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"Die Vereinbarung ist fair. Dank ihrer Arbeit dort unten können sie sich ihr Paradies oben erbauen."

Franck Vestiels Filmdebüt weist eine gewisse Verwandtschaft zum Horrorgenre auf. Allerdings badet "Eden Log“ nicht in ekstatischen Blutfontänen, sondern ist eher in einer der "Cube"-Reihe ähnlichen Mystery-Region angesiedelt.

Tolbiac (Clovis Cornillac) erwacht in einem dunklen, katakombenartigen Labyrinth ohne sich daran zu erinnern wer er ist und wo er sich befindet. Eine pulsierende Lichtquelle zieht seine Aufmerksamkeit auf sich. Als er sich dieser nähert entdeckt er auf dem Boden herum liegende Leichen. Noch immer ohne Orientierung erkundet er das Labyrinth weiter, stößt auf zerstörte Forschungs- und Fabrikanlagen sowie menschenähnliche Kreaturen die ihn jagen.

Die Science-Fiction-Dystopie bricht mit beinahe allen Mainstream-Annehmlichkeiten. Erst nach 17 Minuten gibt es den ersten Dialog und auch sonst scheinen die Figuren nicht gerade gesprächig. Das Bild ist durchgehend farblos und trist. Charaktere gibt es zu Beginn nur einen, erst im Laufe des Films kommen weitere hinzu. Und worum es eigentlich geht wird erst im Finale deutlich. Ein schwerer Einstieg für diejenigen, die Hochglanzoptik und einen strikten Handlungsfaden gewohnt sind. Offene Zuschauer dürften aber durch das frische Setting begeistert sein. Zumindest in der ersten Hälfte.

Wer die Manga-Reihe Blame! kennt wird sich recht schnell heimisch finden. Ähnlich des japanischen Comics hangelt sich der Protagonist von einer Ebene zur nächsten, wandert durch industrielle Umgebungen und erforscht futuristisch anmutende Anlagen. Der Erkundungstrip dauert lange Zeit an, macht aber durch stetige kleine Hinweise, wo sich der Protagonist befindet und was genau die Labors für eine Funktion haben, neugierig.
Viel Handlung läuft dabei nicht ab, denn die düstere Zukunftsvision beschränkt sich auf den Erkundungstrip der Hauptfigur, der Präsentation einer lichtlosen, kalten, zerstörten Umgebung sowie dem Versuch die Unwissenheit überraschend aufzulösen. Leider funktioniert dies nicht völligst. Denn ab der zweiten Hälfte des Films dominiert die Jagd der menschenähnlichen Kreaturen den eigentlichen Erkundungstrip und raubt somit die neugierig machenden Elemente. Und auch der Abschluss ist weit weniger einfallsreich als zuerst erwartet, lässt parallel gar noch Handlungsstänge offen.

Die eingestreuten Actionsequenzen reißen leider nicht wirklich vom Hocker. Der durchgehend mit Handheld-Kameras gedrehte Film weist in diesen kurzen Abschnitten eine überaus wackelige Kameraführung auf, die auf den sowieso bereits sehr dunklen Bildern noch weniger erkennen lassen. Zudem lassen sie den Zuschauer seltsam unbeeindruckt.
Der eigentliche Schwerpunkt von "Eden Log" bleibt die visuelle Darbietung der interessanten Kulissen sowie der Aufbau einer dichten klaustrophobischen Atmosphäre. Die Szenerie aus Erde, Metall, Kunststoffen und Wurzelgestrüpp ist sehenswert in Bilder gefasst und wirkt durch einen leicht blauen Farbfilter gänzlich emotionslos und steril. Die funktionelle, aus Klängen und Tönen bestehende, Musik verschmilzt mit den Geräuschen des Stollens. Wie ein Herzschlag pumpt aufblendendes Licht. Während des Durchquerens der unbeleuchteten Gänge entwickelt sich zaghaft ein beengendes Gefühl. Klasse! Leider stellen sich aber auch bei der visuellen Ausgestaltung nach einiger Zeit deutliche Ermüdungserscheinungen ein.

Die Hauptrolle füllt Frankreichs Shootingstar Clovis Cornillac ("Asterix bei den Olympischen Spielen“, "Sky Fighters") mit ausdrucksstarker Souveränität. Über weite Strecken agiert er allein. Später gesellt sich Vimala Pons zu ihm, die allerdings kaum Möglichkeiten bekommt ihre plötzlich aus dem Kontext entschwindende Figur ordentlich einzuführen. Eine generellere Identifikationsfigur bleibt somit über weite Strecken aus.

"Eden Log" ist düstere Zukunftsmusik und Erkundungssafari. Trist, grau, extrem sperrig, aber auch unbestritten originell und mit einer künstlerischen Note wird die Dystopie erzählt und inszeniert. Der Erkundungstrip selbst funktioniert, kämpft ab der Hälfte der Laufzeit mit ein paar Längen und schwächelt schließlich durch mäßig eingesetzte Action-Stilmittel sowie einem nicht greifbaren Schluss. Schade, wäre das Drehbuch einfallsreicher ausgefallen wärs ein echter Geheimtipp.

6 / 10

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