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Sally Hawkins spielt eine lebensfrohe, stets gut gelaunte Grundschullehrerin. Mit ihrer fröhlichen, amüsanten Art geht sie durch den Alltag und lässt sich ihre Laune durch nichts verderben, auch nicht durch ihre Mitmenschen, die mit ihrer offenherzigen Art nicht zu Recht kommen, als sie dann jedoch den Führerschein machen will und sich ihr Fahrlehrer als depressiver Miesepeter entpuppt, kommt es zu einigen Konfrontationen.

Wir alle kennen Menschen wie Poppy, Menschen, die tagtäglich mit einem Lächeln auf den Lippen erwachen, jeder Situation etwas Positives abgewinnen und sich diese optimistische Grundeinstellung durch nichts zerstören lassen. Mitunter wirken diese Personen etwas exzentrisch, albern, unter Umständen naiv. Und eben einen solchen Menschen nimmt sich Mike Leigh als Hauptfigur für seine neue Komödie, die durchaus gelungene Unterhaltung bietet.

Zunächst einmal entpuppt sich Sally Hawkins als optimale Besetzung für die Hauptrolle. Hawkins, die für ihre Darstellung vollkommen zu Recht mit dem Golden Globe prämiert wurde, verschmilzt förmlich mit ihrer Rolle und stellt die Frohnatur so hervorragend dar, so wirkt jedes Schmunzeln, jedes Lachen vollkommen charmant und authentisch. Bemerkenswert ist dabei, dass sie durchaus einige Lacher verbucht, aber ihren Charakter, der im gesamten Film definitiv seine Würde behält, dennoch nicht ins Lächerliche zieht. Die Sympathie des Zuschauers ist ihr dabei sicher. Damit rückt sie in den Fokus des Films und erzeugt eine enorm hohe Leinwandpräsenz, zumal sie in einem überaus redseligen Charakter steckt. Die übrigen Darsteller gehen neben der überaus aktiven Hawkins unter, was aber nicht weiter schlimm ist, einzig und allein Eddie Marsan, der den griesgrämigen Fahrlehrer spielt und diese Rolle hervorragend erfüllt, vermag es neben der brillianten Hawkins positiv in Erscheinung zu treten, wobei der restliche Cast grundsolide besetzt ist.

Problematisch ist bei Leighs Werk jedoch, dass er versucht nahezu gänzlich ohne einen Plot die volle Laufzeit zu füllen. Im Prinzip wirkt es so, als habe Leigh einfach ein paar typische Tage aus dem Leben Poppys zusammengefügt, um ihren Alltag zu veranschaulichen und den Charakter tiefer zu konstruieren. Einerseits nutzt er es durchaus, dass er keine Wendungen platzieren muss, keine Handlung voranbringen muss und konstruiert seinen rundum sympathischen Charakter so in aller Ruhe überaus liebenswert, zeigt deutlich und präzise auf, wie andere Menschen auf sie reagieren und zeichnet alles in allem ein realistisches und etwas kritisches Bild von unserer heutigen Gesellschaft, in der Poppy teilweise missverstanden, von manchen sogar als nervig empfunden wird. Damit hat der Film durchaus einige Innovationen an sich und handelt die ernste Thematik leicht, locker und überaus gelungen ab. Da dabei jedoch ein roter Faden nahezu gänzlich fehlt, tut sich der Film mit dem Aufbau von Dramatik ziemlich schwer und bleibt auf einem ordentlichen Unterhaltungsniveau stecken, obwohl definitiv mehr drin gewesen wäre.

Inszenatorisch leistet Leigh gute Arbeit. Er setzt seine grandiose Hauptdarstellerin hervorragend in Szene und hält das Erzähltempo hoch genug, um durchgehend unterhalten zu können. Der Humor ist dabei überaus herzhaft und sympathisch, aber doch teilweise hintergründig, womit Leigh seine Charakterstudie, die er genauso gut als sperriges Drama hätte anlegen können, immer auf einem enorm liebenswerten und lockeren Niveau hält. Echte Lacher verbucht der Film dabei zwar nicht, zumal sich einige Gags auf Dauer doppeln, aber amüsieren kann "Hally-Go-Lucky" allemal. Der Film ist musikalisch ebenfalls leicht und locker unterlegt, entsprechend ist auch die Wohlfühlatmosphäre, die der Film durchaus benötigt, vorhanden.

Fazit:
Regisseur Mike Leigh konstruiert mit seiner Hauptfigur Popp, die grandios von Sally Hawkins auf die Leinwand gebracht wird, eine echte Frohnatur und zeigt, wie diese im Alltag von ihren Mitmenschen wahrgenommen wird. Dabei gewinnt die Figur durchaus an Tiefe und so liefert Leigh eine der sympathischsten und liebenswertesten Komödien der letzten Jahre ab, die jedem ans Herz gelegt sei, der mal wieder eine Komödie jenseits der Stereotypen Hollywoods sehen will, die stellenweise jedoch an ihrer Handlungslosigkeit krankt.

64%

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