Review

Grasgeflüster


„The Ruins“ befand sich praktisch seit seinem Release auf meiner Watchlist - nun, im Jahr meines ersten Urlaubs nach Mexiko, musste er da endlich runter, endlich geguckt werden. Besitzt er doch immerhin einen guten Ruf, eine unheimliche, effektive Ausgangslage und ein sehr straffes Tempo und einen erwähnenswerten Härtegrad. Erzählt wird von einer Gruppe Amerikaner, die mithilfe eines deutschen Wannabe-Reiseführers auf einer abgeschiedenen und scheinbar verbotenen, verfluchten Maya-Pyramide landen. Schnell umzingeln die Ureinwohner die uralte Stätte der Alpträume, sodass Flüchten unmöglich erscheint, und die Clique muss feststellen, dass die grün-hübsche „Bepflanzung“ des aztekischen Baus die noch viel größere Gefahr darstellt und Heißhunger auf warmes Fleisch in sich trägt... 

Ein Urlaub der schief geht, dumme Touris die sich überschätzen, alte Ruinen und mystische Stätte die den Tod in sich tragen - alles nichts Neues, ganz im Gegenteil. Und dennoch funktioniert dieser Ruinen-Terror irgendwo zwischen Umwelthorror, Creature Feature und abgewandeltem Torture Porn erstaunlich gut. Moderne Härte wird mit klassischer Gänsehaut kombiniert, das Setting und die Prämisse gehen unter die Haut, oft ist das Einfachste ja eh das Schrecklichste. Die Idee der hinterhältigen und brutalen „Blumen“ wurde selten so gut umgesetzt, deren „Eindringen“ in offene Wunden und Körperöffnungen bietet so manch einen Pfui-Moment (oder unter Horrorheads eher Wow-Moment). Minuspunkte bekommt für mich das plötzliche und abgehakte Ende, dass insgesamt dann doch zu wenig herausgeholt wurde und vor allem dass die vier Hauptfiguren weder besonders logisch, clever noch sympathisch handeln. Sie bleiben super blass und beliebig. Da hat man sogar fast einen Grund, den Ranken und Farnen den Snack zu gönnen. Außerdem hätte ich viel mehr Bilder und Sehenswertes aus dem inneren der Pyramide erwartet, was leider viel zu schnell abgehakt und (vielleicht aus Budgetgründen) beiseite gelegt wird. Plus: aus subjektiven Gründen ist es natürlich schade, dass er in Australien und gar nicht in Mexiko gedreht wurde. 

Fazit: fies, simpel, grün und sonnig - im Grunde sehr basic und unspektakulär, eintönig und einfach, aber gleichzeitig auch ziemlich hart und knackig. Ruinös geht anders. Pflichtprogramm für den Horrorfan, der sich auf seinen Mexikourlaub vorbereitet. Aber auch nur für den. Könnte auch eine moderne, gute, blutige „Creepshow“-Episode ala „The Raft“ sein. 

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