Puuh, einmal tief durchatmen, denn dies hier ist so ein Fall von fast maßlos überhöhten moralischen Ambitionen, die ihrer filmischen Realisierung nur unzureichend gerecht werden können. Oder, um es prosaischer zu formulieren: Gut gemeint ist immer noch daneben.
Dabei ist das Thema alle andere als leichte, wohlfeile Kost für einen kuscheligen DVD-Abend auf der Couch, sondern - allein aufgrund seiner tagtäglichen Aktualität - schwer bedenkenswert: nämlich Folter und was diese in der Psyche sowohl von Opfern wie von Tätern dauerhaft anzurichten vermag. Blackbird macht es sich und dem Betrachter nicht einmal leicht, indem es die Trennlinie von Gut und Böse eben nicht messerscharf zieht, sondern Ambivalenzen ganz eigener Art hervorbringt. Da scheinen manche Opfer zunächst hysterisch überzeichnet, spinnert, jenseits von Gut und Böse und irgendwie aufdringlich in ihrer Betonung der eigenen Befindlichkeit. Im Gegensatz dazu gibt es eine Figur, die noch bis hinter die Mauern des Spitals von ihren Häschern verfolgt wird und das Mitleid des Betrachters erheischt. Bis dann in der Schlußviertelstunde die (absehbare) Wahrheit ins Licht der Erkenntnis gelangt und die Verhältnisse auf wenig elegante Weise gerade gerückt werden.
Um nicht mißverstanden zu werden: Blackbird ist kein schlechter, sondern nur äußerst durchschnittlicher Film, der nicht kraft seiner filmtechnischen Qualitäten (Skript, Darsteller, Regie) als gescheitert angesehen werden muß, sondern allein deshalb, weil er dem behandelten Sujet, so wie er sich ihm zu nähern versucht, nicht angemessen gerecht werden kann. Zuviel ist bloßes, naives Bemühen, ist Gutwilligkeit und - an manchen Stellen - auch angestaubtes Pathos. Zu sehen gibt es in diesem Film über die Folter und ihre Auswirkungen im übrigen nur eine einzige explizite Folterszene, eine ziemlich scheußliche dazu.
Am Thema vorbeigefilmt und selbst für Amnesty-Aktivisten keine Offenbarung. Deshalb nur 4,5/10.