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Schlicht und ergreifend grauenhaft - so einfach kann das Urteil lauten, wenn man bei einer großen Produktionsfirma eine neue Franchise aus der Taufe heben will und zu diesem Zweck eine alte (und ziemlich alberne) SF-Serie für die große Leinwand adaptiert. So geschehen im Fall von "Lost in Space", einem Klassiker aus den 60ern, der sich selbst selten genug ernst nahm und mitunter gut daran tat. Dieses Multimillionendollar-Remake tut das leider und landet damit voll in der Tonne.

Dabei gilt die alte Regel, daß ein Haufen Spezialeffekte und einige namhafte Darsteller noch lange kein Epos machen auch in diesem Fall. Trotzdem hat man es so versucht.
Man nehme also eine Öko-Prämisse (Rohstoffe auf der Erde werden knapp), um ein Wahnsinnsprojekt zu starten, eine zehnjährige Reise zu einem anderen bewohnbaren Planeten, wo eine Art Sprungtor (siehe auch: Babylon 5/ Stargate) gebaut werden soll. Aus irgendeinem sinistren Grund (vermutlich war das die Serienvorgabe) reist aber nur eine einzige Familie zu diesem Zweck los, nämlich des Konstrukteurs vielköpfige Sippe plus Pilot. Wie die mittels eines Raumers dieses Mega-Tor errichten wollen, bleibt schon mal ungeklärt, denn letztendlich kommt es ja nicht dazu.
Denn böse böse Terroristen, denen es bei schlechtem Wetter wohl derbe gefällt, sabotieren solche Missionen nun mal gern, auch wenn keiner so recht weiß, wieso. Auf jeden Fall drängt alles wie wild auf eine morgige Abreise, obwohl daheim immer noch nicht alles gepackt ist und an Bord noch nicht alles so hundertprozentig stimmt. Egal, die Probleme lösen wir in den letzten paar Stunden - ist doch logo bei so einer Sippe.

Die muß man sich allerdings erst mal bildlich vorstellen: Daddy ist ein Bombeningenieur und Forscher, aber mit dem Kopf immer irgendwo anders. Mum muß sich um drei Kinder kümmern und hat doch eigentlich gar nichts zu tun, weil nämlich alle machen, was ihnen gefällt. Die Älteste ist, trotz eines gepflegten Twen-Alters von Anfang Zwanzig gleich der Techno-Fachmann fürs Fluggerät, eine rotzige Teenager-Göre Marke "21st -Century Punkie" will gleich gar nicht mit und der kleine Sohnemann baut in seiner Freizeit Zeitmaschinenmodelle, wird aber ob seines Alters vom Daddy nicht wahr- und ernstgenommen. Ein Knüller!
Hinzugefügt wird noch ein gar wilder Pilot, der als Ersatz vom Fleck weg angeheuert wird, ungeachtet der Tatsache, daß er hinten und vorne nicht will. Dabei dürfte so ein Einsatz doch wohl diverse Ersatzpiloten in Reihe haben. Mit an Bord ist auch noch ein schurkiger Doktor, den seine Auftraggeber gleich nach Sabotageerledigung mitverklappen wollen, was er aber nicht mitmacht. Deswegen weckt er, kurz bevor ein Roboter Kleinholz aus dem Raumer machen kann, auch alle Robinsons aus dem Kälteschlaf (das geht übrigens: flupps und wieder wach sind sie). Doch da man zwecks Vermeidung einer Kollision mit naheliegender Sonne den Hyperantrieb einschalten muß, endet man am Arsche des Propheten aka irgendwo im Universum, wie unsere Raumreisenden flugs mal annehmen (und nicht irgendwo in unserer Galaxie, was naheliegender wäre).

Wem das noch nicht reicht, dem sei gesagt, das es durchaus immer noch schlimmer werden kann. Der Rest vom Film handelt nämlich ausschließlich von den nun folgenden Abenteuern unserer Freunde, die so haarsträubend sind, daß man sie logisch gar nicht wiedergeben kann. Auf jeden Fall produzieren wir hier reichlich blühenden Blödsinn rund um Zeitanomalien, Zeitblasen, gefrässige Weltraumspinnen und noch mehr Zeitphänomene, die wir getrost Zeitparadoxi nennen können, denn so wirr und sorglos ist selten mit dem Thema umgesprungen worden. Zum guten Showdown schließlich weiß keiner mehr, wo hinten und vorne ist mit der Zeit und alle Zuschauer wundern sich, auf welch absurde Weise alle wieder zusammenfinden.

