Review

Ich möchte hier weder zu Schandtaten wider dem Urheberrecht noch zu Missachtung des Jugendschutzgesetz oder gar Vergehen gegen den gefürchteten "Splatterparagraphen" 131 aufrufen. Und dennoch muss ich gestehen, dass sich "Tanz der Teufel" am besten als von einem Freund bezogene Raubkopie auf dem elterlichen PC guckt. Nach Mitternacht, wenn der Vollmond ins Wohnzimmerfenster fällt und als Dreingabe die Schatten eines knorrigen alten Baumes an die Wand neben dem Schreibtisch wirft, schmeckte diese mehrfach verbotene Frucht am Besten und das sage ich trotz des unverschämten Glückes, den Film mittlerweile 2x im Kino gesehen zu haben.

Als ich von der Reihe und "The Evil Dead" erstmals hörte machte man gerade einen verzweifelten Reanimationsversuch auf der Playstation und Spielemagazine kamen nicht drum herum, die Filme zumindest indirekt zu erwähnen. Als der einzige mir damals zugängliche Ableger der Reihe 2002 dann im TV lief lachte ich mir gepflegt den Arsch ab und war sofort angefixt. Chronologisch konfus fielen mir erst Teil 2 und zuletzt dieser erste Teil hier in die Hände. Seitdem halte ich das alte und neue Franchise inklusive derms Serien-Spinoffs sehr hoch, wenn es um meine liebsten Horror-Reihen geht. Mittlerweile ganz legal und ohne den Thrill, etwas Verbotenes zu tun, aber auch in weit besserer Qualität.

Zwei quietschfidele Pärchen samt genervtem Solo-Anhang fahren gen Hinterland, um von der Naturidylle und Angelegenheit inspiriert ein Wochenende in Suff und Schackselei zu verbringen, Nichts ahnend, dass eine tollwütige Shakey cam im Walde haust, die das Böse repräsentiert, dass um die gemietete Blockhütte der Freunde schleicht.


Der rustikale Feuchttraum von Preppern und Serienkillern, den unsere Freunde bewohnen hat es in sich, genauer gesagt im Keller: Der Vormieter, offensichtlich ein Archäologe mit Okkultismustick, bunkerte dort mit dem berüchtigten Nekronomikon einen heiklen Fund, dessen Übersetzung die Blitzbirne direkt auf Tonband einlaberte. Dumm nur, dass unsere Studenten auf Sparflammenurlaub als anständige Intellektuelle ein gutes Buch Brettspiele und nicht vorhandenem Fernsehen vorziehen und beides zur Abendunterhaltung heranziehen. Die beschworenen Geister sind alles andere als amüsiert und wollen sich für den Weckruf nach einigen Jahrhunderten im Jenseits angemessen revanchieren und auch der umliegende Wald entwickelt ab jetzt ein unerfreuliches Eigenleben. Statt des kurzen Prozesses blüht der Gruppe nun aber eine lange Tortur, denn die Geister ziehen es vor, ihre Opfer vorher psychisch zu zermürben. 

Der Zuschauer stellt sich unterdessen die Frage, wie Herr Raimi damals mit einer handvoll Freunden und einem schmalen Budget den Teufel zum Tanzen bewegt haben mochte. Das abgeliefert Ergebnis ist für eine Kleinproduktion auch heute noch recht beeindruckend und man kann den "Deadites" genannten Filndämonen und den Akteuren nicht vorwerfen, mehr abgebissen zu haben, als sie kauen könnten. Der Film mit der schlichten Story arbeitet sich Stufe um Stufe die Eskalationsleiter hinauf und seine Figuren müssen mit einiger Angst und Zweifeln kämpfen, bevor sie immer weiter unter den Geschehnissen in der Hütte verrohen und zur Erkenntnis kommen, dass manchmal nur die handfeste Gegenwehr einer Axt hilft oder das Schrotgewehr zur Problemlösung herangezogen werden muss, wenn es allzu untot wird. Heute vielleicht ein studentischer B-Filmstreich, damals scheinbar eine handfeste Straftat, die zur Indexhaft in Zellenblock B führte.

Zu den starken Psychoelementen und dem schrittweise aufdrehendem Blutbahn gesellt sich dann noch der Aspekt einer belebten Umgebung, der nicht immer konsequent ausgespielt wird, aber zum Unbehagen beiträgt: nach dem Blättern im Totenbuch versagen morsche Brücken endgültig den Dienst, Bäume attackieren Menschen, Fluchtversuche enden an der Schwelle des Todes, weil die besessene Natur sich ihre Späße mit einigen wehrlosen Städtern gönnt. Besonders Bruce Campbell, der ab Teil 2 zum Gesicht der Reihe wurde, muss zu guter Letzt einiges an Psychoterror einstecken, der auch mal Züge der drei Stooges annimmt. Subtile Elemente wie der flüssige Wandspiegel sind dabei eine Seltenheit, wenn auch durchaus gerne gesehen. Teil 2 sollte dieses Element noch auf die slapstickmäßige Spitze treiben und den Übergang zur vollkommenen Comedy "Armee der Finsternis" bilden.

"Tanz der Teufel" hat sich seinen Ruf als moderner Horrorklassiker mit Unfug und Recht erarbeitet und sich hierzulande neben anderen Genrefilmen zu einem kleinen, aber nicht unwichtigen Politikum gemausert, als er 2016 endlich die versöhnliche Freigabe bekam, nachdem man insgesamt 32 Jahre lang behördlich auf die künstlerische Freiheit schiss. Neben einem Haufen ulkiger Gesetzeslücken und fadenscheinigen Begründungen der Zensoren wurde die Popularität des Filmes vor allem durch den Verbotsbeifall konservativer Spacken und die Tatsache gefördert, dass ein Haufen Neonazis den Film zufällig im Besitz hatte, als sie wie der Haufen Arschlöcher, der sie sind über einen unschuldigen Mitschüler hergefallen sind und diesen ermordet haben.

Das alles machte es über diese Zeit hinweg möglich, den Film zu verdammen und dessen blutige Schauwerte als Ursache des Übels anzuführen, während der im Geiste offene Filmfan darüber hinaus eine Menge inszenatorischer Qualitäten anzuführen wusste. Geschickte Importeure freuten sich ohnehin, da der Film zu einer jener warmen Semmeln gehörte, die nur das Horrorkino der 80er hervorbringen konnte. Selbst Stephen King, König des sozial akzeptablen Horrors, gab mit einer eigens verfassten Review sein Endorsement ab und sorgte für so manche durchgeschmorte Kopie und nicht enden wollende Kinoschlagen. Der Film ist also jedem zu empfehlen, der sich Horrorfan schimpft, aber bedingt auch Neueinsteigern, die wissen wollen, was den Genrefilmen alter Tage so großartig gemacht hat: die Kombination des Terrors alter Tage mit der Härte neuerer Gangart. 

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