Review

"Harold and Kumar" gehört zu den erträglichen Vertretern der Gross-Out-Teenie-Kifferkomödien, die nach "American Pie" die Kinolandschaft vermüllten. Vor allem weil sich der Film seiner eigenen Trivialität bewusst ist und sich daran nicht im geringsten stört, geriet die Umsetzung so unverkrampft und leicht bekömmlich. Eine Fortsetzung der Burger-Odyssee wurde beim Filmende zwar indirekt angekündigt, dennoch hat es vier Jahre gebraucht für die Realisierung des Projektes. Der geplante Trip nach Amsterdam endet schon im Flugzeug und wird zur alptraumhaften Reise nach Guantanamo Bay, wie schon der Titel ankündigt. Die Flucht gelingt schnell und wieder zurück in Amerika, müssen sich die beiden Chaoten vor ihren Fandern unter der Führung des fanatisch-patriotischen Ron Fox (Rob Corddry) verstecken und geraten, wie schon im Vorgänger, sehr episodenhaft in einen haarsträubenden Schlamassel nach dem anderen. Dabei verschlägt es die beiden Freunde unter anderem in das Haus eines vermeintlichen Rednecks samt knackiger Ehefrau- auf ein Treffen des Ku-Klux-Klan und gemeinsam mit Film-Star Neil Patrick Harris in ein abgelegenes Bordell.

Wird der Film noch eingeleitet von einem banalen Furz-Witz, so stellt sich schnell heraus, das man sich gegenüber dem ersten Teil enorm steigern konnte. Natürlich verlässt man sich wieder auf betont oberflächlichen Humor, ganz entscheidend ist aber die neu hinzu gekommene politische Komponente. Würde es sich hier um den ein oder anderen Seitenhieb gegen die US-Politik handeln, so wäre das kaum erwähnenswert, da ohnehin im Rundumschlag alle nur erdenklichen Sticheleien ausgeteilt werden. Allerdings bezieht sich die gesamte Rahmenhandlung und auch ein Löwenanteil des Humors auf den Irrwitz der Bush-Regierung, mitsamt ihrem fragwürdigen Feldzug gegen den Terror und den daraus resultierenden Verhör- und Haftbedingungen, die bekanntlich auf jede Humanität spucken. So zumindest präsentiert in "Harold and Kumar escape from Guantanamo Bay". Ist man versucht zu glauben, der Film lockere seinen pessimistischen Blick auf die Außenpolitik, so sieht man sich konfrontiert mit einem Füllhorn an Bösartigkeiten, die so häufig in den Vordergrund treten, dass selbst dem skeptischen Zuschauer bald klar wird: Zumindest im Ansatz meinen es die Macher hier ernst, jenseits ihrer satirischen Überhöhung ist immer ein klares politisches Statement zu erkennen. Peinlich genau arbeitet das Drehbuch wunderbar Widersprüchlichkeiten der Regierung und ihre lapidare Rechtfertigungen heraus und kann so als überzeugende Verzerrung einer fehlgeleiteten Nation verstanden werden.

Dieses zeichnet die Regierung der Vereinigten Staaten größtenteils als inkompetent, willkürlich und nervös. Perfekt verkörpert wird dieser Wahnsinn durch die Verbissenheit, mit der Rob Corddry seine Figur interpretiert und deren missionarischen Selbstverständnis, mit dem sie ihre Arbeit ausübt. Verblendet bis zur völligen Ausblendung der Realität, verfolgt seine Figur einen unsinnigen kleinkrieg, dem angesichts der komplexen Ziele, die er sich selbst auf die Fahnen schreibt, unglaublich nichtig erscheint und keinerlei Bedeutung hat. Letztendlich landen Harold und Kumar sogar bei Präsident Bush, der sich gerne mal zurückzieht vom Trubel seines Jobs und sich feinstes Gras raucht während er leichtfertig Witze macht über die unmenschlichen Umstände in "G-Bay". Der tagtägliche sexuelle Missbrauch der Insassen ist für das Staatsoberhaupt nicht mehr als ein Schenkelklopfer. Bush wird portraitiert als infantiler, unfähiger Staatsmann, der seinen Job als Spiel auffasst und kaum ernst genommen werden kann. Ein Wiedersehen gibt es mit Neil Patrick Harris, der im ersten Teil eine wunderbar selbstironische Vorstellung gab und sowohl seine Karriere als Kinderstar als auch seinen anschließenden Absturz ungeschönt verballhornte. In die gleiche Kerbe schlägt auch diesmal die Episode um Harris, der hier unter dem Einfluss von psychedelischen Pilzen auftritt und augenzwinkernd zum Übermenschen stilisiert wird. Spätestens der Schlussgag um seine Person, der erst nach dem Abspann zu sehen ist, bestätigt diese Annahme und lässt auf einen dritten Teil, ebenfalls wieder mit NPH-Cameo, hoffen.

Auch wenn "Harold and Kumar escape from Guantanamo Bay" unbestreitbar mit Gross-Out-Humor um sich schmeißt und sich selbst für geschmacklose Albernheiten nicht zu schade ist, kommt man also kaum umhin, sich zu amüsieren über die skurrilen Abenteuer zweier Slacker-typen, die viel lieber abhängen und sich einen durchziehen würden als beispielsweise den Fängen des KKK zu entgehen. Erzählt als etappenreiches Road-Movie-Abenteuer stellt sich nie die Frage nach der inneren Logik da sich der Film in dieser Hinsicht jeglichen Realismus ausblendet. Kaum sind Harold und Kumar eine Schwierigkeit durchlaufen, so werden sie vor die nächste gestellt. Sind die beiden in eine Sackgasse geraten, öffnet sich sogleich wieder ein neuer Weg und scheint die Situation noch so ausweglos - sie haben einfach Schwein und kommen mit einem blauen Auge davon. Da man sich dessen bewusst ist und dieser Aspekt mehrfach ironisch betont wird spielt er keinerlei Rolle für die Bewertung des Gesamtwerkes.Wenn also die Hauptfiguren nach ihrer spielerisch durchgeführten Spontanflucht aus Guantanamo direkt auf ein Floß nach Florida stoßen, dann ist das genauso in Ordnung wie Tatsache, das sie gleich vor Ort einen reichen Bekannten haben, der ihnen weiterhelfen kann und etliche andere Anschlüsse dieser Art. Was sich zu einer konfusen Sketch-Revue entwickeln könnte, erweist sich aber auch nach genauerer Betrachtung als scharfzüngige Satire, deren Episoden sehr stimmig ineinander greifen und kein unnötiges Füllmatrial beinhalten.

Fazit: Gerade weil sich die Macher keinem seriösen Deckmantel unterwerfen müssen kann die hier überzogene Direktheit unglaublich pointiert wirken und unterhalb der Zoten entfesselt der Film eine Achterbahnfahrt durch etliche Milieus, bricht mit Klischees um andere zu bestätigen. In dieser durchaus kritischen Betrachtung einer selbstgerechten Regierung lacht man mal mit den Protagonisten und mal über sie während neben der Bush-Regierung auch sämtliche Randgruppen einstecken müssen. "Harold and Kumar escape from Guantanamo Bay" schert sich einen Dreck um Geschmacksgrenzen, kann mit überaus hohem Tempo punkten und bietet eine außerordentlich hohe Gag-Frequenz. Dafür gibt es wohl nur ein Wort - AWESOME!

7,5 / 10

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