Ich hab da so ein seltsames Gefühl...
…und es nennt sich Langeweile!
„The Strangeness“ ist der Titel unseres heutigen Rezensionsopfers und der amerikanische Titel – in Deutschland als „Abwärts ins Grauen“ veröffentlicht – ist schon das Seltsamste an dieser – Achtung, Gefahr! – Erstlingsproduktion filmbegeisterter Studenten.
Angeblich schon 1979/80 auf 16mm gedreht (obwohl ich für diese Aussage keine Garantie übernehme), kam der Film offenbar erst so um 1985 zu Ehren, als er irgendwie und auf irgendwas veröffentlicht wurde. Es ist aber immer ein zweifelhaftes Zeichen, wenn sogar die IMDB als Frühestes nur die „westdeutsche“ Veröffentlichung listet.
Die Grundidee ist eine sehr einfache und klassische: jemand befreit in einer verfluchten Mine unwissentlich ein Monster unbekannter Herkunft und das trifft leider mit einer firmenfinanzierten Mini-Expedition zur Analyse, ob sich eine Wiedereröffnung der Goldmine lohnen würde, zusammen. Alsbald ist das Grüppchen in der Schürfgrube gefangen und natürlich holt sich das Monster einen nach dem anderen.
Ihr meint, das sei ja nicht so üppig für 90 Minuten? Dann seht euch mal den ganzen Film an. Aber ohne Einschlafen.
Also ich bin durchaus gewillt, den Enthusiasmus hinter dieser Produktion anzuerkennen – aber leider muss ich streckenweise enorme Unfähigkeit konstatieren, denn die Mängel sind mehr als auffällig.
Da wäre zunächst die irre dunkle Kopie, die die Macher von ihrem Film gezogen haben, der dem Publikum wirklich den Eindruck vermittelt, die Figuren würden in einem Bärenarsch herumlaufen – man sieht so gut wie nichts die meiste Zeit.
Gut, das soll natürlich beklemmend sein, dass die Gruppe nun in einer abgeschlossenen Mine rumstolpert, aber auf lange Sicht muss ich mein beklemmendes Umfeld eben schon mal sehen können, damit ich es als solches wahrnehmen kann, sonst könnten die hier beim Kelleraufräumen sein. Natürlich haben die lustigen Buben und Mädeln große Taschenlampen und auch paar gut sortierte Bergmannsleuchten, aber die sind geben uns eben nicht das Gefühl von Verlorenheit und Tiefe wieder, wenn sie nur zwei Schritt weit leuchten.
Aber das ist ja auch beabsichtigt gewesen, denn wenn die Macher etwas nicht hatten, dann eben ein eigenes Bergwerk, in dem sie drehen konnten.
Das führte zu einer Lösung, die auf dem schmalen Grat zwischen Kreativität und totalem Dilletantismus wandelt, denn die steinernen Höhlenwände bestehen bei genauerem Hinsehen fast nur aus kunstvoll geknüllter und gequetschter Folie und Pappmache, welche die Produktion dunkel bis schwarz eingefärbt hat. Die Illusion ist zwar für die ersten Minuten relativ täuschend, aber je länger man drauf schaut, desto deutlicher wird das sparsame Produktionsdesign.
Ergo laufen, stolpern oder stehen die Figuren quasi immer wieder wieder an derselben Stelle oder bewegen sich die möglichen fünf Meter gemeinsam voran, die das Set zur Verfügung stellte. Zwar steht irgendwo mal ein ominöses Holzgerüst (der Sinn ist mir entfleucht) und zwischendurch gibt’s mal Rotlicht (hab ich auch nicht verstanden), aber meistens scheinen die Figuren für ihre Dialoge auf der Stelle zu gehen oder gleich Standmeetings im Dunkeln abzuliefern.
Erzählerisch ist das Ergebnis nicht besser, denn nach einer kurzen Einführung (ein Paar, bezahlt von irgendwem, soll in einem Mineneingang, der verblüffend nach einem kleinen Höhlenloch aussieht, aus einem Steinhaufen ein Kreuz heraus ziehen, was ihren baldigen Tod nach sich zieht) kommen auch schon die freundlichen Höhlenkletterer zusammen: der Firmenbeauftragte Myron Hemmings, der lokale Guide Morgan, zwei freundliche junge Männer (einer mit Pornoschnauzer), zwei Damen der Wissenschaft und ein belesener Brillennerd, der während der Latscherei dann für die nötige Backstory der Mine sorgt.
Die nächtigen dann alle am Strand, denn offenbar ist der Eingang der Mine in unmittelbarer Strandnähe, dann wieder muss man einen Tag ins Inland wandern, am Ende ist die Mine dann wieder in einer inselartigen Erhöhung direkt am Strand, aber das muss man ja nicht verstehen.
