Anfang der Siebziger wurde der Heimatfilm, ob nun der aus deutscher, aus österreichischer oder in der Gemischt-Produktion ähnlich wie zuvor schon in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts vom Wahn der gelinden Variation über die erneute Literaturverfilmung bis hin zum Remake verfallen. So standen gleich mehrere Ganghofer - Adaptionen ebenso an wie auch die altbekannte Mär vom Im weißen Rössl am Wolfgangsee, die nicht nur bereits wie der Ort und seine Lokalität selber sowieso mit zum Sinnbildnis des Genres gehörte, als auch zu den narrativen Grundzügen und der Einfalt der Topoi. Die Konstante, die hier zusätzlich herrscht wird durch Regisseur Franz Antel, einem Veteran und Routinier der Gattung vorgegeben, der die spezielle Geschichte, die so speziell gar nicht ist, hier bereits zum Dritten Mal erzählt. Eine Absurdität aus Altherrenwitzen, aus einem "Ich komm' zurück nach Amarillo" Auftritt von Roberto Blanco und kitsch as kitsch can:
Die BWL - Studentin Eva Lenz [ blonder Lichtblick: Heidi Hansen ] erbt kurz vor ihrem drohenden Rausschmiss aus dem Nebenjob einer Bühnentänzerin unerwartet das "Palasthotel" am Wolfgangsee, zu dessen Antritt sie prompt mit der besten Freundin und bisherigen Sekretärin Maxi [ Jutta Speidel ] aufbricht. Vor Ort angekommen muss sie enttäuscht feststellen, dass das vermeintliche Schätzchen eine heruntergewirtschaftete Bruchbude und nur noch der Hoteldiener Zacherl [ Paul Löwinger ] samt Pferd anwesend ist. Nach einer Nacht des Ausschlafens überlegen die Drei, das Anwesen wieder herzurichten, wobei ihnen eifrig die Mädelstruppe um Putzi [ Catharina Conti ], allesamt junge Frauen auf Urlaub, sowie mit dem Kochazubi Leopold [ Hansi Kraus ] und Schlagersänger Jürgen [ Michael Schanze ] samt Band auch gleich zwei Angestellte von der Konkurrenz, dem florierenden 'Weißen Rössl' und dies natürlich insgeheim am Aushelfen sind. Inkognito dem nunmehr 'Schwarzen Rössl' betitelten Gebäude unter die Arme hilft auch fleißig Martin [ Ernst Schütz ], der nicht nur reicher Arzt, in Eva verliebt, sondern auch der Bruder der Wirtin vom 'Weißen Rössl' [ Waltraut Haas ] ist.
Willkommen also an einem vielmals ab-, man könnte auch meinen leer- und totgefilmten Ort, der seine Seele nur deswegen nicht komplett dem Tourismus aufgegeben und verloren hat, weil die Umgebung und gerade der Ausblick nun tatsächlich wie für die Postkartenromantik geschaffen sind. Der Wunsch nach Urlaub und Ferien in einer vor Schönheit schon überaus künstlichen, ja fast wie virtuell und extrem nachgeholfenen, bearbeiteten 'Realität' steht hier an erster Stelle der Erfüllung und auch an zweiter noch zugleich. Die beiden Gewerbe, das real existierende 'Weißes Rössl' sowieso als Volksgut und Symbol für gleichbleibendes, wie in der Zeit festgefrorenes Romantikidyll, das sich selber nicht verändert, selbst wenn sich die Welt darum weiter und bis an den Abgrund dreht. Eine Schutz- und Trutzburg der Nation, am ewig blauen Wolfgangsee, im stetig konventionellen Salzkummergut; so sieht es der Zuschauer und so mag es auch die Stammgastschaft sehen.
Entsprechend dessen, entsprechend der Nostalgiegefühle und entsprechend der eher biederen Emotionalität, in der Vergangenes allein schon die Sehnsucht erweckt, inszeniert Antel sein Werk hier nicht viel anders als zuvor im Geschehen. Nicht bloß die Handlung, auch viele der Bilder, der Worte, der Gefühle kennt man aus Eva erbt das Paradies - Abenteuer im Salzkammergut [ 1951 ] und zusätzlich gar noch die Schauspieler in gleichen Rollen aus Im schwarzen Rößl (am Wolfgangsee) [ 1961 ], so dass das erneute Update, wenn man es denn so nennen mag, eigentlich gar nicht nötig und eigentlich so richtig auch keines, sondern bloß die simple, langweilige, fast parodienhafte Wiederholung ist.
Natürlich haben die Schauspieler in den tragenden Rollen, also denen des Liebespaares und ihrer weiteren Genossen hin gewechselt, wobei bei den hier besetzten Leuten wie Jutta Speidel, Michael Schanze in seinem Debüt, dem Tenor Ernst Schütz so richtig von Fortschritt in dieser Hinsicht die Rede nicht ist. Auch gleichbleibendes wie anstrengend lauter Klamauk der allseits bekannten Komödianten und Volksschauspieler Franz Muxeneder, Hans Terofal, Paul Löwinger in den 'Trottelrollen' bürgt nicht wirklich für Sinn und Geschmack und besonderes Geschick. Überhaupt sind die Töne hier zuweilen grotesk miss-, die Bilder krachledernd bunt, das 'Schwarze Rössl' ein großes grelles Puppenhaus, aus Papier und Klebstoff und schlechtem Geschmack zusammengehalten und die auch versuchte Modernisierung, die so gar nicht zu dem großen biederen Rest aus Opas Kino passen mag, doch ein wenig schräg bis wehtuend schief. Auffällig ist zusätzlich die bemühte frivole Komponente, die Anpassung an den Zeitgeschmack, in der die Liebe durch die Hintertür gefragt und Frau Wirtin bläst auch gern Trompete (beide 1969) an der Reihe war, und so zeigefreudigere Tatsachen, offenherzige Worte und Zweideutigkeiten bis zum Blödsinn an der Reihe war.
Vorhang auf für viel nacktes Bein und Auftritt im Badeanzug bis zum Dirndl und das Präsentieren von Körperlichen Vorzügen und Vorzugsrecht. Dazu Schenkelklopfer der Marke "Diese schönen runden Äpfelchen" und "Fantastisch, diese runden Hügel.", die das spätere "Ein Mädchen von Heute muss sehen, dass sie ihr Essen bezahlen kann. Da hat sie natürlich keine Zeit, es auch noch zu kochen.", den feministischen Fortschritt prompt ad absurdum führt. Krönung in der Hinsicht sind die überaus plumpen und gleichzeitig aufdringlichen Anmachversuche vom 'Galan' mit Doktortitel, die schon an Belästigung schlechthin bis zur Erpressung grenzen und weder der Frau noch der Liebesgeschichte nicht einen Hauch zum Atem geben.