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Als „Weltpremieren" deklarierte Filme von RTL bedeuten meist nichts Gutes, schließlich handelt es sich dabei um Eigenproduktionen des Senders, die meist zu angestrengt auf amerikanische Vorbilder schielen. So auch Das Papst-Attentat: ziemlich dreist wird hier der Plot von Der Schakal mit Bruce Willis geklaut, notdürftig angepasst an deutsche Verhältnisse. Doch das Credo "Budget und Action raus, preisgünstigere Alternativen rein" trifft hier nicht wirklich zu, was Produktionskosten von ca. 3,7 Mio. Euro, für einen deutschen TV-Film recht happig, belegen. Allerdings sieht man dieses Budget den Actionsequenzen kaum an - dennoch ist das Endresultat ein durchaus solider Actionthriller aus deutschen Landen geworden.

Die Story ist schnell erzählt: Der Profi-Killer Rami Hamdan (Heiner Lauterbach), bekannt unter dem Pseudonym „der Chirurg", erhält den Auftrag, gegen eine Zahlung von 25 Mio. Dollar den Papst in Köln zu töten, wo dieser demnächst seine Europareise startet. Einige Würdenträger im Vatikan sehen die Vollendung einer Prophezeiung gekommen, bei der einem Monat nach einem Meteoritenflug über die Stadt der Engel (sprich: Los Angeles) ein Attentat auf den Papst verübt wird. Der Personenschützer des Vatikans, Andrea Conti (Jean-Ives Berteloot), wird nach Köln geschickt, um zusammen mit den BKA-Beamten Stertz (Gesine Cukrowski) und Dabrock (Max von Thun) für den sicheren Ablauf des Papstbesuchs zu sorgen und ein eventuelles Attentat zu verhindern.

Der Film beginnt regelrecht nervös: Innerhalb der ersten 15 Minuten wird hektisch zwischen etlichen Schauplätzen hin und her geschnitten, der „Chirurg" wird rekrutiert, man erfährt etwas über die eher kryptische Prophezeiung und die beiden BKA-Beamten, welche später zusammen mit Andrea Conti die Hauptfiguren des Films darstellen, werden vorgestellt. Das ist auch eines der Probleme von Das Papst-Attentat: die Sympathien sind klar verteilt und Heiner Lauterbach als Killer kommt durch seine im Vergleich zu den ermittelnden Protagonisten eher kleine Rolle schlicht zu kurz, obwohl er eine gute Vorstellung gibt als grimmiger, präzise arbeitender, aber auch moralischer Killer.

Nach dem flotten Beginn verfällt der Film jedoch besonders im Mittelteil der Versuchung, durch längere seichte Dialoge die Charaktere zeichnen zu wollen. Dies gelingt jedoch aufgrund von der Oberflächlichkeit selbiger nicht und die Spannungskurve fällt ab, bevor sie ab einer gut choreografierten Verfolgungsjagd inklusive mehreren Schusswechseln durch Köln in der zweiten Filmhälfte wieder kontinuierlich nach oben geht. Bezogen auf die gesamte Filmlaufzeit sind Actionsequenzen jedoch wahrscheinlich aus Gründen des Budgets eher spärlich gesät, gegen Ende gerät ein schlecht getrickster Hubschrauber-Absturz gar unfreiwillig komisch.

Es wird eine kleine undurchsichtige Verschwörungsstory eingeflochten, die jedoch ebenso wie die dazugehörigen kurzen Flashbacks um die Vergangenheit von Conti und Rami Hamdan überladen wirken und zu einem arg gedehnten Ende führen, welches den Bogen etwas überspannt. Hätte man diesen Erzählstrang und ein paar dümmliche Sticheleien von Dabrock Conti gegenüber um Glaube und Gebote herausgelassen und ein paar Anflüge von komplett fehlender Selbstironie hereingenommen, hätte Die Papst-Verschwörung als Film davon profitiert.

Optisch guckte man sich bei den US-Vorbildern jedoch am meisten ab. Nicht nur die Sequenz mit dem Meteoritenabsturz zu Beginn erinnert an Armageddon: Es scheint, als hätte sich Kameramann Clemens Messow stark an John Schwartzmans (Michael Bays „Haus"-Cinematographer) Stil orientiert, was eine immer etwas dunklere Bebilderung als realistisch angeht, die dem Film einen gelackten Look verleiht, der auch mal von dramaturgischen Defiziten und dünnen Dialogen ablenken kann.

Am Ende bleibt eine handwerklich solide TV-Produktion, die sich eindeutig an amerikanischen Vorbildern orientiert ohne wirklich eigene Gedanken zu entwickeln. Das macht aber nichts, weil Das Papst-Attentat weitgehend recht flott und spannend erzählt wird und Heiner Lauterbach in seiner Rolle überzeugen kann. Da verzeiht man einige doch arge Plotlöcher auch noch (6/10).

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