*** SPOILERWARNUNG ***
Nach dem Erfolg von „Jurassic Park“ war die Fortsetzung quasi unvermeidlich. Wieder übernahm Steven Spielberg die Regie und verfrachtet Dr. Ian Malcolm auf die Isla Sorna, auf der sich nicht nur dessen Freundin Dr. Harding herumtreibt, sondern die auch von zahlreichen Dinosaurierarten bewohnt wird. Für diese hat eine weitere Gruppe Ankömmlinge aber ganz eigene Pläne.
Jeff Goldblum, der schon im Erstling als Dr. Malcolm im Einsatz war, steht hier mehr im Fokus. Allerdings umgab man ihn mit so vielen anderen Figuren, dass er letztlich einfach Teil eines Ensembles ist. Auch die Rolle des Bedenkenträgers verkörpert er nicht mehr so wahrnehmbar wie im Vorgänger. Neu dabei sind unter anderem Julianne Moore als die Biologin Dr. Harding und Pete Postlethwaite als Mitglied einer ganzen Meute von Großwildjägern. Vince Vaughn wirkt als Fotograf und radikaler Tierschützer in dem ganzen Szenario etwas verloren, für Richard Attenborough war immerhin ein kurzer Auftritt am Anfang und Ende drin. Und natürlich wird wieder ein Teil der Familie mitgeschleppt, dieses Mal in Form von Malcolms Tochter Kelly. Musste wohl.
Diese Fortsetzung bietet von allem mehr. Mehr Action, mehr Tempo, mehr Dinos. Und trotzdem macht er weniger Spaß als der das Franchise begründende Erstling. Das liegt zum einen daran, dass sich das Skript hier, diesmal nur von David Koepp verfasst, keine Zeit für's Ankommen nimmt. Zwar ist es nachvollziehbar, dass man nicht den Vorgänger kopieren und schnell auf die Insel zu den Viechern kommen wollte. Aber ich vermisse einfach den atmosphärischen Aufbau. Eine gewisse Redundanz kann man dem Film ebenfalls nicht absprechen. Die kleinen Tierchen der Anfangssequenz werden später nochmal eingesetzt. In einer viel zu langen Sequenz mit einer Figur, die egal ist. Oder wer sorgt sich denn ernsthaft um Dieter?
Weiterhin kann man hier einigen dümmlichen Aktionen der Figuren beiwohnen, die die Situation nicht gerade verbessern. Reagierten die Charaktere im ersten Teil oft auf Dinge, die außerhalb ihrer Kontrolle lagen, sorgen sie hier teils selbst dafür, dass sie Stress bekommen. Oder das Skript generiert ihn künstlich. Kaum auf dem Hochstand, muss man wieder runter, weil man den kleinen T-Rex gekidnappt hat. Ob das Mami und Papi auf den Plan ruft? Das mit Dinoblut beschmierte Hemd hängt man sich natürlich ins Zelt, nachdem man vorher noch einen Vortrag über das überragende Witterungsvermögen der Tiere gehalten hat. Wohin flüchtet Dr. Harding vor dem Stegosaurus? Natürlich in Richtung der anderen beiden, die da in der Pampa stehen. Und wer ruft „Geht nicht in das hohe Gras“? Der, der ins hohe Gras geht. So zieht sich das durch den Film.
Der letzte Akt erinnert an „King Kong“, der ebenfalls zu Präsentationszwecken in die Zivilisation geschippert wurde. Auch der Name des Schiffs („Venture“) spielt darauf an. Und wie der Affe randaliert auch der T-Rex in der Stadt, was eine durchaus nette Idee ist. Aber so chic die Sequenz mit dem ankommenden Schiff auch ist, kann man sich fragen, wie der T-Rex sogar die Brückencrew meucheln konnte. Immerhin gibt es als Entschädigung ein schönes Plakat in der Videothek, welches Schwarzenegger in der Rolle von Shakespeares König Lear zeigt.
In technischer Hinsicht ist alles weitestgehend im grünen Bereich. Wobei hier andersrum als zuvor mehr auf CGI als auf Animatronics gesetzt wurde. Wie im Vorgänger sieht der T-Rex bei Nacht am besten aus, dafür gibt es aber auch mehr in der Masse zu sehen, sodass für's Auge schon was dabei ist. Für die Ohren gilt das ebenso, denn wieder steuerte John Williams den Score bei.
„The Lost World“ versucht ja, etwas Neues zu bieten. Und das schafft er auch, aber er bietet eben auch bescheuert handelnde Figuren, mit denen man obendrein nicht mitfiebert. Eine nette Reverenz an King Kong, viel T-Rex und Dino-Insel reicht eben nicht, wenn das Ganze so spannungsarm daherkommt. Ihm geht das Gefühl für Atmosphäre und einen steten Aufbau ab. Dazu ist die Darstellerriege bei weitem nicht so einnehmend, Frau Dern und Herr Neill haben da mehr gerissen.
Viel hilft viel? Man sollte etwas nicht nur deswegen machen, weil man es kann. So hieß es schon im Vorgänger.