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Egal, wie man nun zu dem Endergebnis steht: Mit Mary Shelley's Frankenstein ist Kenneth Branagh eine Verfilmung gelungen, die in ihrer Ausstattung und Atmosphäre der Literaturvorlage nahe kommt. Er nahm sich zwar handlungstechnisch einige Freiheiten, fängt jedoch mit den überbordenden Emotionen den Geist des Werkes durchaus ein.

Leider setzt diese Verfilmung zu häufig auf visuelle Overkills, die nicht unbedingt nötig gewesen wären, wie man z.B. an der "Geburt" der Kreatur beobachten kann. In dieser Szene ist es schon fast peinlich, wie Branagh schweißüberströmt alle Vorkehrungen für die Durchführung seines Experiments trifft.
Überhaupt agiert Hauptdarsteller und Regisseur Kenneth Branagh mit einer störenden Emphatie, die dem Film nicht durchgehend gut tut. Sicherlich verdeutlicht er durch seine Darstellung des Victor Frankenstein dessen krankhaften Ergeiz. Allerdings übertreibt er hier meiner Meinung nach leider ziemlich häufig. Wie oben schon erwähnt, fällt dieses Overacting besonders negativ bei der "Geburtsszene" auf, einem der wichtigsten Teile des gesamten Films.
Demgegenüber steht die Performance von Robert de Niro, der Frankensteins Kreatur über weite Strecken genau die innere Zerissenheit zwischen Liebe und Haß verleiht, die im Roman den Fixpunkt darstellt.
Der Rest der Besetzung macht ihre Sache über weite Strecken gut.
Die Musik passt sich perfekt dem Geschehen auf der Leinwand an und lässt einem genau an den richtigen Stellen kalte Schauer über den Rücken laufen.

Fazit: Eine ungewöhnliche und teilweise anstrengende Verfilmung des klassischen Stoffes, der durchaus seine starken Momente hat. Mit Sicherheit aber nicht für jeden etwas.
6/10 Punkten

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