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Jugendliche und Twens, die im Ausland in höchste Lebensgefahr geraten, scheinen in den letzten Jahren gewissermaßen im Trend zu liegen.Vor allem der torture porn "Hostel" kann dabei als Paradebeispiel aufgeführt werden. Etwas weniger folterlastig und mehr auf schöne (Urlaubs-)Bilder und einen passablen Spannungsbogen bedacht, war dann "Turistas", der bei uns allerdings gar nicht mehr in die Kinos kam, sondern direkt für den Heimkinomarkt veröffentlicht wurde. Ein erstes Anzeichen dafür, dass sich dieser ohnehin kurzlebige Trend im Abflauen befindet. "Ruinen" kann nun als eine Art "Übergangsfilm" bezeichnet werden, da hier zwar ebenfalls junge Menschen gehörig leiden müssen, die Ursache dafür aber keine gestörten Individuen sind, sondern etwas ganz anderes.

Eigentlich wollen die Amerikaner Jeff (Jonathan Tucker), Amy (Jena Malone), Stacy (Laura Ramsey) und Eric (Shawn Ashmore) nur ihren Urlaub in Cancùn, Mexico genießen. Dies funktioniert auch recht gut, da die Chemie zwischen den Freunden stimmt und man zudem genügend Alkohol, Strand und Sonne zur Verfügung hat. Was will der Tourist mehr? Ein wenig Abenteuer vielleicht? Jenes  kommt nämlich in Gestalt des Deutschen Mathias (Joe Anderson) daher, welcher auf der Suche nach seinem Bruder ist. Der ward nämlich, in weiblicher Begleitung, zur Erkundung einer alten Maya-Ruine ins Landesinneres unterwegs- und seitdem nicht mehr gesehen! Die Freunde sind fasziniert und beschließen, Mathias zu begleiten. Verstärkt wird die Gesellschaft durch einen Griechen (Dimitri Baveas), dem das Wort "Kanonenfutter" geradezu auf die Stirn geschrieben steht. Es wird ein unvergesslicher Trip- im schlimmsten Sinne! Denn bei der Ausgrabungsstätte angelangt, werden die Twens mit feindseligen Einheimischen konfrontiert, die sie schließlich nicht mehr gehen lassen und sogar Dimitiri töten, als jener mit der Pflanze in Berührung kommt, welche die Stätte überwuchert. Im Angesicht der Gefahr rettet sich das verbleibende Grüppchen auf die Plattform des Maya-Tempels. Nur um festzustellen, dass sie der weitaus größeren Gefahr geradewegs in die Arme gelaufen sind...

Man merkt es schon beim Lesen der Inhaltsangabe: nicht gerade komplex, was sich Autor Scott B. Smith (lieferte auch die Vorlage für den geschätzten Sam Raimi-Thriller "Ein einfacher Plan") hier hat einfallen lassen. Aber gegen gepflegte Geradlinigkeit ist, besonders im Horrorgenre, ja auch nicht unbedingt etwas einzuwenden. Vorausgesetzt, dass Ergebnis fällt einigermaßen ansprechend aus. Diesen Punkt kann "Ruinen" durchaus mit "ja" beantworten, fängt die Kamera doch gute Bilder ein, die vielleicht nicht unbedingt revolutionär, aber wirkungsvoll ausfallen. In Szene gesetzt wurde das alles von Kinodebütant Carter Smith (verwandt sind Autor und Regisseur trotz des gleichen Nachnamens aber nicht), dessen Regie vor allem souverän daherkommt, auch wenn eine eigene Handschrift etwas vermisst wird.

Im Gegensatz zu "Ein einfacher Plan" dürfte Scott B. Smith für sein Skript zu den "Ruinen" wohl nicht wirklich viel Lob geerntet haben. Verständlich, hangelt sich Smith doch vor allem in der ersten Hälfte an den typischen Genrekonventionen entlang, ohne diesen etwas Originelles abgewinnen zu können. Darin liegt auch der große Kritikpunkt des Films, denn wie in so vielen Streifen zuvor, werden die Charaktere recht verschenkt in das Geschehen geworfen. Kein Wunder, wenn man zwar sieht, dass das Jungvolk jeder Menge Spaß (inkl. Sex und Alkohol) nicht abgeneigt ist, aber kaum über genügend Background und Tiefgang verfügt, um dem Zuschauer darüber hinaus nahezugehen. Das macht sie nicht automatisch unsympathisch, kann aber nicht darüber hinwegsehen lassen, dass hier Potential verschenkt wurde.