Angereichert ist das ohne Ende mit F/X, damit man sich möglichst keine Gedanken über das Gesehene macht. Futuristische Erdstädte, ein Flug durch die Sonne, Spinnen im Zukunftsraumer, Bruchlandung auf Eisplaneten, Zeittore und am Ende doch glatt (und hier haut es auch noch den letzten SF-Logiker aus den Jesuslatschen) ein Flug durch einen zerberstenden Planeten, ohne Rücksicht auf Schwerkraft und Verluste. Damit die Kinder was zu strahlen haben, gibt's als Extra noch einen komplett animierten Affen-Alien, der nicht nur albern-blöd ausschaut, er hat auch noch keinerlei Funktion, außer blöd zu gucken und sinnloses Zeug zu brabbeln. Damit liegt er jedoch mit den Schauspielern auf einer Linie, sieht aber weniger echt aus.

Bei denen treten erst recht die Tränen ins Äuglein. Als Daddy ist William Hurt so auffällig unauffällig, daß der beknackte Roboter mehr Emotionen aufzuweisen scheint. Passend dazu Mami Mimi (Rogers), die als Mutti sicherlich einen geruhsamen Job hatte, da sie nur besorgt gucken muß. Heather Graham ist für ein Genie von Tochter auffallend blaß und läßt kaum erahnen, welch Schauspieltalent noch in ihr steckt. Wesentlich positiver kommt Mini-Punk Lacey Chabert aus der Sache raus, da sie sogar einen (sympathischen) Charakter entwickeln kann, aber immer nur mit dem Computeraffen rumschmusen muß. So richtig schön hassenswert ist natürlich der brilliante Sohnemann Jack Johnson, der angeblich zehn sein soll (jaja, lalala...) und uns mit seiner alleswissenden Tour zwar nicht mächtig auf den Zeiger geht, aber der Wahrscheinlichkeit den Rest gibt. Alleskönnerbratzen haben wir noch nie gemocht. (Was solls eigentlich? Wenn es hier darauf ankommt, kann sogar Teenagermariechen Chabert plötzlich diverse Reperaturen ausführen, für die ein Fachmann nötig wäre, also ist die Aufregung überflüssig.)
Matt Le Blanc nimmt als Kampfpilot mal so richtig Auszeit vom Friends-Lager, ist aber hier in eine noch stereotypere Casting-Falle geraten, denn sein Kampfpilot ist so richtig aus der 5-Minuten-Terrine, noch Wasser drauf, fertig ist der sympathische Jungheld mit dem flotten Spruch. Angenehm von der Ansicht her der All-Time-Bösewicht Gary Oldman als Dr.Smith/Terrorist, der sich trotz seines schleimig-fiesen Talents völlig in einem inkompetentem Drehbuch verheddert. Erst will er den Laden zerstören, aber sterben will er nicht. Dann haut in Gefangenheit ohne Grund ein Labor zu Klump und versucht ständig, das Raumschiff zu übernehmen, obwohl er auf die Herrschaften doch angewiesen ist. Nötigenfalls hilft er mal wieder, dann verrät er alle zwischendurch und jammert um Hilfe, wenn ihm die dicken Brocken um die Ohren fliegen. Ja, was denn nun?

Wenn wir also keinen wissenschaftlich-physikalischen hanebüchenen Quark zu hören und zu sehen bekommen mit Figuren, die so platt sind, daß auch noch eine geschlossene Drucklufttür kommen, gibt's zwischendurch tatsächlich ein paar Gags der ganz abgeschmackten Sorte. Oldman zitiert doch einmal tatsächlich "Pille" McCoy, was schon Ohrfeigen verdient, während mittendrin eine vollkommen unpassende Waltons-Gute-Nacht-John-Boy-Kaskade folgt. Der Gipfel der Abgründe ist jedoch mitten im infernalischen Showdown Le Blancs Beifahrerspruch, wenn ihm alle beim Planetendurchflug reinreden wollen.

Da alle bei Ansicht vor Schmerzen stöhnen müßten, will ich die Aufzählung der Fehler und hirntoten Drehbuchwendungen hier beenden und begeistert ausführen, daß der ganze Mumpitz natürlich offen endet, weil ja ursprünglich drei Abenteuer geplant waren. Insgesamt macht dieser Schrott tatsächlich noch etwas Kasse, aber bei weitem nicht genug, um die New-Line-Verantwortlichen nicht vor einer Fortsetzung zurückschrecken zu lassen, wie den Teufel vor dem Weihwasser. Damit dürften wir bis in alle Ewigkeit vor Sequels gerettet sein und die Familie Robinson bleibt da, wo sie hingehört, im Weltraum verschollen.

Immerhin werden sich einige Effekt-Fans dankbar zeigen, bis ihnen dann so in 10 Jahren auffällt, was für einen unlogischen Sch(w)und hier alle Beteiligten zusammengetragen haben. Dafür ist er knallbunt und äußerst hektisch, daß man bei Unwillen gar nicht erst zum Nachdenken kommt. Hyper, hyper! (3/10)

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