Paul Walker spielt einen Familienvater, der soeben seine Bewährungszeit ohne weitere Vergehen hinter sich gebracht hat, nun aber unerwartet seinen Job verliert und daher zusammen mit seinem Bruder einen Einbruch durchführt. Der Überfall hat einen tödlichen Ausgang und endet mit dem Todesurteil für den Ehemann und Vater einer kleinen Tochter, der nach der Vollstreckung in einer psychiatrischen Klinik erwacht, die er aber nicht einmal verlassen darf, um seine Familie wieder zu sehen, weil ihm irgendjemand eine zweite Chance verschafft hat.
Das Erstlingswerk von John Glenn beginnt eigentlich sehr viel versprechend. Die Hauptfigur wird solide konstruiert, seine Ausgangssituation wird dramaturgisch gut, aber durchaus schnell dargestellt und nach der Hinrichtung ist durchaus die Neugier des Zuschauers geweckt, wie es wohl mit dem sympathischen Familienvater, der sich einen zweiten Fehltritt geleistet hat, weitergehen wird. Die Fragen danach, wo er nun ist, warum er noch lebt, wer ihm diese zweite Chance gegeben hat und wo eigentlich der Sinn hinter all dem steckt, werden aufgeworfen und wären die perfekte Vorlage für einen wirklich grandiosen Mystery-Thriller gewesen, aber der gelingt Glenn leider dennoch nicht.
Und das, obwohl er eigentlich auch in weiteren Belangen gute Vorraussetzungen hatte. So hatte er mit Paul Walker einen namenhaften Hauptdarsteller, der unter Anderem aus "The Fast and the Furious" und "Running Scared" bekannt ist und die Chance hatte, sich in dieser kleineren Produktion als Charakterdarsteller zu beweisen, die er durchaus zu nutzen weiß. So ist der sympathische Charismatiker sehr gut besetzt und überzeugt mit seinem zurückhaltenden, aber sehr überzeugenden Spiel, mit dem er als alleiniger Hauptdarsteller durchaus dazu in der Lage ist, den Film phasenweise zu tragen, auch wenn die restlichen Darsteller ebenfalls keine Mängel aufweisen.
Das Potential wird im Wesentlichen wegen der unausgewogenen Story verspielt, die sich nicht einmal so recht für ein Genre entscheiden kann. So sind durchaus Elemente eines Mystery-Thrillers vorhanden, so bleiben viele Fragen bis zum Ende offen und das Geschehen bleibt zu jedem Zeitpunkt auf einer rätselhaften, unergründlichen Ebene, hinzu kommt noch der Ort des Geschehens, die merkwürdige Psychiatrie und weitere Elemente, wie z.B. die Symbole, die an verschiedenen Stellen auftauchen. Für einen Mystery-Thriller ist der Verlauf aber nicht spannend, nicht beklemmend genug, an der Verwendung von Schock-Effekten oder weiteren Verstrickungen wird gespart, wobei all dies noch zu verzeihen gewesen wäre, wenn das Ende und die Auflösung nicht so maßlos enttäuschen und leicht überkonstruiert wirken würden und das anschließende Happy End, das den Film recht abrupt enden lässt, will auch nicht so recht in den sonst eher düsteren und tristen Film passen. Für einen Mystery-Thriller ist "Das Lazarus Projekt" nicht unheimlich genug und auch nicht geschickt genug konstruiert.
Darüber hinaus hat "Das Lazarus Projekt" Züge eines Psycho-Dramas, aber für einen solchen Genre-Vertreter ist der Film einfach zu flach. Die Charakterkonstruktion ist zwar solide, aber nicht überragend und die mysteriösen Symbole wirken in diesem Zusammenhang praktisch wie Fremdkörper in Glenns Werk, das versucht, zweigleisig zu fahren und daher an seiner unausgewogenen Story, deren Ende, auch unter dem Aspekt, dass es sich um ein Charakter-Drama handeln könnte, bitter enttäuscht, scheitert.
Unterhaltsam ist "Das Lazarus Projekt" dennoch über weite Strecken, so ist die Atmosphäre vor allem wegen der Schauplätze, der Psychiatrie und den tiefen, dunklen, oftmals bei Nacht fotografierten Wäldern und den zahlreichen Passagen der unheimlich wirkenden, betretenen Stille meist sehr dicht. Die enorm einseitige und unauffällige Filmmusik unterlegt den atmosphärisch dichten Film dabei durchaus passend, da Glenn das Tempo aber zu keinem Zeitpunkt wirklich beschleunigt, kommt dennoch nur phasenweise mal Spannung auf und so bleibt das Endprodukt leider im Mittelmaß und damit unter seinen Möglichkeiten.
Fazit:
"Das Lazarus Projekt" scheitert im Endeffekt daran, dass es sich nicht so recht zwischen Charakter-Drama und Mystery-Thriller entscheiden kann und nach einem starken Start bis hin zum enttäuschenden Ende immer unausgewogener wirkt und aufgrund des andauernden, langsamen Erzähltempos auch nicht so recht an Fahrt gewinnen will. Die meist dichte Atmosphäre, der starke Walker und der gelungene Anfang werden so leider verschenkt.
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