Dieser Umstand wird umso deutlicher, da die Akteure in der späteren Phase des Films überraschend intensive Darbietungen zeigen, die eine noch stärkere Wirkung erzielen würden, wenn eben ein wenig mehr Substanz dahinter wäre. Während bei Jonathan Tucker ("The Virgin Suicides") und Jena Malone ("Donnie Darko") immerhin noch etwas an der Oberfläche gekratzt wird, erfährt man über Laura Ramsey (aus "Venom- Biss der Teufelsschlangen", die Malone durch ihre Leidensszenen schon fast die Schau stiehlt) und Shawn Ashmore ("X-Men 3") nahezu gar nichts. Mal abgesehen davon, dass beide Sex als Lieblingsbeschäftigung Nummero Uno ansehen. Womit ihre Aussichten, den Film zu überleben, natürlich auch schon geklärt wären.

Diesen Klischees zum Trotz, spricht aber auch so einiges für "Ruinen". Womit wir wieder bei den Darstellern wären, die sich für ein solches B-Movie ordentlich ins Zeug legen und das Maximum aus ihren eher zweckmäßigen Figuren herausholen. Respekt, da hat die Castingabteilung wirklich ein gutes Händchen bewiesen! Ebenfalls gelungen: der Score von Graeme Revell, der verhältnismäßig unaufdringlich startet, aber gerade in den Schockmomenten gehörig Dampf macht. Apropos, Schocks: neben der Besetzung wohl der größte Trumpf des Films, da diese Szenen einfach sitzen. Vor allem die Suche der Mädels nach einem klingelnden Handy in der stockfinsteren Höhle, kann in diesem Zusammenhang für einen gehörigen Adrenalinschub sorgen, was auch der hinterhältigen Wendung in dieser Szene zu verdanken ist.

Im Gegensatz zur ersten Hälfte, leistet sich der zweite Teil des Films dann auch keinerlei Längen mehr und bringt seine nur auf dem Papier trashig anmutende Geschichte (junge Leute, um die 20 werden von infektiösen Pflanzen gepeinigt) überraschend effektiv und zudem schön eklig zu Ende. Dabei werden Erinnerungen an "Cabin Fever" wach, wobei man "Ruinen" allerdings zu gute halten muss, dass auf die Albernheiten von Eli Roths etwas unausgegorenem Erstling verzichtet wurde- zugunsten beklemmender Momente und einem gerüttelten Maß an Düsternis (bedingt durch den eingegrenzten Schauplatz und die zunehmende Hoffnungslosigkeit der Lage, in der sich die Protagonisten befinden). Das Verhalten der Figuren wechselt dabei von intelligent (die Diskussion darüber, wie man den schwer verletzten Mathias am Besten transportiert) zu saudämlich (die Szene, in der sich Jeff und Eric der völlig hysterischen Stacy nähern). Aber ähnliches ist man aus vergleichbaren Filmen ja schon gewöhnt. Da überrascht einen dann auch der überdeutlich offfene Schluss nicht mehr.

Fazit: "Ruinen" erweist sich als brauchbare Blaupause für den nächsten innovativen Genrebeitrag. Getreu dem Motto: "gut (zusammen-)geklaut ist besser, als schlecht erfunden". Das Ergebnis ist eine routinierte Mixtur aus "Cabin Fever", dem etwas überbewerteten "The Descent- Abgrund des Grauens" und John Stockwells nettem Urlaubs-Schocker "Turistas". Nichts für die Ewigkeit, aber ordentliche, unterhaltsame und mitunter recht packende Kost für den Augenblick.
Noch 7/10 Punkten

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