Review

„Vergessene Welt – Jurassic Park“ funktioniert nach dem größer-schneller-lauter-Prinzip – und fällt trotzdem dem Vorgänger gegenüber ab.
Dabei funktioniert der Opener durchaus: Eine Familie ankert mit ihrer Yacht an der Insel Isla Nublar. Als die Tochter sich entfernt, wird sie von einer Truppe kleiner Dinosaurier verletzt. Das reicht zwar nicht an den spannungsgeladenen Beginn des ersten Teils heran, aber etabliert die Insel, auf der Anlage B liegt, durchaus. Allerdings wirkt die Erklärung, dass es noch eine weitere Dinoinsel gab, etwas fadenscheinig und man merkt, dass man nicht lange nach vernünftigen Wegen gesucht hat, um zusätzliche Saurier aus dem Ärmel zu zaubern.
Ebenso überrascht ist Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) als er zu John Hammond (Richard Attenborough) beordert wird, der ihm von der zweiten Insel erzählt. Er will sie erforschen lassen. Ian lehnt erst ab, doch dann erfährt er, dass seine Freundin, die Paläontologin Sarah Harding (Julianne Moore), bereits dort ist. Er reist ihr zusammen mit dem Fotographen Nick Van Owen (Vince Vaughn) und dem Ausrüstungsspezialisten Eddie Carr (Richard Schiff) nach. Immerhin hat Spielberg nach einer vernünftigen Begründung gesucht, um wieder eine Hauptfigur des Vorgängers auf die Insel zu bekommen (was der dritte Teil ja vollkommen vermasselte).

Das Team findet Sarah schnell und unverletzt, doch dann beginnen die Probleme: Hammond ist als Konzernchef von Ingen entmachtet worden und sein Nachfolger will die Dinos von der Insel holen, um sie kommerziell zu nutzen. Eine Horde von Jägern landet zum Einsammeln der Tiere und Ians flehentliche Beschwörung die Saurier in Ruhe zu lassen bleiben natürlich ungehört…
Spielberg versucht bei der Fortsetzung aufzudrehen: Mehr Saurier, mehr Action, mehr Tote, mehr Spektakel. Leider heißt das weniger Handlung, weniger Glaubwürdigkeit und weniger Spannung. Denn die Geschichte vernachlässigt den Spannungsbogen und reiht Dinoattacken aneinander, im Gegensatz zum dritten Teil aber noch halbwegs motiviert und relativ nachvollziehbar. Doch die meisten Spannungshöhepunkte sind sehr gekünstelt gemacht, z.B. die Wohnwagenszene: Da hängt der Wagen erst seelenruhig über der Klippe und rutscht nur in den dramaturgisch passenden Momenten. Damit auch der Schleichwerbung Genüge getan wird, zieht der Mercedes Geländewagen den schwereren Wohnwagen aber dann zurück, ehe ein unvorgesehenes Ereignis die Rettungsaktion wieder erschwert. Durch diese künstlich herbeigeführte Spannung leidet die Glaubwürdigkeit doch empfindlich.

Dabei kann der Film durchaus einige Qualitäten des Vorgängers wieder aufgreifen. Vor allem Malcolms Sprüche sind mal wieder herrlich zynisch und trocken, was das unglaubwürdige Geschehen auch immer wieder auflockert. Weniger gelungen, dass man ihm eine Tochter angedichtet hat (die Quotenschwarze in dem Film), die aber ziemlich nervt (vor allem die Szene mit dem Raptor wegkicken ist echt dämlich) – und das nicht unbedingt gewollt wie bei den Blagen im Vorgänger. Die Figur des Nick Van Owen bringt dafür auch noch ein paar lockere Sprüche in den Film, während die Beziehung zwischen Sarah und Ian kaum spürbar wird, aber immerhin für ein paar nette Wortgefechte reicht.
Kritische Auseinandersetzungen mit den Themen Klonen, Kommerz usw. vermisst man, obwohl diese Ader im Vorgänger ja immerhin etwas behandelt wurde. Stattdessen bekommt man hier ab und zu den moralischen Zeigefinger geboten (vor allem die poetische Gerechtigkeit gegen Ende ist doch arg plakativ), aber sehr oberflächlich.

An der Dinoaction kann man sich freuen, auch wenn die Interaktion von Darstellern und Spezialeffekten nicht immer komplett gelungen ist. Dieses Mal wollte Spielberg gucken, was man mit den Sauriern so alles machen kann und dementsprechend waghalsige Szenen gibt es zu bewundern. Die meisten Actionszenen sind gelungen (vor allem die Rapotorattacken im hohen Gras oder im Gebäudekomplex) und zahlen auch massiver als im Vorgänger aus. Der Showdown bringt sogar einen T-Rex nach San Diego, was in nette Zerstörungsszenen ausartet (die Glaubwürdigkeit lassen wir mal außen vor: Ein Schiff kommt trotz verfrühstückter Mannschaft genau am Ziel an usw.) Nur das Finale im Hafen kommt etwas zu unspannend daher, um einen würdigen Abschluss zu bilden.
Jeff Goldblum liefert die mit Abstand beste Leistung ab, aber auch Vince Vaughn und Pete Postlethwaite schlagen sich tapfer. Julianne Moore sieht da deutlich blasser aus und Richard Attenborough wird auf Gastauftritte reduziert. Die Nebendarsteller agieren auf ordentlichem Popcornniveau, aber wirklich schlechte Darsteller sind bei Spielberg eh ziemlich selten.

So bleibt ein halbwegs unterhaltsames Stück Dinoaction, doch trotz spektakulärerer Actionszenen bleibt aufgrund der dünnen Handlung und des mäßigen Spannungsbogen bloß gehobener Durchschnitt.

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