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Bekanntlich ist es oft das Ungewisse, was dem Menschen Angst bereitet, was natürlich insbesondere auf den Horrorfilm zutrifft. Solange man nicht weiß, was da im Halbdunkel im Gebüsch raschelt, malt man sich in der Fantasie alles mögliche aus, was fast immer dann enttäuscht wird, wenn es letztlich von der Kamera deutlich im Bild festgehalten wird.
Dieser spanische Beitrag macht eine ähnliche Entwicklung durch, baut entsprechende Spannung auf und durchbricht im letzten Drittel die bis dato stimmige Atmosphäre mit einer von Logiklöchern behafteten Auflösung, die glücklicherweise nicht alles einreißen lässt.

Menschen, die unter Xeroderma Pigmentosum leiden, leben fast wie Vampire. Sonnenlicht, in schlimmsten Fällen normales Tageslicht, verbrennt ihre Haut im Nu.
Der 16jährige Santi leidet unter dieser Krankheit und zieht deshalb mit Mutter Julia in ein Pyrenäen-Dorf, in dem nur selten die Sonne scheint, was im Übrigen auch auf einige vogelige Dörfler zutrifft.
Kurz nach deren Ankunft werden vermehrt Schafe gerissen, bis ein Mord im Wald geschieht und Santi unter Mordverdacht gerät. Mit Hilfe seines Kumpels Leo und der hübschen Einheimischen Angela versucht er, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Wenn sich diese sympathischen Coming-of-age-Geschichten mit Horror-Elementen kreuzen, entsteht nicht selten ein Gefühl von Vertrautheit, vielleicht auch, weil Außenseiter grundlegend eher als Helden taugen.
Leider wird Santis spezielle Krankheit selbst kaum in den Handlungsverlauf eingebunden, nur ganz zu Beginn und während einer kurzen Szene gegen Ende.
Aufgrund dieser wird aber auch schnell klar, wie schwer er es hat, in der Durchschnittsgesellschaft Fuß zu fassen. Santi taucht ausschließlich ins Nachtleben ein und an seiner neuen Schule hält er sich stets im Hintergrund, kauert lesend an einem Baum und kapselt sich weitgehend ab. Als Santi doch mit zwei Jungs in den Wald geht, um Spuren einer angeblichen Bestie nachzugehen, wird einer der Einheimischen ermordet, - fortan steht Santi umso stärker im aggressiven Fokus der Dörfler.

Tatsächlich fällt der Verdacht ganz zu Beginn auf Santi, zumal seine auffallend langen Eckzähne ein, zweimal erwähnt werden. Doch genauso schnell wird wiederum klar, dass da noch etwas anderes im Geäst lauern muss, spätestens als Santi während des zweiten Mordes an ganz anderer Stelle ist, zumindest soll der Zuschauer das denken.
So huscht immer mal wieder etwas durch die Sträucher, die Vorbesitzer des neuen Wohnsitzes spielen eine zunehmend bedeutende Rolle und zwischenzeitlich ist unsere Hauptfigur aufgrund mehrerer Faktoren im eigenen Haus nicht mehr sicher und verkriecht sich während einer recht intensiven Sequenz unter der Decke auf dem Sofa.

Auf handwerklicher Ebene ist alles recht gut aufeinander abgestimmt. Ein paar schöne Spielchen mit Sonne und Schatten finden sich ebenso wie ein paar nette Inserts spanischer Landschaften, gerne auch mit Zeitraffer ziehender Wolken. Die Sounduntermalung hält sich angenehm zurück und die Darsteller agieren mindestens passabel.
Inhaltlich drängt sich im Verlauf jedoch immer stärker die Frage in den Vordergrund, was denn da im Wald umgeht.

Und da begeht man den Fehler, Offensichtliches zu früh zu enthüllen und eben daraus eine Geschichte zu spinnen, die letztlich zwar mehr Tempo aufkommen lässt und auch kleinere Twists offenbart, gleichzeitig aber ein paar hanebüchene Fakten mit sich bringt (Kloster-Orden, angebliche Afrika-Reise) und verschiedene Unwahrscheinlichkeiten bietet.
Den Sympathiebonus verspielt er sich dadurch allerdings auch nicht, die Figuren bleiben agil und man ist dankbar, dass Nebenhandlungsstränge wie kleine Annäherungen oder Familien-Zwist nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt werden.
Nur, mit der zunächst dichten Atmosphäre ist es gegen Showdown ein wenig dahin.

Am Ende spielt das Anderssein nicht nur zwischen den Zeilen eine bedeutende Rolle. Nicht, wie viel Blut fließt (kommt durchaus vor) und auch nicht, wie verzweifelt man sich gegen den Mob zur Wehr setzen muss, sondern wie viele Parallelen in zwei Geschichten zu entdecken sind.
Spannungsbedingt sicherlich nicht die beste Alternative, doch trotz eher konventionellem Verlauf irgendwie erfrischend anders.
7 von 10

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