In seiner Regisseurlaufbahn hat Albert Pyun so manchen Schrott abgeliefert. Neben dem Van Damme Vehikel „Cyborg“ ist „Nemesis“ ganz klar sein bester Film. Auch ein ordentliches Budget von ca. 10 Mio. $ hatte er hier zur Verfügung und man glaubt es kaum, aber er weiß wie er das hier am besten einsetzt. Zudem ist der Film mit B-Movie Held Olivier Gruner gut besetzt.
Im Jahre 2027 ist die Weltordnung in sich zusammen gebrochen und Cyborgs tummeln sich unter den Menschen. Darin macht der Cop Alex Rain (Olivier Gruner), der kaum selbst noch menschlich ist und Stück für Stück immer mehr durch kybernetische Implantate aufgerüstet wird, Jagd auf Terroristen. Dennoch will er seinen Job an den Nagel hängen und aussteigen. Doch von seinem Auftraggeber Farnsworth (Tim Thomerson) erhält er einen letzten Auftrag. Alex soll sich nach Shang Loo begeben und den Terroristen der Hammerheadorganisation einen Chip entwenden und ihnen dabei das Handwerk legen. Jedoch erfährt er das sein Auftraggeber ein falsches Spiel spielt und ihm eine tödliche Bombe in die Brust implantiert hat die binnen 3 Tagen explodiert. Zudem bekommt er die Info das alle Menschen durch Cyborgs ersetzt werden sollen. Somit beginnt Alex die Seiten zu wechseln und sich gegen seinen Auftraggeber zu stellen. Doch Farnsworth schickt sein Killerkommando um ihn ein für alle Mal zu eliminieren.
Damit wäre die Story schon erzählt und zwischendurch erlangt man als Zuschauer noch ein paar zusätzliche Infos. Allerdings erinnert der Plot teilweise an Cameron´s „Terminator“ und man bedient sich auch hier.
Zusätzlich hat sich Pyun noch einige Einfälle von „Aliens - Die Rückkehr“ stibitzt.
Denn auch hier werden Menschen von Cyborgs bedroht und sollen durch diese ersetzt werden. Doch allzu viel näher wird darauf nicht eingegangen, denn wodurch oder von wem solch eine Technologie entwickelt wurde, das man Menschen durch mechanische Transplantate ersetzen kann wird nicht erklärt. Auch wie es zu der kaputten Weltkonstellation kam wird nur während der ersten Minuten am Anfang des Films von der Frauen Stimme im Off erklärt.
Im Vordergrund der Geschichte steht Alex. Ein aufrechter Undercover Cop der Jagd auf Chipbetrüger und Terroristen jeglicher Art macht. Dabei geht er alles andere als zimperlich vor, wie die Anfangsszene an einem weiblichen Cyborg zeigt. Die Tatsache das er selbst durch Verletzungen die er während seinen Einsätzen davon trägt zunehmens seine menschliche Organe und Funktionen verliert und dadurch ständig ein Upgrade bekommt und immer mehr selbst zu einer Maschine mutiert ist gut ausgedacht. Auch das er trotzdem einen inneren Konflikt mit sich selbst führt, aber nichts dagegen tun kann das ihn seine Auftraggeber wieder für den nächsten Einsatz zusammen flicken ist amüsant anzusehen. Ständig hat Alex das Gefühl seine Menschlichkeit zu verlieren und zu einem gefühllosen Cyborg zu werden. Doch in den entscheidenden Situationen kommen seine menschliche Züge zum Vorschein und da wird ihm bewusst, dass er noch nicht völlig mechanisch ist. Am meisten fürchtet er jedoch seine Seele zu verlieren, da man schließlich jeden Teil des menschlichen Körpers durch kybernetische Implantate ersetzen kann.
Die Kulissen und die Atmosphäre der Zukunft ist ganz ordentlich eingefangen, auch wenn diesbezüglich nicht mehr erwarten sollte. Die Panoramabilder reichen von zerstörten Gebäuden und Ruinen, bis hin zu Wüstenlandschaften und exotischen Inseln.
Dabei kommt das Endzeitfeeling sehr gut rüber und hier zeigt sich Albert wohl neben den Actionszenen von seiner besten Seite.
Der Score ist gut gelungen, erinnert mich aber manchmal stark an Peter Jackson´s „Braindead“, denn der klingt ebenfalls ähnlich.
Herzstück des Films sind aber ganz eindeutig die Actionszenen. Und da liefert uns Albert zu Beginn eine langes und ausführliches Shootout mit ordentlichem Einsatz von Explosionen. Das sorgt schon mal für ordentlich gute Laune. Denn es kommen meist großkalibrige Waffen zum Einsatz und die Ballereien sind ziemlich spektakulär inszeniert worden.
Auch die Stunts sind Spitze und von allen Schauspielern wird hier richtiger Körpereinsatz abverlangt, weil sie von all möglichen Höhen von Gebäuden runter springen müssen. Sogar ein Turm stürzt vor den beiden davon fliehenden Protagonisten hinter ihnen ein, was sehr aufwendig inszeniert wurde. Die Kameraführung fängt das Geschehen prima ein.
Die Stop Motion Effekte sehen weniger gut aus und waren 93 einfach schon veraltet. Vor allem sehen die Effekte mal OK aus, ein anderes Mal wiederum einfach nur schlecht. Zum Glück kommen sie nicht ganz so häufig zum Einsatz, so dass das Filmvergnügen dadurch nicht getrübt wird.
Olivier Gruner liefert als Cop Alex Rain eine tolle Leistung ab, und auch wenn er hier meist immer ein und denselben Gesichtsausdruck parat hat, besitzt er mehr Ausstrahlung als einige andere seiner B-Movie Kollegen.
Er wirkt stets sympathisch und ist als Actionheld einfach Ideal. Vor allem seine akrobatischen und wilden Shootouts mit zwei Waffen gleichzeitig sind toll anzusehen.
Tim Thomerson spielt den Bösewicht Farnsworth und ist ganz brauchbar und seine Rolle passt auch gut zu ihm und als sein Handlanger ist Brion James auch solide.
Cary-Hiroyuki Tagawa ist als Anführer Angie der Hammerheads zu sehen und mimt hier mal nicht wie sonst üblich den Bösewicht.
Thomas Jane hat noch eine ganz kleine Minirolle, die aber nicht wirklich von Bedeutung ist.
Auch wenn Pyun sich hier ganz offensichtlich bei den großen Genre Klassikern bedient, kann man mit ihm deswegen nicht all zu sehr ins Gericht gehen. Denn die Story ist solide, die Actionszenen sind absolut beeindruckend und die Schauspieler sind für diese Art von Film einfach passend.
Somit ist „Nemesis“ der klar beste Pyun Streifen, der eine tolles Endzeitfeeling besitzt und einfach prima unterhält.