu, jedoch auch weitaus blutiger.
Auf der Basis einer überaus dünnen Grundidee begibt sich eine Gruppe von jungen Urlaubern, - vier Amerikaner, ein Grieche und Mathias aus München - zu einem antiken Maya-Tempel auf Yucatán und kommt dort nicht mehr weg.
So hocken sie auf dem Dach des pyramidenförmigen Geländes, während Pflanzen Stimmen und Handy-Klingeltöne imitieren und die unten wartenden, bewaffneten Ureinwohner in aller Seelenruhe warten.
Klingt selten lahm, ist es aber ganz und gar nicht.

Obgleich die furchtbar oberflächliche Einführung der Protagonisten nicht gerade zu einem hohen Unterhaltungswert beiträgt. Jeff ist Medizin-Student, Freundin Amy sehr launisch, das zweite Paar noch weniger mit prägnanten Eigenschaften behaftet. Man feiert und süppelt, um am nächsten Morgen den vermissten Bruder des Deutschen zu suchen, was erst spannende Gestalt annimmt, als dem einen der halbe Schädel weggepustet wird und das Klischee der skrupellosen, modern ausgestatteten Ureinwohner mal wieder bestätigt wird.
Ab da heißt es im Wechseltakt: Schacht hinunter klettern, operative Maßnahmen vornehmen und auf die Pflanzen mit intelligentem Eigenleben achten.

Warum das alles so ist, wird zu keiner Zeit erläutert, unsere Gruppe macht sich darüber auch nie wirklich Gedanken. Der Tempel wird ganz offensichtlich von den Ranken beschützt, weshalb ihn die Mayas wohl wissend nicht betreten, jedoch auch verhindern wollen, dass niemand, der mit der Pflanze in Berührung geriet, ihr Gebiet verlässt.
Glücklicherweise fokussiert sich das Geschehen nie übermäßig auf den Kampf mit dem Efeu, sondern auf das Gefüge innerhalb der Gruppe, was zwar wenig Bewegung zutage fördert, aber für überraschend harte Momente sorgt.

Was fehlt, ist ein wenig Abwechslung, überraschende Wendungen oder gar ein finaler Paukenschlag. Nach dem schematischen Ablauf eines Slashers wird die Gruppe dezimiert oder aufgrund von Spannungen kommt es zu tödlichen Unfällen.
Reichlich vorhersehbar, wer da final einen Ausweg aus dem Schlamassel finden könnte, aber zumindest reagieren die Figuren nicht durchweg töffelig (Länge des Seils überprüfen, Belagernde provozieren), sondern entfalten ab und an sogar emotional gut nachvollziehbare Verhaltensweisen.
Aufgrund der fürs Horror-Genre eher überdurchschnittlichen Darstellerleistungen gerät das gegen Ende sogar recht packend.

Vielleicht hätte man letztlich doch ein wenig das pflanzliche Verhalten erläutern können (warum gehen Teile davon unter die Haut, wie können sie Stimmen übermitteln und wovon ernähren die sich, außer von Menschen, wenn Insekten das Gebiet schon nicht mehr passieren…), aber andererseits gibt sich der Stoff so nicht total der Lächerlichkeit preis.
Im Gegenteil, unerwartet harte Goreszenen wie Beinamputation und mehrfach Messer in der Haut (alles ohne CGI) lässt den nervenschwachen Kinobesucher auch schon mal kurz den Blick abwenden, auch wenn einige Szenen etwas arg selbstzweckhaft anmuten.

Obwohl im Gesamtbild nicht allzu viel geschieht, der Hauptschauplatz des Tempeldaches kaum verlassen wird, man auf Hilfe hoffend und Trinkwasser einteilend in der eigenen Naivität an planloser Vorbereitung fast zugrunde geht und die Pflanzen besonders die zwei Frauen reichlich kirre machen, - das alles ergibt am Ende einen doch recht positiven Eindruck eines kurzweiligen Schockers, der mit zunehmend dichter Atmosphäre punktet und einfach nur gut unterhält, - wenn auch gewiss nicht mehr als einmal.
Knapp
7 von 10

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