Dann klettern sie alle durch irgendein Loch in das Bergwerk, allerdings mit Material, bei dem sogar mir Nicht-Alpinisten Angst und Bange wird (und welches auch bald reißt).
Was ich den Pappkameraden hier zugute halten muss, ist, dass sie nicht in Panik verfallen, als ihr Rückweg abgeschnitten, ein anderer Ausgang unklar und ein mögliches Hilfsteam unwahrscheinlich ist. Geradezu konstruktiv bewegen sich die Holden jetzt vorwärts-abwärts (daher der Titel) und begegnen zwangsläufig dann natürlich auch irgendwann dem HÖHLENMONSTER.
Das Beste und das Schlechteste, was die Macher ihrem Film antun konnten, war das Monstrum, was sie nicht als Schattenriss im Gummianzug umsetzten, sondern als lovecraftsches Mutationstrauma in glorious Stop-Motion.
Ja, hier tentakelt und ringelt es nach Kräften, wenn auch ein wenig uneben und manchmal zu schnell und aufgrund der Kohle auch meistens nur kurz oder blitzartig. Dazu muss man natürlich nach zwei kurzen Fangarmen zu Beginn auch gute 45 Minuten warten, bis mal eine der Damen im Tunnel überrollt wird.
Aber dann kommt wieder der Arsch des Bären zum Einsatz, denn in der Folge sieht man nie bis nicht mehr, was das Vieh eigentlich so Schröckliches mit seinen Opfern anstellt, denn dank des total unbeholfenen Schnitts und der fehlenden Dynamik daraus resultierend, sieht man – bis auf einen Fall – nur das Ergebnis, was aus Blut, Fleisch, Knochen und Seiberschleim besteht, aber nicht wirklich abendfüllend ist. Gorefreunde werden hier auf Diät gesetzt, gehackt wird im dunklen Kleiderschrank.
Ein wenig zünftige Panik und Aggression wären auch noch nett gewesen, aber neben den darstellerischen Defiziten erzählen sich die Figuren meistens undramatisch nur, was los ist und nicht mal Terri Berland als blondes Vorzeigegirl mit Schutzhelm und angemessen doofen Dialogen bringt die Suppe zum Kochen.
Das schlimmste Beispiel schauspielerischer Talentlosigkeit fällt dann ausgerechnet dem „Gruppenarschloch“ zu, namentlich Myron Hemmings, einem Schnäuzerträger und Bürokratenanführer, der tatsächlich in jeder Lebenslage einen kritisch-ausdruckslosen Gesichtsausdurck vor sich her trägt und quasi mit normaler Stimme das wegarbeitet, was die Arschlöcher normalerweise laut durch die Gegend bölken. Der gute Mann, der auf den Namen Rolf Theison hört, hat danach nie wieder in einem Film mitgemacht und es würde mich auch nicht wundern, wenn er der Buchhalter der Produktion gewesen wäre. Er spricht seine beißenden Bossdialoge mit dem Verve eines Friedhofsgärtners und schaut sonst nur sehr ratlos drein, bis er dann auf die letzten fünf Minuten erst die Blondine angeht und dann dem probaten Goldrausch verfällt, obwohl sie alle noch gar keins gefunden haben.
Die böse Mär endet dann – wie so oft – mit Dynamit und einer wunderbar schäbig, aber für Studenten aufwändig getricksten Einstellung, wenn das „final pair“ in der Brandung die Explosion der Mine in tricktechnischer Glorie betrachtet – und natürlich ist das Vieh nicht wirklich platt.
Was es allerdings ist, wo es herkommt, Alien, Mythologie, Hölle…bleibt alles ungeklärt, genauso was die Chose mit dem Holzkreuz am Anfang damit zu tun hatte.
Immerhin, für Studis ist das Monster ganz gut, wenn auch hektisch animiert, aber das können natürlich nur echte Maestros mit reellen Darstellern kombinieren, deswegen agieren beide Gruppen auch nie in derselben Einstellung.
Das eigentliche Problem ist aber: es ist nichts los. In der ersten Stunde passiert außer schauerlichen Akzenten und furchtbarer Intonation dramatischer Dialoge gar nichts, dann folgen in kürzeren Abständen ein paar Monsterattacken, aber vorspulen können sollte man das alles schon.
Für Fans des eigenproduzierten Laienfilms sicher sehr manierlich, für mich regelte sich das Gehirn mit dem Interessenlevel alle 5 Minuten um 25 Prozent runter. Oder wie man auch sagen könnte: der Film ist halt nicht gut. (2/10)