Ganze 4 Jahre hat Regisseur Steven Spielberg („Jaws“, „Duell“) gebraucht, um seine Dinosaurier zu neuem Leben zu erwecken. Kommerzfortsetzung schreit einem die Werbung schon penetrant entgegen, denn schon Teil 1 war eine der geschicktesten Geldmaschinen der Filmgeschichte. Da verwundert es kaum noch, dass Spielberg nur noch genau das präsentiert, was der Zuschauer des ersten Teils am ehesten in Erinnerung behielt: Die Flucht vor den Riesenechsen.
Der Hype war eigentlich schon vorbei und trotzdem räumte „The Lost World: Jurassic Park“ mit einem Behelfsplot 1997 noch mal gewaltig an den Kinokassen ab. Da ein Teil des Casts keine Lust zu einem erneuten Gastspiel in Spielbergs Dinostreifen hatte, stützt sich die erste Fortsetzung fast komplett auf den nicht sonderlich motivierten Ian Malcolm (Jeff Goldblum, „The Fly"). Nachdem er versucht hat die Ereignisse des ersten Teils der Welt mitzuteilen, wurde ihm seitens Hammonds Konzern die Karriere ruiniert und jetzt fordert genau dieser ihn auf die B-Anlage (wie einfallsreich) zu erkunden und dort mit Hilfe eines kleines Spezialistenteams eine Dokumentation zu filmen. Zunächst wenig angetan, willigt er ein, als er erfährt, dass seine Freundin Sarah Harding (Julianne Moore, „Hannibal“, „Boogie Nights“) schon vor Ort ist und die Insel erkundet.
Spielberg hält sich gar nicht erst mit dem Vorstellen der neuen Charaktere oder einer Einleitung auf und hetzt so schnell wie möglich zur Insel. Da die illustre Truppe von Exzentrikern kaum genug Opferfleisch für T-Rex und Co hergibt, muss Hammonds Neffe, als neuer Chef des Konzerns, der das finanzielle Potential der Dinoinsel sieht, mit einer groß angelegten Safari beginnen, um die Urzeitviecher einzufangen. Klar, läuft nicht alles wie geplant und schon schreien wieder alle auf der Flucht vor T-Rex, Raptor und was noch so hungrig durch das Gebüsch streunt.
Es ist schlicht und einfach einfallslos, was Spielberg in Folge abliefert. Alle in Erscheinung tretenden Unsympathen werden, natürlich außerhalb der Kamera, von verschiedenen Dinos gefrühstückt – der Rest rennt davon. Das hat man zwar alles schon mal im Vorgänger gesehen, aber hier ist alles nochmal etwas pompöser und spektakulärer aufbereitet. Nur leider ist dabei nie Neues zu sehen. Der Tyrannosaurus Rex ist mal wieder für die größeren Zerstörungsorgien und großen Happen zuständig, während die Raptoren sich hier völlig unter Wert verkaufen und viel dämlicher als im Vorgänger anstellen. Neue interessante Spezies gibt es kaum zu bewundern. Zwar schafft es Spielberg zwischendurch immer mal etwas die Adrenalinproduktion anzutreiben, nervt dabei leider allerdings immer wieder mit ganz auf Publikumslacher ausgelegter Situationskomik.
Die Schauspieler haben derweil wenig zu tun. Große Augen machen, schreien und davon rennen, sind die Hauptaufgaben. Goldblum resigniert in diesem Irrsinn und platziert ein bisschen Zynismus, während Moore und Co gnadenlos unterfordert sind. Das Beziehungsgeplänkel und Malcolms Tochter nerven derweil jedenfalls gewaltig. Einzig und allein der charismatische Großwildjäger Pete Postlethwaite kann hier in einigen Szenen punkten.
Zum krönenden Abschluss darf ein dicker Dino dann noch San Diego besuchen, nachdem er in einer völlig unlogischen Seefahrt auch noch direkt am Hafen ankommt. Das wirkt zwar wie ein Anhang, hätte aber Potential für einen dritten Teil geboten. Doch anstatt die sich anbahnende Katastrophe offen zu lassen, muss das Tier dann noch durch ein paar fast schon selbstparodistisch wirkende Szenen rennen, um dann sein wohlverdientes Happy-End zu bekommen.
„The Lost World: Jurassic Park“ ist straighter und actionlastiger als sein Vorgänger. Er hat mehr Effekte, mehr Tote zu bieten und auch wesentlich mehr Dinosaurier. Das macht ihn aber nicht besser, da in diesem hanebüchenen Plot die Klischeecharaktere gemäß Drehbuch ihren Schicksalen folgen und das kennt der Zuschauer schon bei ihrem ersten Auftritt. Steven Spielberg muss sich hier den Vorwurf der Einfallslosigkeit gefallen und als Abzocker abstempeln lassen, denn was er hier abliefert ist nicht mehr als ein reines Kommerzprodukt – nur auf viel Schotter ausgelegt.
Fazit:
Lächerliche, unglaubwürdige, klischeehafte Fortsetzung des Dino-Hits mit viel Action und nur ganz wenig Hirn. Der Alibiplot reicht kaum um ein paar Seiten zu füllen und so sieht man eine groß angelegte Flucht von einer Insel, die von zu gefräßigen Dinosauriern bevölkert wird. Den Effekten und der Eintönigkeit des Szenarios fallen Spannungsbogen wie Schauspieler zum Opfer.